Stuttgart - Deutschland kommt gegen Tschechien erst nach der Pause in Fahrt, gewinnt aber deutlich. Kraus bleibt blass, Strobel und Drux glänzen.

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Die deutsche Nationalmannschaft hat eine Woche vor dem Auftakt der Weltmeisterschaft in Katar ihre ordentliche Frühform bestätigt.

Im vorletzten Test vor den Titelkämpfen besiegte das Team von Bundestrainer Dagur Sigurdsson WM-Teilnehmer Tschechien um Superstar Filip Jicha nach einer deutlichen Leistungssteigerung in der zweiten Halbzeit mit 32:24 (14:16).

Vor 6211 Zuschauern in der ausverkauften Stuttgarter Porsche-Arena stellte der Weltmeister von 2007, der nur durch eine Wildcard noch ins Teilnehmerfeld gerutscht war, aber auch einmal mehr seine bisweilen mangelnde Konstanz unter Beweis.

Löwen-Flügelzange

Zum Auftakt der finalen Vorbereitungsphase hatte man zuletzt von zwei Testspielen auf Island einmal deutlich gewonnen und einmal knapp verloren.

Bester Werfer für Deutschland gegen die Tschechen war Kapitän Uwe Gensheimer (8/3), die wichtigste Erkenntnis aber: Sigurdssons Stammformation für Katar kristallisiert sich langsam aber sicher heraus.

Der DHB-Coach setzte wie schon gegen sein Heimatland Island gegen Tschechien zu Beginn auf die Löwen-Flügelzange mit Uwe Gensheimer und Patrick Groetzki sowie den Rückraum mit Steffen Weinhold und Paul Drux auf den Halbpositionen und Martin Strobel als Spielmacher.

Der Balinger machte in der Abwehr Platz für Defensivspezialist Hendrik Pekeler, der über weite Strecken vorgezogen in einer 5:1-Formation agierte. Am Kreis durfte Kiels Patrick Wiencek ran, Silvio Heinevetter hütete zu Beginn das Tor.

DHB-Team zeigt Entschlossenheit

Deutschland startete konzentriert und bewies Entschlossenheit. Durch Tore aus dem von vielen Experten als Problemzone betrachteten Rückraum setzte man sich beim 5:2 (11.) erstmals deutlicher ab. Vor allem der gut aufgelegte Berliner Youngster Drux (5 Treffer) zeichnete sich in dieser Phase mit blitzsauberen Würfen aus der Distanz aus.

"Drux war sensationell. Aber wir können nicht jedes Mal so ein Spiel von ihm erwarten. Wir müssen ihm Zeit geben", sagte Bundestrainer Sigurdsson hinterher zur Leistung des 19-Jährigen.

Doch die Tschechen, bei denen Jicha (6 Tore) überraschend über weite Strecken am Kreis agierte, kämpften sich ins Spiel und profitierten in der zweiten Hälfte des ersten Durchgangs von einigen leichten Fehlern im deutschen Angriff.

Als Rückkehrer Michael Kraus (BERICHT: Letzte Chance eines Versprechens) nach gut 20 Minuten das Feld betrat, riss der Faden in der bis dahin von Strobel klug gelenkten DHB-Offensive.

"Man hat gesehen, dass mir noch die Anbindung ans Spiel fehlt. Aber nichtsdestotrotz glaube ich, dass ich der Mannschaft helfen kann", meinte der Göppinger nach der Partie im Gespräch mit SPORT1. "Ich mache mir keinen Druck, das war heute nicht tragisch. Die Entscheidung, ob ich zur WM fahre, muss der Bundestrainer treffen."

Tschechien nutzte die Ballverluste und Unachtsamkeiten in der Defensive gnadenlos aus und erarbeitete sich bis zur Halbzeitsirene eine Zwei-Tore-Führung.

Starker Wolff im Tor

"Solche Fehler rächen sich eben auf diesem Niveau", monierte DHB-Vizepräsident Bob Hanning in der Pause bei SPORT1.

Auch im zweiten Durchgang präsentierte sich das deutsche Team zunächst mit Licht und Schatten, legte aber insgesamt deutlich einen Zahn zu.

Nun gestützt auf einen starken Andreas Wolff im Tor steigerte sich vor allem die Defensive und ermöglichte vorne leichte Tore. Strobel führte nun wieder Regie für den glücklosen Kraus und brachte deutlich mehr Struktur in den Angriff.

Ein 5-Tore-Lauf zum 23:19 (43.) zwang das tschechische Trainer-Duo Daniel Kubes und Jan Filip zum Timeout, doch auch danach war die DHB-Auswahl das bestimmende Team.

Gensheimer treffsicher

Als der treffsichere Gensheimer einen seiner Siebenmeter zum 26:20 (49.) verwandelte, war eine Vorentscheidung gegen den am Ende zahnlosen Gegner gefallen.

Die Schlussphase spielte Deutschland ohne viele Spielerwechsel konzentriert herunter, sicherte sich so einen verdienten Sieg und sammelte weiteres Selbstbewusstsein auf dem erhofften Weg zurück in die Weltspitze.

Am Samstag steht in Mannheim der letzte Test ebenfalls gegen Tschechien auf dem Programm, ehe das Team am Dienstag von Frankfurt aus nach Doha fliegt.

Die WM startet nächsten Donnerstag mit dem Eröffnungsspiel von Gastgeber Katar gegen Brasilien, das deutsche Team greift tags darauf gegen Polen erstmals ins Geschehen ein.

Das Spiel gegen Tschechien stimmte den Bundestrainer für die anstehenden Aufgaben optimistisch. "Es tut uns gut, dass wir uns zurück gekämpft haben", sagte der 41-Jährige. "Das hilft uns noch stabiler, noch stärker zu werden."

Deutschland - Tschechien 32:24 (14:16)

Tore für Deutschland: Gensheimer (8), Groetzki (6), Drux (5), Wiencek (3), Strobel (3), Weinhold (3), Kneer(1), Müller (1), Schmidt (1), Pekeler (1)
Bester Werfer für Tschechien: Jicha (6)
Zuschauer: 6211 (ausverkauft)

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