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Der Deutsche Michael Biegler (M.) trainiert Polen, die Superstars Mikkel Hansen (l.) und Nikola Karabatic führen Dänemark bzw. Frankreich an © SPORT1-Grafik: Getty Images / Philipp Heinemann

In Polen kämpfen die besten Handballer Europas um den Titel. Das DHB-Team tritt als Außenseiter an. SPORT1 stellt die Top-Favoriten vor, die Deutschland ärgern will.

Es geht endlich los: Am Freitag startet die Handball-EM in Polen.

Die deutsche Nationalmannschaft entwickelte sich wegen Verletzungsausfällen zunehmend zum Außenseiter, trotzdem will das DHB-Team die Favoriten ärgern. Die Spitze ist dicht beisammen, nach dem Titel dürften aber nur die üblichen Verdächtigen greifen: Frankreich, Dänemark, Spanien, dazu Gastgeber Polen. Auch Kroatien, das seinen EM-Fluch (2x Silber, 1x Bronze) besiegen will, muss man auf der Rechnung haben - und eventuell ein Überraschungsteam.

Zusammen mit Daniel Stephan, Welthandballer von 1998, stellt SPORT1 die heißesten Anwärter auf den Titel vor.

POLEN: Gefährlich auch wegen des Publikums

Michael Biegler führt die Geschicke der polnischen Nationalmannschaft.

Der deutsche Trainer ist wohl eine der stärksten Waffen der Polen, formte er den Bundesligisten HSV Hamburg doch zu einem Anwärter auf die Champions-League-Plätze - und das trotz Insolvenz und begrenztem Spielermaterial.

In Polen verfügt Biegler nun über zahlreiche Elite-Handballer wie Torhüter Slawomir Szmal. Der größte Vorteil der polnischen Mannschaft aber dürfte das fanatische Publikum in den Hallen sein. Vergangene Welt- und Europameisterschaften zeigten, wie schwer der Heimvorteil wiegen kann. Polen, bei der WM 2015 Dritter, macht das zum Mitfavoriten.

Das sagt Daniel Stephan: "Mit dem Heimvorteil und den eigenen Zuschauern im Rücken werden sie einiges erreichen. Trainer Michael Biegler hat große Erfahrung, brachte die Polen wirklich nach vorne. Sie sind kein Geheimfavorit mehr, denn mit ihrer Qualität haben sie die Chance, ganz oben mitzuspielen. Im Interesse des Turniers hoffe ich, dass sie als Gastgeber ganz lange dabei bleiben."

DÄNEMARK: Thor-Doppelgänger als Ballermann

Die dänische Nationalmannschaft enttäuschte bei der vergangenen WM mit dem fünften Platz. Die Truppe von Trainer Gudmundur Gudmundsson wird deshalb extra motiviert in die EM gehen.

Der wurfgewaltige Mikkel Hansen (Paris Saint-Germain) führt das Team an. Der beste dänische Spieler gleicht in seinem Aussehen der Sagengestalt Thor – bärtig, blond, muskulös. Von Hansens Form wird es abhängen, ob Dänemark in den K.o.-Spielen besteht.

Bei der WM enttäuschte der 28-Jährige zuletzt allerdings bitter.

Die größte Stärke der Dänen ist aber ihr ausgeglichener Kader. Für nahezu jede Position steht ein gleichwertiger Ersatz bereit.

Allerdings riss der Ausfall von Abwehrchef Rene Toft Hansen (THW Kiel) eine Lücke in den Defensivblock, die schwer zu schließen sein wird. Die spielstärkste Mannschaft der EM gehört dennoch zu den Top-Anwärtern.

Das sagt Daniel Stephan: "Dänemark hat eine kompakte Truppe, auch wenn Toft Hansen verletzt ist. Man muss abwarten, wie schwer der Ausfall wiegt. Vorne gibt es immer Alternativen. Sie haben durch ihr schnelles Spiel mit vielen Gegenstößen gute Chancen, ins Finale zu kommen."

FRANKREICH: Erfahrung und Karabatic

Welt- und Europameister, dazu Olympiasieger - die französische Nationalmannschaft dominiert die Handball - und Sportwelt wie kein anderes Team. Auch bei der EM laufen wieder titelerprobte Akteure auf, wie Nikola Karabatic und Torhüter Thierry Omeyer.

Zwar kämpfen die Franzosen mit einigen Ausfällen gerade im linken Rückraum (u.a. William Accambray, Jerome Fernandez), zu den Favoriten gehören sie dank ihrer individuellen Klasse dennoch.

Vor allem Welthandballer Karabatic sorgt in der massierten Abwehr und dem athletischen Angriff für die besonderen Momente. Trainer Claude Onesta sagt, durch die vielen Verletzten sei Frankreichs Kader geschwächt, könnte aber dennoch jeden Gegner schlagen. Eine gute Voraussetzung für den Titelgewinn.

Das sagt Daniel Stephan: "Frankreich redet natürlich ein gewichtiges Wort um den Titel mit, auch wenn Onesta tiefstapelt. In ihren Reihen spielt mit Karabatic der Superstar. Trotz einiger Verletzter führt deswegen kein Weg an Frankreich vorbei. Aber sie sind nicht weit vor den anderen Favoriten."

SPANIEN: Wuchtbrumme am Kreis

Die spanische Auswahl ist der Auftaktgegner des DHB-Teams. Die Deutschen müssen als erste Mannschaft die Frage beantworten: Wie stoppen wir Julen Aguinagalde?

Der wuchtige Kreisläufer (110 Kilo bei 1,95 Metern) stellt seine Gegenspieler regelmäßig vor Rätsel. Ihn zu stoppen, heißt die Schlüsselfigur im spanischen Angriff lahmzulegen.

Und Trainer Manolo Cadenas verfügt über weitere Optionen: Die starken Abwehrspezialisten Viran Morros (FC Barcelona) und Gedeon Guardiola (Rhein-Neckar Löwen) werden den gegnerischen Angriff vor einige Herausforderungen stellen.

Für den Tempogegenstoß steht bei Spanien der wohl beste Rechtsaußen der Welt bereit: Victor Tomas. Der Spieler von Barcelona überzeugt mit schnellen Antritten und trickreichen Würfen. Bis zum Halbfinale könnten diese Spielmittel reichen - dann warten mögliche Gegner wie Frankreich und Polen, die auch einen Aguinagalde bändigen können. 

Das sagt Daniel Stephan: "Bei Spanien hat Cadenas gesagt, sie wollen den Titel holen. Ich finde es gut, das so zu verkörpern. Sie zeigen nicht den attraktivsten Handball, aber sie spielen ein gutes Zwei-gegen-Zwei mit dem Kreisläufer und sind auch im Gegenstoß stark. Ein Favorit aufs Halbfinale."

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