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Dagur Sigurdsson DHB-Team Bank
Dagur Sigurdsson feierte mit dem DHB-Team in vier WM-Tests drei Siege © imago

Mannheim - Die Nationalmannschaft lässt mit den guten Tests Hoffnung auf eine erfolgreiche WM keimen. Verantwortlich ist der Bundestrainer.

Sonderlich spirituell kommt er nicht daher, der Mann, der den deutschen Handballern einen neuen Geist eingehaucht hat.

Vielmehr legt Bundestrainer Dagur Sigurdsson einen typisch nordischen Pragmatismus an den Tag.

Ob die WM etwas Besonderes sei, weil sie in Katar stattfinde? "Ich werde die Halle sehen, nicht die Wüste."

Das Turnier steht vor der Tür, und die Nationalmannschaft hat mit ihren zuletzt starken Auftritten die Hoffnung geschürt, dass vielleicht etwas drin ist für das arg lädierte Aushängeschild der Sportart.

Sigurdsson warnte nach der erfolgreichen Generalprobe gegen Tschechien: "Das waren keine WM-Spiele. Das waren Testspiele. Wir gehen immer noch mit viel Demut in die Weltmeisterschaft rein."

DHB-Boss lobt Sigurdsson

Der Aufwind ist jedoch unverkennbar. Und hauptverantwortlich dafür ist der erste Ausländer auf dem Bundestrainerposten.

Der Isländer löste nach den verpatzten WM-Playoffs im vergangenen Sommer den glücklosen Martin Heuberger ab und hat nun aufgrund der nachträglich vergebenen Wildcard mit seinem Team die Chance, eine der positiven Überraschungen des Turniers zu werden.

"So sehr ich Martin Heuberger geschätzt habe, die Mannschaft hat unter Dagur einen neuen Geist bekommen", sagte DHB-Präsident Bernhard Bauer in Mannheim.

Teambuilding in der Keksfabrik

Auch der Kapitän ist guter Dinge. "Die Vorbereitung lief sehr gut, was das Spielerische, aber auch die Stimmung in der Mannschaft angeht", sagte Uwe Gensheimer im Gespräch mit SPORT1: "Die Island-Reise hat uns da sehr gut getan."

Sigurdsson hatte die Spieler mit in sein Heimatland genommen, quartierte die Spieler im Hostel "Kex" in Reykjavik ein, dessen Mitbesitzer er ist. Gemeinschaftsküche und Schlafsäle in einer alten Keksfabrik, das Ganze zum Spartarif ? das Herbergswesen schweißte die Spieler offenbar zusammen.

Ganz nebenbei verschaffte sich das aufgrund diverser Verletzungen neuformierte Team mit einem deutlichen Sieg und einer knappen Niederlage gegen Island neuen Respekt. Gegen einen Gegner, der zur erweiterten Weltspitze zählt.

Gegen Tschechien Selbstvertrauen getankt

Und nun dominierte die DHB-Auswahl in den abschließenden Tests zweimal WM-Teilnehmer Tschechien.

Kreisläufer Patrick Wiencek betonte im Gespräch mit SPORT1: "Wir fahren mit einem guten Gefühl nach Katar. Wir haben nicht gegen irgendjemand gespielt, sondern gegen Tschechien mit dem ehemaligen Welthandballer Filip Jicha. Dass wir beide Spiele souverän gewonnen haben, gibt Selbstvertrauen für die WM."

Trotz vieler Wechsel bewies das Team in der Vorbereitung, dass das Fundament, die Abwehr, steht. Und mit der offensiven 5:1-Variante hat Sigurdsson ein alternatives System neben der klassischen 6:0-Formation etabliert.

Fehlende Shooter kein Problem

Um die Torhüter muss man sich keine Sorgen machen, die Außen um Gensheimer wie auch die Kreisläufer um Wiencek sind absolut WM-tauglich. Und der Rückraum, von vielen Experten als die Problemzone des deutschen Spiels ausgemacht, stellte zuletzt mit schnellem Spiel seinen Qualitäten unter Beweis.

"Wir sind sehr variabel und schwer ausrechenbar", erklärte Spielmacher Martin Strobel SPORT1 die Stärke der Schaltzentrale mit Blick auf seine Nebenleute, dem jungen Paul Drux von den Füchsen Berlin und Steffen Weinhold vom THW Kiel.

"Vielleicht haben wir nicht die mordsmäßigen Shooter wie andere Mannschaften", so Strobel: "Wir müssen eben ausnutzen, dass wir flinke, schnelle Leute haben."

Sigurdsson: "Mannschaft kann wachsen"

Er habe ein System entwickelt, das zu seinen Spielertypen passt, betonte Sigurdsson: "Es wird viel über die mangelnde Wurfkraft gesprochen. Aber wir haben einen spielstarken Rückraum, der auch gut die Außen bedient."

Er sieht sein Team jedenfalls auf einem guten Weg. "Diese Mannschaft kann weiter wachsen", sagte er mit Blick auf den WM-Rhythmus von zunächst fünf Spielen in neun Tagen: "Die Routine wird uns guttun. Jedes Spiel erweitert den Erfahrungsschatz. Jede Situation, die wir gemeinsam lösen müssen, macht uns besser."

Er weiß: Die Basis steht. Aber der Weg ist noch weit, bis der Weltmeister von 2007 vielleicht wieder einmal in höheren Sphären ankommt.

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