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Professor Dr. Kurt Steuer (l.) bei der Erstversorgung von Steffen Weinhold am Sonntagabend
Professor Dr. Kurt Steuer (l.) bei der Erstversorgung von Steffen Weinhold am Sonntagabend © DPA Picture-Alliance

Professor Dr. Kurt Steuer führt die Verletzungen bei den Deutschen auf deren Überbelastung zurück. DHB-Vize Hanning gibt ihm nur teilweise Recht, will aber reagieren.

Teamarzt Professor Dr. Kurt Steuer hat angesichts der Verletztenmisere bei den deutschen Handballern Alarm geschlagen und die Überlastung der Spieler scharf kritisiert.

"Die Spieler, die Bundesliga, Champions League und Nationalmannschaft spielen und in diesem Jahr zusätzlich mit EM, Olympia-Qualifikation, WM-Quali und vielleicht Olympia mehrere große Aufgaben zu bewältigen haben, sind überspielt, massiv überlastet", sagte der 59-Jährige den Kieler Nachrichten: "Dann passieren solche Schäden."

Derselben Meinung ist DHB-Vizepräsident Bob Hanning. "Die Spieler, die in der aufgeblähten Champions League spielen, haben eine Maximal-Belastung, die deutlich zu hoch ist", sagte Hanning: "Alle anderen Spieler haben die allerdings nicht." 
Der DHB werde sich "nach der Europameisterschaft mit Vertretern der Bundesliga, von internationalen Spitzenverbänden und vor allem mit den
Spielern zusammensetzen und gemeinsam nach diffenrenzierten Lösungen suchen", sagte Hanning.

Am Montag hatten sich Kapitän Steffen Weinhold (Muskelbündelriss im Oberschenkel) und Torjäger Christian Dissinger (Adduktorenverletzung) abgemeldet - insgesamt die Stammkräfte Nummer fünf und sechs.

Bereits im Vorfeld der EM hatten Uwe Gensheimer (Achillessehnenreizung), Patrick Groetzki (Wadenbeinbruch), Patrick Wiencek (Kreuzbandriss) und Paul Drux (Schulter) abgesagt.

"Die Namen sind sicher nur Variablen – aber der Kreuzbandriss von Wiencek oder auch die Verletzungen von Gensheimer oder Groetzki waren im Prinzip kalkulierbar", sagte Steuer, Chefarzt des Johanniter-Krankenhauses in Bonn.

Man habe die "Überlastung der Spieler aus den Spitzenvereinen ganz deutlich gesehen", als die Akteure vor dem Turnier zur Nationalmannschaft angereist waren.

Ein ausdrückliches Lob bekam Bundestrainer Dagur Sigurdsson. Aus seiner Erfahrung in der Bundesliga wisse er genau, wie wichtig Regeneration ist.

"Ich habe so etwas in über 20 Jahren als Teamarzt noch nicht erlebt: Dagur verlangt, dass seine Spieler pro Tag – sei es beim Training oder im Spiel – zwei Stunden lang 100 Prozent Leistung bringen", sagte Steuer: "22 Stunden lang bekommen sie jedoch Zeit, sich zu erholen. Sie schlafen, lenken sich ab, die Physiotherapeuten und Ärzte können intensiv an den Wehwehchen arbeiten, die Spieler gesund halten - ein Meilenstein."

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