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Michael Biegler
Michael Biegler steht vor seinem Debüt als Frauen-Nationaltrainer © imago

Michael Biegler bestreitet sein erstes Spiel als Bundestrainer der Frauen. Gegen die Schweiz (18.55 Uhr LIVE im TV auf SPORT1) muss die Nationalmannschaft liefern.

Michael Biegler hat eine Mission.

Der 55 Jahre alte Trainer-Haudegen soll die deutschen Handballerinnen in Rekordzeit zurück in die Weltspitze führen - schon bei seinem Debüt am Mittwoch (ab 18.55 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 und im LIVESTREAM) in St. Gallen gegen die Schweiz muss er liefern. Die Qualifikation für die Europameisterschaft in Schweden (4. bis 18. Dezember) ist Pflicht. 

"Druck? Ach was. Ich bin tiefenentspannt", sagte Bundestrainer Biegler vor seiner Premiere und zeigte sich nach den ersten Einheiten mit seiner neuen Mannschaft "begeistert von der fokussierten und intensiven Arbeit der Ladies". 

Doch Biegler weiß: Um bei der EM dabei zu sein, muss die deutsche Mannschaft auf der letzten Etappe der Qualifikation bei den Eidgenossen und am Sonntag (17.00 Uhr) in Stuttgart gegen Island zwingend punkten. "Wir haben zwei Spiele und am Ende muss die EM-Quali stehen", sagte Biegler lapidar.

WM im eigenen Land als "letzte Chance"

Sein Team brauche das Turnier in Schweden "unbedingt, um den Erwartungen bei der WM 2017 im eigenen Land standhalten zu können". Spiele unter Wettkampfbedingungen seien als Vorbereitung durch nichts zu ersetzen.

Vor der letzten Quali-Etappe liegt die DHB-Auswahl mit 4:4-Punkten auf dem zweiten Platz der Gruppe 7 hinter Frankreich (8:0-Zähler) und vor Island und der Schweiz (jeweils 2:6). Für die EM qualifizieren sich die jeweils besten beiden Teams der sieben Gruppen sowie der beste Gruppendritte.

Biegler, der in seinen 32 Trainerjahren noch nie ein Frauen-Team betreut hat, ist der letzte Hoffnungsträger einer ganzen Sportart. Die EM in Schweden soll für ihn und sein Team bloß eine erste kleine Etappe auf dem Weg nach oben sein.

Schon bei der WM in 18 Monaten im eigenen Land, so das erklärte Verbandsziel, greift die deutsche Mannschaft nach Jahren in der sportlichen Diaspora wieder nach einer Medaille. 

"Das ist die letzte Chance für den Frauenhandball. Wenn das nicht funktioniert, dann kann man die Tür abschließen", hatte DHB-Vizepräsident Bob Hanning bei Bieglers Vorstellung als Nachfolger des erfolglosen Jakob Vestergaard im April gesagt. Biegler selbst ficht die enorme Erwartungshaltung nicht an.

Kretzschmar lobt Biegler überschwänglich

"Das ist keine Hexerei und keine Magie. Wir haben einen festen Plan für dieses Projekt", sagte der Rheinländer, der mit der Nationalmannschaft Polens im vergangenen Jahr WM-Bronze gewonnen hatte und nach dem verpassten Halbfinale bei der Heim-EM im Januar in Polen zurückgetreten war.

In der Szene genießt Biegler einen ausgezeichneten Ruf. Auch wenn der charismatische Coach von der Öffentlichkeit nicht zuletzt wegen seiner direkten, manchmal etwas schroff wirkenden Art hin und wieder kritisch beäugt wird - die Spieler vertrauen ihm zu 100 Prozent.

"Er ist ein fantastischer Trainer, der beste, den ich kenne", sagte unlängst SPORT1-Experte Stefan Kretzschmar, der beim VfL Gummersbach unter Biegler gespielt hatte, über seinen einstigen Lehrmeister.

Dass Biegler bisher nur im Männer-Bereich tätig war, sieht Hanning nicht als Nachteil. "Die letzte Medaille, die wir mit den Frauen geholt haben, haben wir mit Armin Emrich geholt. Er war auch ein Männertrainer", sagte der DHB-Vize. Emrich führte die deutschen Handballerinnen bei der WM 2007 zu Bronze.

Dies soll zehn Jahre später auch Biegler gelingen.

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