Im SPORT1-Interview spricht Finnlands Trainer Mikael Källman über verpasste Chancen und eine Rückkehr in die DKB HBL.

Von Dennis Baier

Esslingen/München ? Er galt einst als einer der besten Handballer der Welt.

Mikael Källman war neben Nikola Karabatic und dem heutigen Kieler Filip Jicha der einzige Ausländer, der in Deutschland zum Handballer des Jahres gewählt wurde. 1992 war das.

Mit Finnland gegen das DHB-Team

Damals spielte er viele Jahre für die SG Wallau-Massenheim, kurzzeitig für TuSEM Essen. Klubs, die einst für Weltklasse standen, aber heute in der DKB HBL keine Rolle mehr spielen.

Källman indes gilt bis heute als bester finnischer Spieler.

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Seit fünf Jahren ist er Nationalcoach der allenfalls zweitklassigen Skandinavier, die zum Auftakt der EM-Qualifikation in Gummersbach (ab 20 Uhr LIVE im TV auf SPORT1) beim DHB-Team antreten müssen (DATENCENTER: Die EM-Qualifikation).

Im SPORT1-Interview spricht er über seine Reise in die Vergangenheit, deutsche Ambitionen und Gedanken an ein Rückkehr in die Bundesliga.

SPORT1: Herr Källman, Sie kommen zurück nach Deutschland. Mit welchen Gefühlen gehen Sie in die EM-Qualifikation?

Mikael Källman: Mit einem sehr guten. Als ich 2009 finnischer Nationaltrainer wurde, habe ich gesagt, dass wir wieder diese Duelle bestreiten und uns in der harten Qualifikation beweisen wollen. Jetzt haben wir die Vor-Qualifikation geschafft und dann gleich die schlimmste Gruppe erwischt. Es hätten gerne auch andere Mannschaften kommen können, dann hätten wir auch eine Chance gehabt.

SPORT1: Für Sie ist das Duell in Gummersbach vor allem eine Reise zurück in eine großartige Vergangenheit?

Källman: ? ich bin schon gespannt, was auf mich zukommt und mit welchem Gefühl ich in die Halle gehen werde. Aber es ist sehr schön, zurück in Deutschland zu sein und dann auch gegen diese Nation spielen zu dürfen. Das ist eine Riesensache.

SPORT1: Ihre Glanzzeiten waren die 1990er. Verfolgen Sie den deutschen Handball nach wie vor intensiv?

Källman: Mein Interesse ist noch größer geworden. Ich verfolge ihn im Internet und Fernsehen. Ich habe schon früher auf DSF sowie jetzt auf SPORT1 immer die Spiele live angeschaut - oder ich zeichne mir die Partien auf.

SPORT1: Dann erklären Sie uns doch mal Gemeinsamkeiten des finnischen und deutschen Handballs.

Källman: Das Spielfeld ist gleich groß, man hat einen Ball und sieben Spieler auf dem Feld (lacht). Die Qualität ist schon ein Unterschied. Der Handball ist in Finnland noch ziemlich klein, und es gibt nur sehr geringe finanzielle Möglichkeiten. Aber: Die Teams trainieren auch hier vier oder fünf Mal die Woche, auch wenn alle Amateure sind.

SPORT1: Bei Deutschland folgte Dagur Sigurdsson auf Heiner Brandt und Martin Heuberger. Was halten Sie davon?

Källman: Ich denke, dass Martin (Heuberger, Anmerk. d. Red.) sehr glücklos war. Es fand ein Generationswechsel statt, viele wichtige und sehr gute Spieler haben gefehlt oder waren verletzt. Da kam vieles zusammen. Deswegen musste ein Wechsel wohl sein. Und was ich so mitbekomme, entsteht unter Dagur etwas Neues.

SPORT1: Wie wollen Sie die Partie taktisch denn angehen?

Källman: Wir können ja nicht wie beim Fußball mauern. Wir wollen schon gucken, was möglich ist, jede Situation genießen, das Optimale rausholen und versuchen, das Tempo mitzugehen. Für die Spieler ist es eine wunderbare Chance, zu lernen und auf sich aufmerksam zu machen.

SPORT1: Gutes Stichwort: Sie sind Skandinavier. Aber wären Sie nicht lieber in Schweden geboren? Dann hätten Sie als Spieler viele Titel abräumen können?

Källman: Ich habe lange für Finnland gespielt. Das Einzige, was mir fehlt, ist, dass wir uns nie für ein großes Turnier qualifiziert haben. Aber natürlich wäre ich gern Deutscher oder Schwede gewesen. Dann hätte ich einiges mehr mitgemacht.

SPORT1: Es gab nie Bemühungen, Sie einzubürgern?

Källman: Doch, die gab es. Aber dann wäre ich erst mal zwei oder drei Jahre gesperrt gewesen. Dann wären die großen Turniere auch futsch gewesen.

SPORT1: Sie waren damals für viele Experten der beste Spieler der Welt. Haben die Finnen das überhaupt mitbekommen?

Källman: Schon, aber es war damals eine andere Welt. Heutzutage wäre ich sicher viel berühmter in meiner Heimat. Damals konnte man die Spiele nicht so einfach verfolgen. Man hat mich trotzdem wahrgenommen. Aber da Handball so klein und eher unbekannt war, ist man natürlich nicht so ein Star wie Eishockey-Spieler oder Skispringer gewesen.

SPORT1: Warum haben Sie dann nicht für einen großen Klub gespielt, zum Beispiel Barcelona?

Källman: Es gab schon Interesse von einigen Klubs. Barcelona war nicht dabei, aber andere spanische Teams. Aber wir haben uns immer geeinigt, sodass ich Wallau nie verlassen wollte. Bodo Ströhmann (damals Manager, Anm. d. Red.) war wie ein Vater für mich. Daher konnte ich Wallau gar nicht verlassen. Man fühlte sich wie in einer kleinen Familie. Den Unterschied dazu habe ich dann bei TuSEM gespürt.

SPORT1: Reden wir von der Gegenwart. Eine Rückkehr in die Bundesliga als Trainer ist ausgeschlossen?

Källman: Wir haben in der Familie schon öfters darüber gesprochen. Meine Frau und Kinder fragen immer, ob ich nicht zurück will. Falls ein Angebot kommen sollte und die Aufgabe interessant wäre, würde ich sofort kommen. Ich liebe Deutschland.

SPORT1: Das DHB-Team konnte sich zuletzt drei Mal nicht für große Turniere qualifizieren. Das große Ziel lautet Olympia 2020?

Källman: ? ich denke, dass man nicht bis 2020 warten muss. Deutschland hat eine wunderbare Nationalmannschaft. Es gibt immer mal Phasen, wo es hoch oder runter geht. Das Team war jetzt unten, wird sich aber in den nächsten Jahren wieder für Turniere qualifizieren - und Medaillen holen. Da bin ich mir ganz sicher.

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