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Niclas Pieczkowski
Niclas Pieczkowski spielt in der DKB HBL für den TuS N.-Lübbecke © Getty

Mannheim - Mit dem Sieg gegen Spanien macht das DHB-Team einen riesigen Schritt Richtung EM. Ein Neuling wird zum Matchwinner. Der Generationenwechsel funktioniert.

In der Mannheimer Arena rückte plötzlich ein Mann in den Blickpunkt, der bislang nur Handball-Experten ein Begriff war.

Niclas Pieczkowski stand ganz oben auf der Liste der Autrogrammjäger.

Frenetisch feierten die Fans den jungen Mann, der zuvor maßgeblichen Anteil am 29:28 (17:15)-Sieg im EM-Qualifikationsspiel gegen den favorisierten WM-Vierten Spanien Anteil hatte.

Mit sechs Treffern sorgte der Rückraumspieler des TuS Nettelstedt-Lübbecke dafür, dass die DHB-Auswahl das Ticket für die EM 2016 in Polen quasi schon buchen kann.

Deutschland-Spanien-Niclas Pieczkowski
Niclas Pieczkowski absolvierte gegen Spanien erst sein zweites Länderspiel für Deutschland © Getty Images

"Diese Phase meiner Karriere ist gerade wahnsinnig aufregend. Dass das alles passiert, hätte ich mir in den kühnsten Träumen nicht vorgestellt", sagte Neu-Nationalspieler Pieczkowski, der im Aufbau blendend mit dem 20-jährigen Berliner Paul Drux (vier Tore) harmonierte.

Lichtlein lobt Pieczkowski

Pieczkowski ist "schon" 25 Jahre alt, und doch steht der Blondschopf mit dem spitzbübischen Lächeln stellvertretend für die neue Generation, die immer besser in Schwung kommt.

"Niclas hat sensationell gespielt. Man hat gesehen, wir haben Potenzial in Deutschland. Und wenn wir das weiter herauskitzeln, ist wieder vieles möglich", meinte Torhüter Carsten Lichtlein, der Weltmeister von 2007.

Auch für Kapitän Uwe Gensheimer, mit acht Treffern (davon fünf Siebenmeter) bester Werfer, war der Auftritt von Mannheim der beste Beweis, "dass wir auf einem guten Weg zurück in die Weltspitze sind".

Und das mit frischen Kräften. Der bereits vor der WM im Januar in Katar eingeleitete Generationswechsel trägt Früchte. Im Kader gegen den Weltmeister von 2013 standen neun Spieler, die 25 Jahre alt oder jünger sind.

Sigurdsson dämpft Euphorie

Ganz anders die erfolgsverwöhnten Routiniers aus Spanien, bei denen im 16er-Aufgebot zehn Profis 30 Jahre alt oder sogar älter sind.

Einzig der Bundestrainer trat ein wenig auf die Euphorie-Bremse. "Natürlich ist dieser Sieg Gold wert. Aber das heißt jetzt nicht, dass wir besser sind als Spanien. Auf uns wartet noch ein längerer Weg", sagte Dagur Sigurdsson.

Nichtsdestotrotz war er stolz wie Bolle auf seine "Jungs". Der Isländer betonte auch, den Verjüngungsprozess nicht auf die Spitze treiben zu wollen.

"Ich will Spiele gewinnen und wähle die Spieler danach aus. Und wenn einer 39 Jahre alt und gut ist, würde ich ihn auch nehmen", sagte der Sigurdsson, dessen Understatement nach einem Abend der Superlative angenehm wirkte.

Gold in Tokio als Fernziel

Zur Weltspitze fehle noch die Routine, sagte Sigurdsson, aber man habe sich durch den siebten Platz bei der WM und den Erfolg gegen Spanien ein "bisschen Respekt und Anerkennung" erkämpft. Typisch sein Resümee: "Wir haben gezeigt, dass wir ganz okay sind."

DHB-Vizepräsident Bob Hanning sprach nach dem dritten Sieg im dritten EM-Qualifikationsspiel und dem Sprung an die Spitze der Gruppe 7 von einem Signal.

Seine Ankündigung im Hallenheft, man wolle im Rahmen der Agenda 2020 in fünf Jahren bei den Olympischen Spielen in Tokio Gold gewinnen, erscheint nach diesem Abend irgendwie nicht mehr so realitätsfremd wie noch vor einiger Zeit.

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