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Was nun, Sigurdsson? Der Bundestrainer muss für den Rest der EM auf Steffen Weinhold (l.) und Christian Dissinger verzichten
Was nun, Sigurdsson? Der Bundestrainer muss für den Rest der EM auf Steffen Weinhold (l.) und Christian Dissinger verzichten © Imago

Breslau - Im Kampf ums EM-Halbfinale muss das DHB-Team ohne Weinhold und Dissinger auskommen. Ein Unglücksrabe ist in der Pflicht, Sigurdsson vertraut auch den Nachnominierten.

Der Kapitän ist raus, der erste Mann für die Königsposition auch: Vor ihrer wichtigsten und schwersten Aufgabe bei der Handball-EM müssen die Deutschen zwei Hiobsbotschaften verkraften.

Steffen Weinhold und der Rückraumlinke Christian Dissinger fallen mit Adduktorenverletzungen aus - nicht nur für das entscheidende Hauptrundenspiel gegen Dänemark (Mi., 18 Uhr im LIVETICKER), sondern für den Rest des Turniers, egal ob es mit einem Platzierungsspiel oder doch mit dem Halbfinale weitergeht.

Um den Medaillentraum am Leben zu halten, ist im günstigsten Fall ein Remis gegen den zweimaligen Europameister nötig, im ungünstigsten ein Sieg mit drei Toren Differenz.

Zwei Unerfahrene nachnominiert

"Die beiden Verletzungen sind ein kleiner Schock", sagte Bundestrainer Dagur Sigurdsson. "Das wirft uns zurück."

Sogleich baute er aber die beiden Nachnominierten Kai Häfner und Julius Kühn auf, die am Montag in Breslau zum Team stießen. "Julius und Kai waren schon im abschließenden Vorbereitungslehrgang in Berlin mit dabei, was die Sache etwas einfacher macht."

Allerdings: Hannovers Häfner (21 Länderspiele) kann die Lücke auf Halbrechts ebenso wenig schließen wie der noch unerfahrenere Gummersbacher Kühn (2 Länderspiele) die auf Halblinks.

Unglücksrabe Wiede nun im Fokus

"Ich bin bereit und werde alles geben, um der Mannschaft zu helfen", sagte Häfner, immerhin bester Feldtorschütze der DKB HBL, als er zusammen mit Kühn um 13.20 Uhr das Teamhotel in der Innenstadt bezog.

Doch noch stärker kommt es auf die Übriggebliebenen an, die ja bereits seit Turnierbeginn die Ausfälle der Stars Uwe Gensheimer, Patrick Groetzki, Patrick Wiencek und Paul Drux auffangen.

In den Fokus rückt ausgerechnet einer, dessen Ballverlust Sekunden vor Schluss der Partie gegen Russlands Weinholds folgenschwere Rettungsaktion überhaupt erst nötig machte: Fabian Wiede.

An der Stelle des neuen "Schweini"

Dem 21-Jährigen von den Füchsen Berlin war die Verantwortung zuvor in einer Auszeit von Sigurdsson zugewiesen worden. Nun dürfte er davon noch mehr erhalten und auf Halbrechts in die Startformation rücken.

Die Last wiegt schwer, schließlich ist Weinhold durch seine aufopferungsvolle Tat just zum "Schweini" aufgestiegen, wie sein Ex-Klub SG Flensburg-Handewitt in Anspielung auf Bastian Schweinsteigers Auftritt im WM-Finale twitterte.

Weinhold - "sehr traurig und enttäuscht" über sein Turnieraus - machte seinen Teamkollegen gleich wieder Mut: "Ich bin nach wie vor fest davon überzeugt, dass wir die Chance haben, das Halbfinale zu erreichen".

Und der Bundestrainer versprach: "Wir werden nicht aufgeben, sondern weiterkämpfen und sehen, was geht."

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