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Dagur Sigurdsson ist der Nachfolger von Martin Heuberger als Trainer der deutschen Nationalmannschaft

Ulm - Das DHB-Team zeigt bei der Sigurdsson-Premiere gehörige Leistungsschwankungen. Die Wochen bis zum Start in die EM-Qualifikation werden zum Wettlauf gegen die Zeit.

Dagur Sigurdsson warf einen flüchtigen Blick in die Statistik und verzog das Gesicht. So richtig zufrieden wirkte der Isländer mit seiner Premiere als Handball-Bundestrainer nicht, zu wechselhaft waren die Leistungen seiner jungen Mannschaft gegen die Schweiz.

Sigurdsson weiß: Die wenigen Wochen bis zum Start in die EM-Qualifikation werden für ihn und sein Team zum Wettlauf gegen die Zeit.

Rückfall in alte Muster

"Es war nicht alles so negativ, dass man den Kopf jetzt in den Sand stecken müsste. Aber unsere Leistung im Angriff und die Einstellung in der Abwehr haben mir im zweiten Spiel nicht gefallen", sagte Sigurdsson mit ernster Miene.

Nur einen Tag nach dem überzeugenden 32:26 fielen seine Schützlinge gegen die international bestenfalls zweitklassigen Eidgenossen am Sonntagabend in alte Muster zurück und kamen nicht über ein enttäuschendes 28:28 hinaus.

Dabei hatte das DHB-Team kurz vor dem Ende noch mit drei Toren geführt.

"Bleibt eine Menge Arbeit"

"So etwas gilt es in Zukunft zu vermeiden", sagte DHB-Vizepräsident Bob Hanning mit Blick auf den Auftakt der EM-Qualifikation.

Am 29. Oktober trifft Deutschland im Kampf um ein Ticket für das Turnier 2016 in Polen zunächst in Gummersbach auf Finnland. Am 2. November wartet mit Österreich dann ein deutlich größeres Kaliber.

"Es bleibt eine Menge Arbeit. Vor allem vom Kopf her waren wir noch nicht maximal da", sagte Hanning.

Probleme unter Druck

Und so ist Sigurdsson in den kommenden Wochen vor allem als Psychologe gefragt.

Denn obwohl die Youngster wie der erst 19 Jahre alte Paul Drux (Füchse Berlin), Nachwuchs-Shooter Julius Kühn (21/VfL Gummersbach) oder Keeper Andreas Wolff (23/HSG Wetzlar) vielversprechende Ansätze zeigten, offenbarte die neu formierte Mannschaft immer dann Probleme, wenn sie unter Druck geriet.

"Wenn wir zurückliegen müssen wir im Kopf ruhiger bleiben und auf unsere eigenen Stärken vertrauen", sagte Kapitän Uwe Gensheimer.

Gutes Gefühl mit Sigurdsson

Für den neuen Trainer gab es unterdessen Lob von allen Seiten.

Sigurdsson, der zum 1. September die Nachfolge des glücklosen Martin Heuberger angetreten hatte, agierte bei seinem Debüt angenehm unaufgeregt und ließ auf Anhieb eine eigene Handschrift erkennen. "Ich habe ein gutes Gefühl. Was er macht, hat Hand und Fuß", sagte Gensheimer.

Selbst der sonst gern grantelnde deutsche Coach der Schweizer, Rolf Brack, zollte Sigurdssons Arbeit Respekt.

"Die Mannschaft und das ganze Drumherum machen einen sehr guten Eindruck. Man nimmt eine echte Umbruch- und Aufbruchstimmung wahr. Schon jetzt ist eine klare Handschrift des neuen Trainers zu erkennen", sagte Brack und prophezeite der DHB-Auswahl eine erfolgreiche Zukunft:

"Bereits bei der WM wird Deutschland wieder um die vorderen Plätze mitspielen."

Weltmeister sind eine Option

Bis zum Turnier in Katar (15. Januar bis 1. Februar), bei dem vom Verband das Viertelfinale als Ziel angepeilt wird, dürfte Sigurdsson auch noch den ein oder anderen Trumpf aus dem Ärmel ziehen.

Denn neben fünf verletzten Nationalspielern, die für die Schweiz-Spiele kurzfristig abgesagt hatten, könnte bei Bedarf auch der ein oder andere Weltmeister von 2007 ins deutsche Team zurückkehren.

"Ich schließe nichts kategorisch aus und schaue vor jedem Spiel, dass ich die stärksten Spieler zusammenziehe", sagte Sigurdsson.

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