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Uwe Gensheimer (r.) nahm bislang an je zwei Welt- und Europameisterschaften teil
Uwe Gensheimer (r.) nahm bislang an je zwei Welt- und Europameisterschaften teil © SPORT1-Grafik: Carsten Arndt/Imago

München - Vor dem Halbfinale gegen Norwegen spricht der verletzte Kapitän Uwe Gensheimer bei SPORT1 über das deutsche Erfolgsgeheimnis - und seine persönlichen Leiden.

Während seine Teamkollegen bei der EM in Polen in den vergangenen Tagen von einem Sieg zum nächsten stürmten, saß der verletzte Uwe Gensheimer zu Hause vor dem Fernseher.

Ein Muskelfaserriss in der Wade und eine Reizung der rechten Achillessehne kosteten den etatmäßigen Kapitän der deutschen Handball-Nationalmannschaft kurz vor Weihnachten die Turnier-Teilnahme.

Doch spätestens jetzt, wo die DHB-Auswahl ihr erstes Halbfinale bei einem großen Turnier seit acht Jahren bestreitet, hält auch Gensheimer nichts mehr auf dem heimischen Sofa.

Gemeinsam mit den ebenfalls verletzten Steffen Weinhold und Christian Dissinger wird der 29-Jährige seine Kollegen beim Knaller gegen Norwegen am Freitag (ab 18.15 Uhr im LIVETICKER) in Krakau vom Spielfeldrand aus anfeuern.

Im SPORT1-Interview spricht Gensheimer über das deutsche Erfolgsrezept - und seine persönlichen Leiden.

SPORT1: Herr Gensheimer, wie haben Sie den dramatischen Halbfinal-Einzug der deutschen Mannschaft gegen Dänemark erlebt?

Uwe Gensheimer: Ehrlich gesagt bin ich vollkommen ausgerastet. Es war ein unglaublicher Kampf, den die Jungs da abgeliefert haben. Absolut geil.

SPORT1: Wie haben Sie die EM bisher denn generell verfolgt?

Gensheimer: Die Spiele unserer Mannschaft habe ich zusammen mit Freunden auf der Couch angeschaut. Wobei ich sagen muss, dass ich von denen gar nicht so viel mitbekommen habe (lacht). Sobald die Partie läuft, bin ich im Tunnel.

SPORT1: Was macht diese deutsche Mannschaft so stark und wie schafft sie es, all die personellen Rückschläge zu verkraften?

Gensheimer: Auch wenn sie gegen Spanien verloren haben, sind die Jungs ganz gut ins Turnier reingekommen. Sie haben sich von Spiel zu Spiel mehr Sicherheit geholt und nach den Ausfällen von Weinhold und Dissinger sind sie noch einmal enger zusammengerückt. Natürlich schwimmen sie auch auf einer Euphoriewelle, aber ihr Kampfgeist ist wirklich vorbildlich.

SPORT1: Gibt es Spieler im deutschen Team, die Sie ganz besonders beeindrucken?

Gensheimer: Unsere beiden Torhüter Andreas Wolff und Carsten Lichtlein spielen sicherlich ein überragendes Turnier bisher, das kann man schon an ihren Statistiken ablesen. Das Gleiche gilt für unseren Mittelblock mit Finn Lemke, Erik Schmidt und Hendrik Pekeler. Was die da hinten wegackern, ist schon außergewöhnlich. Tobias Reichmann und Steffen Fäth spielen richtig groß auf, auch Rune Dahmke macht es bei seinem ersten großen Turnier auf meiner Position sehr gut. Nichtsdestotrotz stehen der Team- und der Kampfgeist dieser Truppe bisher über allem.

SPORT1: Wie sehr schmerzt es Sie, diese Erfolgsstory nur als Zuschauer zu erleben?

Gensheimer: Es ist schon schwierig - gerade weil es die letzten Jahre nicht so gut lief und wir da als Mannschaft eine Menge Kritik abbekommen haben. Dementsprechend wäre ich jetzt schon gerne dabei. Aber natürlich überwiegt die Freude über das, was die Jungs da leisten. Und die Euphorie, die in Deutschland gerade entsteht, kann unserem Sport nur guttun.

SPORT1: Im Halbfinale geht es jetzt gegen die andere große Überraschung dieses Turniers. Was zeichnet die Norweger aus? (PORTRÄT: Halbfinal-Gegner Norwegen)

Gensheimer: Man kann die norwegische Mannschaft gut mit unserer vergleichen. Auch sie befinden sich im Umbruch, haben viele junge Spieler und kommen vor allem über die Geschlossenheit. Sie spielen ähnlich aggressiv wie wir. Und: Für beide Teams ist es das erste Mal in diesem Turnier, dass sie nicht als Außenseiter ins Spiel gehen, sondern dem Gegner absolut auf Augenhöhe begegnen.

SPORT1: Zwei Siege fehlen noch bis zum Titel. Kann es da jetzt überhaupt noch ein anderes Ziel als Gold geben?

Gensheimer: Klar wollen wir jetzt ins Finale und dann natürlich möglichst auch den Titel holen. Aber ganz ehrlich: Wir haben bis hierher schon so viel erreicht, wir können nur noch gewinnen.

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