München und Doha - Das DHB-Team stößt in Katar in die Weltspitze vor. Selbst der Vize-Weltmeister ist nicht stark genug. SPORT1 erklärt, wer Deutschland gefährlich werden kann.

Video

"Glückwunsch @DHB_Teams, endgültig bereit für die großen Spiele." Jonas Reckermann ist euphorisiert. Das DHB-Team hat's dem Beachvolleyball-Olympiasieger angetan. Über Twitter lässt er die ganze Republik an seiner Begeisterung teilhaben. Und ist dabei nicht alleine: Mario Götze, Christoph Metzelder und Hans Sarpei - die versammelte Social-Media-Gemeinde jubelt unter dem Hashtag #WirfuerD.

Keine Frage. Deutschland hat bei der Handball-WM in Katar bisher alle Erwartungen übertroffen, steht an der Spitze der Vorrundengruppe D. Doch was ist drin in der Wüste? Sogar der Titel? So, wie 2007. Noch ein Punkt fehlt fürs Achtelfinale - er soll gegen Argentinien (ab 16.45 Uhr im Liveticker) her. SPORT1-Experte Stefan Kretzschmar erklärt: "Das ist eine unangenehme Mannschaft. Sie spielen sehr dynamisch mit vielen Showeffekten, lassen sich viel fallen und schinden so zwei Minuten." Der 41-Jährige zweifelt zwar nicht am Weiterkommen des DHB-Teams. Er warnt dennoch. Vor dem, was aus Gruppe C kommt. SPORT1 analysiert die möglichen Achtelfinalgegner und erklärt, wer den Deutschen gefährlich werden kann.

• Schweden: Die Skandinavier sind Erster der Gruppe C. "Es überrascht mich, wie stark sie bisher aufspielen", sagt Kretzschmar. Nach Silber bei Olympia 2012 kam der große Schnitt. Die Superstars wichen. Das machte sich bemerkbar. Für die WM 2013 konnte sich Schweden sensationell nicht qualifizieren. Es beeindruckt, wie das Team nun durchs Turnier marschiert. Das starke Island wird 24:16 demontiert, die Tschechen 36:22 gedemütigt. Wie Deutschland, setzt auch Schweden auf Tempogegenstöße. Beeindruckend: Bei 21 Konterläufen landet der Ball 21 Mal im Tor. Vor allem die Leistung der Torhüter spricht für die Skandinavier. Der Flensburger Mattias Andersson kommt mit 40 Prozent gehaltener Würfe auf Platz 5 des Rankings, Johan Sjöstrand vom THW Kiel ist mit 38 Prozent Siebter. Carsten Lichtlein bringt es dagegen nur auf 32 Prozent (16.). Fazit: Im Achtelfinale unwahrscheinlich, da zu gut.

Der große Favorit - eigentlich!

• Frankreich: Der große Favorit, Olympiasieger und Europameister schwächelt bedenklich. Frankreich spielt solide, mehr nicht, lässt zuletzt einen Punkt liegen. Die seriöse Tageszeitung "Le Monde" fordert Siege, um Deutschland aus dem Weg zu gehen. Der Respekt ist groß. Nicht unbegründet. In keiner Statistik weisen die Franzosen Topwerte auf. Nikola Karabatic steht mit 19 Treffern in der Scorerliste nur auf Rang 16. Danach kommt lange nichts. Zudem liegt der französische Angriff, der viel auf Physis am Kreis und Durchschlagskraft aus dem Rückraum setzt, dem robusten deutschen Mittelblock. Fazit: Im Achtelfinale unwahrscheinlich, da sie Platz zwei sichern dürften.

• Ägypten: Deutschland tut sich schwer gegen afrikanische Mannschaften - eigentlich. Ägypten kommt viel über die Athletik und die Emotionen. Reißen, zerren, ziehen - es geht zur Sache. Bemerkenswert ist die Trefferquote aus dem Rückraum: 56 Prozent. Kein Team wirft bisher effektiver aus der Distanz. Doch auch das spielt der deutschen Abwehr in die Karten. "Wir haben Probleme beim Rückzugsverhalten", meint Kapitän Uwe Gensheimer wiederholt. Ägypten aber läuft bisher nur acht Tempogegenstöße. Die frenetischen Fans sind der Joker. Sie kommen in Katar zu Tausenden. Fazit: Wird Deutschland nur Zweiter, droht dieser Gegner. Vorsicht: Auch bei den Fußballern in Brasilien schien vor der Partie gegen Algerien schon alles klar…

• Island: 31:24, 24:25 - so lauten die Ergebnisse aus der Vorbereitung. Weltmeister Henning Fritz sagt bei "Sky" zwar: "Bloß nicht die Isländer!" Doch Bundestrainer Dagur Sigurdsson kennt den Handball seiner Landsleute bestens. Er zielt auf Tempogegenstöße ab. Auch das 26:26 gegen Frankreich beeindruckt. Doch Island hat Probleme im Angriff. Nur 51 Prozent der Würfe landen bisher im Tor, egal, ob aus sieben Metern, dem Positionsangriff oder den Gegenstößen. Jede Variante ist Durchschnitt. Ein Plus ist der unbändige Siegeswille. Fazit: Stand jetzt der deutsche Achtelfinalgegner. Leichtes Plus für Deutschland. Doch Nuancen würden entscheiden.  

• Tschechien: Jicha (THW Kiel) und Pavel Horak (Füchse Berlin) - und dann lange nichts. "Tschechien wird sich schwer tun", sagt SPORT1-Experte Kretzschmar schon vor dem Turnier. Er behält Recht. 0:6-Punkte, das haben sie sich anders vorgestellt. Gegen Island (ab 19 Uhr im Liveticker) zählt nur noch ein Sieg, sonst war es das mit dem Achtelfinale. Fazit: Die Chance ist minimal, aber käme diese tschechische Mannschaft gegen Deutschland, wäre sie unterlegen. Das belegen schon die Testspielpleiten vor der WM. 

Das ist der Stand. Im Viertelfinale wartet der Sieger des Achtelfinales zwischen dem Zweiten der Gruppe A (Slowenien oder Katar) und dem Dritten der Gruppe B (derzeit Österreich). Spätestens dann ist für diese deutsche Mannschaft ohnehin alles drin. Doch das ist Zukunft - noch.

Video
teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel