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Stefan Kretzschmar-Kolumne-WM-Auftakt
Stefan Kretzschmar blickt in seiner Kolumne auf die WM in Katar © SPORT1

SPORT1-Experte Stefan Kretzschmar ist optimistisch für die WM. Das positive Bild der deutschen Mannschaft gefällt ihm.

Hallo Handball-Fans,

die WM kann kommen! Mein Optimismus ist jedenfalls größer geworden, nachdem die deutsche Mannschaft in den letzten Tests gegen Tschechien ein wirklich sehr positives Bild abgegeben hat. Man hat Selbstvertrauen gesammelt und am Teamgeist gefeilt - ich glaube ja, das ist das Wichtigste überhaupt.

Einen großen Anteil daran hat Bundestrainer Dagur Sigurdsson.

Er ist die Sache offensiv angegangen und hat dem Team die Siegermentalität zurückgegeben. Seine Handschrift: Die erste Sieben spielt einen sehr schnellen Ball und macht wenig Fehler. Wir haben keinen Superstar, sondern funktionieren als Team. Das Hauptaugenmerk in der Vorbereitung lag auf der Abwehr, die nun gefestigt ist.

Auch bei der Zusammenstellung des Kaders ist Sigurdsson den richtigen Weg gegangen. Er hat darauf geachtet, dass die einzelnen Akteure auch menschlich in die Mannschaft passen. Er hat nicht einfach die besten Individualisten nominiert, sondern auf den Charakter geschaut. Insofern ist es die beste Mannschaft, die wir derzeit ins Turnier schicken können.

Das Viertelfinale halte ich für realistisch, von mehr darf geträumt werden. Intern muss die Mannschaft die Messlatte sogar höher legen. Es wäre falsch, mit dem Gedanken zur WM zu fahren: Hoffentlich versagen wir nicht.

Man sollte in der Vorrunde unter die ersten Drei kommen, um im Achtelfinale Frankreich aus dem Weg zu gehen. Dazu muss man Russland, Argentinien und Saudi-Arabien schlagen. Siege gegen Polen oder Dänemark wären natürlich eine Überraschung, dann aber nicht zwingend notwendig. Mögliche Gegner im Achtelfinale wie Schweden, Island oder Tschechien halte ich für machbar.

Um den Ablauf der WM sorge ich mich nicht. Sie wird nach all den Investitionen sehr professionell und spektakulär werden, vor allem was das Drumherum angeht. Das Land steckt ja nicht unbedingt in finanziellen Nöten.

Aus Fan-Sicht ist es aber natürlich nicht zu vergleichen mit den Turnieren der letzten Jahre. Es werden bestimmt nicht so viele Fans in Katar sein wie beispielsweise bei der letzten WM in Spanien. Ich bin sehr gespannt, ob viele echte Fans den Weg in die Halle finden werden oder ob es eher ein Freikarten-Turnier wird, bei dem vor allem Leute in die Halle kommen, die vom Handball eigentlich keine Ahnung haben.

Bezüglich der Favoriten führt wieder kein Weg an Frankreich, Dänemark, Spanien und auch Polen vorbei. Kroatien muss man natürlich ebenfalls auf der Rechnung haben. Die Teams um Ausnahmekönner wie Nikola Karabatic oder Mikkel Hansen werden die Krone unter sich ausmachen.

Im Vergleich zu diesen gefestigten Mannschaften fehlt uns vor allem Erfahrung und natürlich auch ein Stück weit die individuelle Klasse. Deutschland als Nachrücker sollte ohnehin nicht vom Titel reden. Es wäre schon ein Erfolg, ins Viertel- oder Halbfinale zu kommen. Für mich ist die primäre Aufgabe der Mannschaft, zu begeistern, zu kämpfen und tollen Handball zu spielen (DATENCENTER: Der WM-Spielplan).

Die letzten Auftritte machen Hoffnung auf eine positive WM.

Bis zum nächsten Mal,

Euer Kretzsche

Stefan Kretzschmar, 41, ist seit 2009 als Experte und Co-Kommentator das Handball-Gesicht von SPORT1. Der neben Heiner Brand wohl bekannteste deutsche Handballer hat in 218 Länderspielen 817 Tore für den DHB erzielt, gewann unter anderem Olympia-Silber in Athen 2004. In der Bundesliga war der ehemalige Weltklasse-Linksaußen für den SC Dynamo Berlin, Blau-Weiß Spandau, den VfL Gummersbach und zuletzt den SC Magdeburg aktiv, mit dem er 2002 die Champions League gewann. Bei SPORT1.de analysiert "Kretzsche" wöchentlich in seiner Kolumne das Handball-Geschehen.

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