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HANDBALL-EURO-ESP-GER
Christian Dissinger war gegen Spanien bester deutscher Werfer © Getty Images

Die deutsche Mannschaft unterliegt zum EM-Auftakt gegen Spanien. Nach einem guten Start verliert das DHB-Team den Faden. Ein Spanier sieht nach einer Unsportlichkeit Rot.

Die deutschen Handballer haben einen Fehlstart in die Europameisterschaft in Polen hingelegt.

Die Mannschaft von Trainer Dagur Sigurdsson unterlag Ex-Weltmeister Spanien in Breslau trotz einer über weite Strecken guten Leistung mit 29:32 (15:18) und muss um den Einzug in die Hauptrunde bangen.

Bester Werfer in einer tapfer kämpfenden Auswahl des Deutschen Handballbundes war Christian Dissinger mit sechs Toren.

Deutschland unter Druck

Durch die Niederlage steht der ersatzgeschwächte WM-Siebte in den weiteren Gruppenspielen am Montag (20.30 Uhr im LIVETICKER) gegen Rekord-Europameister Schweden und am Mittwoch (17.15 Uhr im LIVETICKER) gegen Slowenien unter Druck. Die ersten drei Teams der ausgeglichenen Gruppe C qualifizieren sich für die Hauptrunde.

Sigurdsson sagte im ZDF: "Ich ärgere mich über die Niederlage. Wir hätten hier etwas holen können, aber es war nicht unser Tag. Dennoch hat nicht viel gefehlt."

Zudem habe er einige Entscheidungen der französischen Schiedsrichter nicht nachvollziehen können: "Spanien hatte einen kleinen Bonus."

Der starke Torhüter Andreas Wolff sah ein entscheidendes Detail in seinem spanischen Gegenüber: "Wir sind an Arpad Sterbik gescheitert. Er hat nicht überragend gehalten, aber ein, zwei Bälle weggenommen, als wir hätten rankommen können", so der Wetzlarer und künftige Kieler: "Wir können aber etwas Selbstbewusstsein mitnehmen, weil wir gegen einen der Topfavoriten gespielt haben. Das Potenzial ist da."

Und der verletzte Kapitän Uwe Gensheimer meinte am ZDF-Mikrofon: "Wir waren nahe dran, einen haushohen Favoriten auf den EM-Titel zu schlagen. Wir haben die Leistung leider nicht konstant über 60 Minuten abgerufen."

Guter Beginn des DHB-Teams

Die unerfahrene deutsche Mannschaft begann mit ihren 14 EM-Debütanten vor 5000 Zuschauern ohne Nervosität. Die von Sigurdsson geforderten schnellen Abschlüsse, bevor sich die spanische Deckung formiert hat, setzte die DHB-Auswahl in der Anfangsphase perfekt um.

Der Lohn war eine 6:4-Führung nach sechs Minuten, auf die der spanische Trainer Manuel Cadenas mit einer frühen Auszeit reagierte.

Zu viele Ballverluste

Danach kam der Favorit besser ins Spiel, bei der deutschen "Rasselbande" schlichen sich nach dem 9:7 (12.) immer mehr Fehler ein. Riskante Anspiele an den Kreis führten immer wieder zu Ballverlusten, die von den Iberern mit ihrem perfekten Gegenstoßspiel gnadenlos bestraft wurden.

Sigurdsson nahm nach dem 10:13 (17.) eine Auszeit und wechselte seine Torhüter. Wolff ersetzte Routinier Carsten Lichtlein, den letzten verbliebenen Weltmeister von 2007.

Der bekam zunächst aber ebenso wie Lichtlein kaum einen Ball zu fassen, zudem offenbarte die deutsche Abwehr große Abstimmungsprobleme. Beim 11:18 (23.) sah es nach einem Debakel aus.

Platzverweis nach Wurf ins Gesicht

In einer hektischen Schlussphase der ersten Halbzeit kämpfte sich die DHB-Auswahl mit vier Toren in Folge zurück - das blieb bei den Spaniern nicht ohne Wirkung.

Jorge Maqueda warf bei der letzten Aktion des ersten Durchgangs Kapitän Steffen Weinhold den Ball bei einem Freiwurf aus kurzer Distanz mitten ins Gesicht und sah von den französischen Schiedsrichtern die Rote Karte.

Eine Rudelbildung auf dem Feld war die Folge.

Starke Keeper

In der Pause beruhigten sich die Gemüter wieder, nach der Roten Karte und weiteren Zeitstrafen gegen Ende der ersten Halbzeit agierte die DHB-Auswahl zu Beginn des zweiten Durchgangs für kurze Zeit in dreifacher Überzahl - doch dem zweimaligen Weltmeister Spanien gelang das erste Tor zum 15:19 (32.).

Spain v Germany - Men's EHF European Championship 2016
Klarer Fall: Jorge Maqueda sieht nach dem Kopftreffer gegen Steffen Weinhold Rot © Getty Images

Doch der Europameister von 2004 war lautstark unterstützt von den deutschen Fans nun wieder in der Partie, Torhüter Wolff steigerte sich von Minute zu Minute und zeigte starke Paraden.

Auf der anderen Seite wurde aber auch Spaniens Weltklassetorhüter Sterbik besser, so schaffte es der Außenseiter nicht, den Rückstand entscheidend zu verkürzen. Spanien spielte seine Routine aus und gewann.

Niederlagen zum EM-Start haben für deutsche Handballer fast schon Tradition. Der einzige Auftaktsieg in der Geschichte von Europameisterschaften gelang 2008 gegen Weißrussland.

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