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Stefan Kretzschmar Kolumne Handball-WM
Stefan Kretzschmar (l.) traut Deutschland nun die Olympia-Qualifikation zu © Getty Images/SPORT1

SPORT1-Experte Stefan Kretzschmar erkennt auch im Pflichtsieg über Saudi-Arabien clevere Ideen von Bundestrainer Dagur Sigurdsson. Das große Ziel ist laut ihm zum Greifen nahe.

Hallo Handball-Fans,

der deutsche Sieg im letzten WM-Gruppenspiel gegen Saudi-Arabien war eine Pflichtnummer - und trotzdem hat sich dabei einmal mehr die Cleverness von Dagur Sigurdsson gezeigt.

Es war richtig, Leistungsträgern wie Patrick Groetzki und Uwe Gensheimer eine Pause zu geben und dafür Leute wie Matthias Musche und Johannes Sellin ins Spiel zu bringen.

Die haben sich Selbstvertrauen geholt, was noch wichtig werden kann: Sie werden ja vielleicht auch noch in den entscheidenden Partien gebraucht.

Matthias Musche bei der Handball-WM
Matthias Musche (r.) spielt seit 2013 beim SC Magdeburg © Getty Images

Ich für meinen Teil traue den Jungs zu, auch gegen schwerere Gegner zu bestehen. Sie sind natürlich nicht so präsent und so erfahren, trotzdem haben sie ihren Job gut gemacht. Vor allem Musche: Elf Tore im ersten WM-Spiel, Man of the Match, Uhr abgegriffen - was willst du mehr?

Ich glaube, jetzt ist jeder Spieler im Turnier drin, das ist das Beste, was aus man der Partie rausholen konnte.

Im Achtelfinale geht es nun gegen Ägypten - ein unangenehmer Gegner, aber doch etwas weniger unangenehm, als es Frankreich gewesen wäre.

Ägypten ist eine unorthodoxe Mannschaft, die wohl europäischste unter den afrikanischen. Die sind durch eine gute Schule gegangen bei ihrem ehemaligen Coach Jörn-Uwe Lommel, der jetzt Co-Trainer des THW Kiel ist.

Sie sind sehr athletisch, sehr aggressiv, da wird uns alles abverlangt. Aber ich bin optimistisch, dass die Aufgabe zu lösen ist - und wenn es klappt, wartet Österreich oder Katar: Da gäbe es auch schlimmere Gegner, die hätten kommen können (DATENCENTER: Der WM-Spielplan).

Aber denken wir besser nicht zu weit voraus, es kommt jetzt darauf an, das Selbstvertrauen nicht in Selbstgewissheit umschlagen zu lassen.

Das Ziel muss jetzt die Olympia-Qualifikation sein. Es wäre sensationell, sich die Chance darauf zu erspielen, wenn man bedenkt, mit welchen Erwartungen man hier eigentlich ins Turnier gestartet war.

Sicher, der fade Beigeschmack der Wildcard bleibt, aber die jungen Deutschen haben sich Respekt erarbeitet, so dass auch international die Meinung umschlägt.

Auch die Art und Weise wie sich die Mannschaft neben dem Parkett präsentiert, trägt dazu bei: Ich mag, wie sie in Interviews auftritt, gegenüber Kollegen, gegenüber den Menschen hier vor Ort. Sie ist sehr sympathisch - das waren nicht alle deutschen Handball-Nationalmannschaften.

Für mich ist die Zeit des schlechten Gewissens jetzt vorbei. Dagurs Jungs haben schon jetzt eine tolle Reise hingelegt.

Bis zum nächsten Mal,

Euer Kretzsche

Stefan Kretzschmar, 41, ist seit 2009 als Experte und Co-Kommentator das Handball-Gesicht von SPORT1. Der neben Heiner Brand wohl bekannteste deutsche Handballer hat in 218 Länderspielen 817 Tore für den DHB erzielt, gewann unter anderem Olympia-Silber in Athen 2004. In der Bundesliga war der ehemalige Weltklasse-Linksaußen für den SC Dynamo Berlin, Blau-Weiß Spandau, den VfL Gummersbach und zuletzt den SC Magdeburg aktiv, mit dem er 2002 die Champions League gewann. Bei SPORT1.de analysiert "Kretzsche" während der WM regelmäßig vor Ort das Geschehen in Katar.

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