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HANDBALL-EURO-2016-POL-CRO
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Eine Nacht nach dem Albtraum von Krakau und dem K.o. des EM-Gastgebers wirft der deutsche Trainer hin - arbeitslos ist er aber nicht. Die Spieler entschuldigen sich.

Nach einer schlaflosen Nacht stand der Entschluss von Michael Biegler fest: Der 54-Jährige trat nach dem 23:37-Debakel der polnischen Handballer gegen Kroatien als Trainer des EM-Gastgebers zurück. "Ich übernehme die volle Verantwortung dafür. Ich allein", sagte Biegler.

Unter dem Eindruck des Albtraums von Krakau kam Andrew Krasnicki Bieglers Wunsch am Donnerstagvormittag nach. "Ich habe den Rücktritt von Michael Biegler akzeptiert", sagte der polnische Verbandspräsident.

Mit Tränen in den Augen

Das abrupte Ende der rot-weißen Handball-Party hatte Biegler aber auch mit etwas Abstand noch nicht richtig verarbeitet. "Ich habe nur wenig geschlafen. Für das Ergebnis habe ich keine Erklärung. Ich habe im Vorfeld versucht, der Mannschaft den Druck zu nehmen. Von uns hat kein Spiel stattgefunden. Was wir gezeigt haben, war nicht das, was wir trainiert haben", sagte Biegler.

Polen hätte sich gegen Kroatien sogar eine Niederlage mit drei Toren Unterschied leisten können, um das Minimalziel Halbfinale zu erreichen.

Doch was zu einem Triumph werden sollte, wurde zu einem Desaster. Nach den äußerst schmerzhaften 60 Minuten standen die Spieler mit Tränen in den Augen kopfschüttelnd auf dem Feld und sahen, wie die 15.000 Zuschauer fluchtartig die Halle verließen.

Die Spieler entschuldigen sich 

"Ich möchte mich bei allen Fans entschuldigen. Unser Spiel war dramatisch, auf jede Art und Weise. Es ist sehr hart, was passiert ist", sagte Piotr Chrapkowski, während sich Mitspieler Rafal Glinski bei den Anhängern des WM-Dritten entschuldigte: "Es tut mir für unsere Fans leid."

Michael Biegler führt die deutschen Frauen als Trainer zur WM nach Schweden
Michael Biegler verpasste mit Polen das Halbfinale bei der Heim-EM © Getty Images

Biegler hatte den Posten in Polen am 1. Oktober 2012 übernommen. Die Heim-EM sollte die Krönung seiner Arbeit werden.

Parallel zu seinem Engagement beim Vizeweltmeister von 2007 betreute der in Leichlingen geborene Biegler 2013 noch den SC DHfK Leipzig sowie ab 2015 den inzwischen insolventen Bundesligisten HSV Hamburg.

Ohne Aufgabe ist er aber in den nächsten Monaten nicht. Nach einem Bericht des World Handball Magazine übernimmt Biegler ein Entwicklungshilfeprojekt in Uganda. In dem zentralafrikanischen Land soll er Trainer und Handballlehrer schulen. Das Projekt läuft bis zum 31. August. Sein Projekt in Polen endete unterdessen am Donnerstag.

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