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Göppingen - Unter dem neuen Bundestrainer Dagur Sigurdsson feiern die deutschen Handball-Männer gegen die Schweiz einen ungefährdeten Sieg.

Der Bundestrainer konnte sich bei seiner Premiere schon Minuten vor dem Schlusspfiff gemütlich zurücklehnen: Der Aufbruch in eine neue Zeitrechnung im deutschen Handball ist geglückt.

Die Nationalmannschaft hat beim ersten Einsatz von Dagur Sigurdsson an der Seitenlinie einen souveränen Sieg gefeiert und ihrem neuen Coach einen Einstand nach Maß beschert.

Dabei setzte die zuletzt oft enttäuschende DHB-Auswahl sogar spielerische Highlights und brannte in der Anfangsphase teilweise ein Feuerwerk ab.

In Göppingen bezwang das stark verjüngte und auch ersatzgeschwächte Team vor 3800 Zuschauern in der EWS Arena die Schweiz im ersten von zwei Tests deutlich mit 32:26 (19:12). Am Sonntag steigt der zweite Vergleich in Ulm (17 Uhr LIVE im TV auf SPORT1).

Von Beginn an überlegen

Die deutsche Mannschaft zeigte sich auf dem Weg in die EM-Qualifikation im Oktober und zur WM in Katar im Januar 2015 von der ersten Minute an in starker Form und ließ dem - allerdings international zweitklassigen - Gegner keine Chance.

Beste Werfer bei einer geschlossenen Teamleistung waren Patrick Groetzki (5) und Johannes Sellin (5/4).

Bei der Nominierung hatte der 41-jährige Isländer Sugurdsson Routiniers wie den Kieler Dominik Klein oder Michael Kraus außen vor gelassen und stattdessen neben den Melsunger Müller-Zwillingen Michael und Philipp auf Youngster wie den erst 19-Jährigen Paul Drux von seinem Klub Füchse Berlin und die 21-Jährigen Julius Kühn (Gummersbach) und Erik Schmidt (Friesenheim) gesetzt.

Im Tor bekam zudem Andreas Wolff (23) von der HSG Wetzlar eine Chance neben Silvio Heinevetter.

Sigurdsson stellt um

Als Statement wollte Sigurdsson seine Berufungen aber nicht verstanden wissen. "Die beste Methode, ein Team zu formen, ist Spiele zu gewinnen", hatte er vor dem Spiel erklärt und zwei Erfolge aus den beiden Partien gegen die Eidgenossen gefordert. Es gehe "nicht darum, Spielzeit zu verteilen."

Im rechten Rückraum musste der Bundestrainer nach dem Rücktritt Holger Glandorfs auch auf Steffen Weinhold (Fingerverletzung) und Fabian Wiede (Knie) verzichten – sollte aber adäquaten Ersatz aufbieten können.

Überhaupt stellte der neue Coach seine Innovationskraft gleich in seinen ersten Minuten für den DHB unter Beweis. Gegen die Schweizer begann er mit Hendrik Pekeler als vorgezogenem Mann in der Defensive. Für ihn kam im Wechsel Spielmacher Tim Kneule, der vorne den Rückraum mit Drux und Michael Müller an seiner Seite steuerte.

Starke rechte Seite

Und das Konzept ging prächtig auf. Deutschland eroberte Bälle und setzte sich schnell auf 4:1 (6.) ab. Vor allem die rechte Seite mit Groetzki und dem stark aufgelegten Müller zeigte sich für den guten Start der Offensive verantwortlich. Auch durch den treffsicheren Kapitän Uwe Gensheimer baute das DHB-Team die Führung weiter auf 12:4 (18.) aus.

Der Vorsprung gab Sigurdsson Luft für weitere Variationen wie eine defensivere Deckung mit Felix Danner neben Pekeler im Verbund und Angriffsspiel mit sieben Feldspielern.

Beim 16:7 (24.) durch eine feine Einzelaktion von Lokalmatador Kneule wurde es für die vom Deutschen Rolf Brack trainierten Schweizer langsam peinlich. Bis zum Halbzeitpfiff war die Auswahl rund um Löwen-Star Andy Schmid immerhin wieder bis auf sieben Tore heran.

Christophersen mit Comeback

Doch Deutschland stellte mit zwei schnellen Treffern zu Beginn des zweiten Spielabschnitts klar, dass an diesem Nachmittag gegen sie nichts zu holen war.

Sigurdsson konnte das Geschehen vergleichsweise entspannt verfolgen und weiter durchwechseln, nachdem Groetzki den Spielstand mit einem der zahlreichen Gegenstoßtore auf 23:13 (36.) hochschraubte. Shooter Kühn sammelte Erfahrungen, Neu-Hannoveraner Sven-Sören Christophersen feierte sein Comeback, und Keeper Wolff feierte einen ordentlichen Einstand.

Die Schweizer kamen zwar noch einmal auf fünf Treffer heran (23:18/44.), doch den verdienten Sieg ließen sich die Gastgeber nicht mehr nehmen.

Unter dem Strich steht so ein überaus gelungenes Debüt Sigurdssons, aber eben auch nur ein winziger Schritt auf dem erhofften Weg zurück in die Weltspitze.

Stenogramm:

Deutschland - Schweiz 32:26 (19:12)

Tore: Groetzki (5), Sellin (5/4), M. Müller (4), Kneule (4), Gensheimer (4/1), Wiencek (3), Pekeler (3), Kühn (2), Christophersen (1) und Drux (1) für Deutschland

Zuschauer in Göppingen: 3800

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