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Niclas Pieczkowski (2.v.l.) steuert sechs Tore zum deutschen Sieg bei
Niclas Pieczkowski (2.v.l.) steuert sechs Tore zum deutschen Sieg bei © Getty Images

Mannheim - Die deutsche Auswahl behält in einem dramatischen Spiel gegen den zweimaligen Weltmeister knapp die Oberhand und hat die EM-Teilnahme damit fast sicher.

Die deutschen Handballer haben Ex-Weltmeister Spanien entzaubert und einen großen Schritt in Richtung EM 2016 in Polen gemacht.

Das Team von Bundestrainer Dagur Sigurdsson bleibt nach einem 29:28 (17:15) im Gipfeltreffen gegen die favorisierten Iberer in der Qualifikations-Gruppe 7 weiter ohne Verlustpunkt und übernahm mit 6:0 Zählern die Tabellenspitze vor dem ewigen Rivalen (4:2). Der Siegtreffer gelang Patrick Wiencek (Kiel) 90 Sekunden vor dem Ende.

Kapitän Uwe Gensheimer (8/5/Rhein-Neckar Löwen) und Niclas Pieczkowski (6/Nettelstedt-Lübbecke) besiegelten als beste Werfer der Gastgeber den Prestigeerfolg, den 11.189 Zuschauern in der Mannheimer Arena frenetisch bejubelten. Bereits am Sonntag (17.00 Uhr) steht in Leon das Rückspiel an.

"Auch ein bisschen Glück"

"Heute haben wir einen großen Schritt gemacht in Richtung Europameisterschaft gemacht. Am Ende hatten wir auch ein bisschen Glück", sagte Steffen Weinhold in der ARD.

Im ersten Pflichtspiel nach dem siebten Platz bei der WM im Januar in Katar zeigte die junge deutsche Mannschaft gegen die Routiniers aus Spanien eine über weite Strecken starke Leistung, die Hoffnung für die Zukunft macht.

Die DHB-Auswahl hat nun beste Chancen, sich für die EM-Endrunde im nächsten Jahr in Polen zu qualifizieren. Die beiden besten Mannschaften jeder Staffel und der beste Tabellendritte aller Gruppen lösen die Tickets für das Turnier. Gegen Österreich und Finnland, mit denen es Deutschland Mitte Juni noch einmal zu tun bekommt, hatte das Sigurdsson-Team bereits gewonnen.

Rückstand nach fünf Minuten

Die deutsche Nationalmannschaft hatte vier Tage nach dem Länderspiel gegen die Schweiz (30:18) zunächst Mühe, in die Partie zu finden und lag schnell mit 1:4 (5.) in Rückstand. In der Folge gestaltete aber vor allen Dingen der von einer Schulterverletzung genesene Spielmacher Martin Strobel (Balingen-Weilstetten) die Angriffe variabler.

Besonders der halblinke Rückraumspieler Paul Drux, mit 20 Jahren das "Küken" des Teams, profitierte davon. Der Berliner sorgte in der zwölften Minute für die erste deutsche Führung (6:5), die er wenig später weiter ausbauen konnte (8:5).

Allerdings erwies sich die Deckung gegen die mit zwei Bundesliga-Legionären gespickten Gäste nicht immer als sattelfest. Bezeichnend, dass sich Keeper Silvio Heinevetter (Berlin) nach einer guten Viertelstunde frustriert gegen den Gummersbacher Routinier Carsten Lichtlein austauschen ließ. Sigurdsson hatte im Vorfeld des Spiels vor der Robustheit der Iberer gewarnt und in diesem Zusammenhang von einer "Waffe" gesprochen.

Erfolgreiche Gegenstöße

In der Schlussphase der ausgeglichenen ersten Halbzeit nutzte die Sigurdsson-Sieben einige unnötige Ballverluste des Ex-Weltmeisters und kam in der Mannheimer "Lärmhölle" immer wieder durch Tempogegenstöße zum Erfolg.

Nach dem Wechsel konnte sich vor allen Dingen der 34 Jahre alte Schlussmann Lichtlein steigern, der seine Formation im Spiel hielt. Überzeugen konnte auch Rückraumspieler Pieczkowski in seinem erst zweiten Länderspiel. In Unterzahl gelang dem Nettelstedter das 22: 20 (42.). Besonders mit Nebenmann Drux harmonierte Pieczkowski prächtig.

Doch die Spanier, die im Januar im WM-Halbfinale am späteren Titelträger Frankreich gescheitert waren, blieben dran und spielten ihre Routine aus. Linksaußen Gensheimer verwarf in der hitzigen Schlussphase beim Stand von 28:28 (54.) noch einen Siebenmeter, zeigte aber insgesamt eine starke Leistung. Kreisläufer Wiencek gelang anderthalb Minuten vor dem Ende die entscheidende Führung (29: 28).  

Vor dem Spiel hatte in Mannheim erstmals die neugegründete DHB-Findungskommission getagt, die die Suche nach einem Nachfolger für den zurückgetretenen Präsident Bernhard Bauer steuern soll. Am 26. September soll der neue Verbandsboss auf einem außerordentlichen Bundestag gewählt dann werden. Interimspräsident ist derzeit DHB-Generalsekretär Mark Schober.

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