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Das DHB-Team startet unter Trainer Dagur Sigurdsson erfolgreich in die EM-Quali

Vom DHB-Team berichtet Andreas Reiners

Gummersbach – Dagur Sigurdsson war in Gedanken ganz schnell ein paar Tage weiter. Denn der Isländer wusste: Es war ein Anfang. Nicht mehr.

Aber natürlich auch nicht weniger. Ein wichtiger Testlauf unter Wettbewerbsbedingungen, gegen einen international zwar nur zweitklassigen Kontrahenten. Ein Aufbaugegner zum richtigen Zeitpunkt quasi.

Doch es war vor allem auch ein deutlicher Schritt nach vorne, ein Aufwärtstrend. Der gewünschte Neuanfang, dazu noch erfolgreich.

Zarte Aufbruchstimmung

Denn was unter dem Strich wohl am wichtigsten war: Das DHB-Team vermied durch das 30:18 gegen Finnland (BERICHT: Klarer Sieg zum Auftakt) unter dem neuen Bundestrainer Sigurdsson einen Fehlstart in die EM-Qualifikation.

"Der Trainer lernt die Mannschaft immer besser kennen. Wir sollten den Sieg aber nicht zu hoch hängen. Wir haben eine ordentliche, disziplinierte und engagierte Leistung gezeigt. Ein Sieg in Österreich wäre nun ein wichtiger Schritt in Richtung EM-Qualifikation", sagte DHB-Vizepräsident Bob Hanning.

Und brachte damit die Stimmung auf den Punkt.

Denn rund um die DHB-Auswahl herrschte ein bunter Mix an Emotionen. Erleichterung, Jubel und Freude natürlich. Anspannung, die sich umgehend wieder einstellte. Denn der erste richtige Härtetest wartet noch (DATENCENTER: Die EM-Qualifikation).

Gepaart jedoch mit einer zarten Aufbruchstimmung, die Sigurdsson mit seinem Team durch den jederzeit ungefährdeten Sieg gegen Finnland entfachte.

Mit verschränkten Armen

Der Isländer, der im August als Nachfolger des entlassenen Martin Heuberger installiert worden war, hatte das erste Pflichtspiel unter seiner Regie zunächst zurückhaltend verfolgt.

Stand mit verschränkten Armen an der Seitenlinie. Mit wachem Blick. Angespannt. Aber auch entspannt.

Der neue Coach wechselte viel. Probierte einige Dinge aus. Taktisch. Und personell. Mischte munter durch, testete verschiedene Formationen und gab allen Spielern zudem die Gelegenheit, sich auszuzeichnen. Dadurch verlor die Mannschaft jedoch ein wenig den Rhythmus, vor allem in der zweiten Halbzeit.

"Die zweite Halbzeit hat mich ein bisschen enttäuscht, wobei ich da auch selbst schuld war, weil durch die Wechsel etwas Unruhe reinkam. Trotzdem hat mir die Konzentration gefehlt", sagte Sigurdsson SPORT1

Lichtlein lobt Sigurdsson

Selbstkritisch ist der Isländer also. Doch wie tickt der neue Coach noch?

"Er wirkt sehr sachlich, bringt alles auf den Punkt, er erzählt uns knapp, was er verlangt und wie wir es umsetzen müssen. Das machen wir bislang sehr gut", sagte Torhüter Carsten Lichtlein SPORT1.

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"Es hat alles Hand und Fuß, was wir machen. Wir setzen das taktisch um, was der Trainer uns vorgibt. Es läuft sehr gut. Es sind natürlich neue Dinge dabei, die wir testen, deshalb sind Abstimmungsprobleme noch normal, gerade in der Nationalmannschaft", meinte Kapitän Uwe Gensheimer.

Mehr Waffen

Sigurdsson testete beispielsweise, wie schon bei seiner Premiere in den Testspielen gegen die Schweiz, in der Abwehr die 5:1-Deckung, die bis auf ein paar Anfangsprobleme gut agierte. "Um ein paar mehr Waffen zu haben, und damit wir nicht so leicht auszurechnen sind", erklärte er hinterher.

Und damit nicht erneut der Worst Case eintritt. Vor zwei Jahren hatten die deutschen Handballer den Start in die EM-Quali gegen Montenegro verloren und sich am Ende erstmals nicht für die EM qualifiziert. Bei der WM im Januar in Katar ist die DHB-Auswahl sowieso nur dank einer Wildcard dabei.

Der deutsche Handball lag am Boden. Sigurdssons Aufgabe ist somit per se keine leichte.

Und was der Sieg gegen die Finnen nun wert ist, wird sich schon am Sonntag (ab 18 Uhr LIVESCORES) zeigen. Dann müssen die deutschen Handballer in Österreich ran. Ein Gegner auf Augenhöhe, so Sigurdsson. Ein erster echter Gradmesser dafür, was er mit seiner Mannschaft in der kurzen Vorbereitungszeit schon erreicht hat.

Gegen Österreich kein "Trallafitti"

"Gegen Österreich erwartet uns nun ein ganz anderes Spiel. Sie haben eine gute Abwehr, mit Tempogegenstößen über die schnellen Außen. Wir müssen aggressiver in der Abwehr und konzentrierter im Angriff spielen. Wir haben viele Bälle weggeworfen. Wir dürfen es uns nicht erlauben, gegen Österreich so Trallafitti zu spielen", sagte Lichtlein.

Denn vom Papier her kämpfen die beiden Nationen hinter Weltmeister Spanien um den zweiten Platz in der Gruppe, der das Ticket für die EM 2016 in Polen bedeuten würde.

"Ich bin kein Freund davon, aufs Papier zu gucken. Ich denke nur von Spiel zu Spiel. Und gegen Österreich ist es ein 50:50-Spiel. Man muss auf sich gucken und nicht darauf, was der Gegner macht", sagte Sigurdsson.

Den kennt der 41-Jährige jedoch gut. Zwischen 2008 und 2010 war er Trainer der Österreicher. Ein besonderes Spiel also, im doppelten Sinne. "Wir müssen uns akribisch vorbereiten", kündigte er an. Denn Sigurdsson weiß: Finnland war ein Anfang. Nicht mehr. Aber auch nicht weniger.

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