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SPORT1-Experte Stefan Kretzschmar (l.) fordert ein Regulativ für DHB-Vize Bob Hanning
SPORT1-Experte Stefan Kretzschmar (l.) fordert ein Regulativ für DHB-Vize Bob Hanning © dpa Picture-Alliance

München - SPORT1-Experte Stefan Kretzschmar bezieht Stellung zum Machtkampf im DHB. Er warnt vor einer One-Mann-Show Bob Hannings und einem Vertrauensverlust des Handballs.

Knapp vier Wochen vor Saisonstart schwitzen die Spieler quer durch die Republik in der Vorbereitung. Als wäre nichts passiert.

Doch der Machtkampf beim Deutschen Handballbund erschüttert die Sportart. Auslöser ist ein Antrag des Handballverbandes Württemberg, nach eigener Aussage stellvertretend für vier der fünf größten Landesverbände. Sie wollen die Abwahl des kompletten DHB-Präsidiums bewirken. Ein Eklat sondergleichen.

Neues Kapitel in der Führungskrise

Und die Führungskrise des weltgrößten Handball-Fachverbandes ist nach dem überraschenden Rücktritt von Präsident Bernhard Bauer im März um ein Kapitel reicher.

Dabei sah man sich nach einer sportlichen Steigerung des Aushängeschildes Nationalmannschaft mit der ordentlichen WM und der souveränen Qualifikation für die EM 2016 unter dem neuen Bundestrainer Dagur Sigurdsson eigentlich wieder in ruhigerem Fahrwasser.

Kretzschmar warnt

"Man muss aufpassen, dass man das gerade zurückgewonnene Vertrauen der Sponsoren und Partner nicht gleich wieder verspielt und erneut in Schieflage gerät", sagt SPORT1-Experte Stefan Kretzschmar.

Die aus Süden geführte Attacke gilt dem Augenschein nach vor allem Bob Hanning, Vizepräsident Leistungssport, auch wenn HVW-Präsident Hans Artschwager das dementierte. Hanning, in zweiter Funktion Geschäftsführer der Füchse Berlin, polarisiert wie kein Zweiter in der Szene. Kretzschmar sagt: "Ich schätze Hannings berufliches Engagement sehr. Er lebt für den Handball."

Doch die One-Man-Show des umtriebigen wie umstrittenen Machers betrachtet auch er kritisch.

"Ich glaube, dass er auf Ebene des DHB in jedem Fall ein Regulativ braucht. Jemanden, der ihm ebenbürtig ist. Jemanden, den er auch respektiert und ernst nimmt, mit dem er ein Team bilden muss", sagt Kretzschmar: "Aber diese Person muss ein Profil haben und darf sich nicht um den Finger wickeln lassen. Hanning muss auch mal die Grenzen aufgezeigt bekommen."

Dickes Fragezeichen hinter Michelmann

Ob dieser Mann Andreas Michelmann sein kann? Der Ascherslebener Oberbürgermeister und ehemalige Präsident des Handballverbandes Sachsen-Anhalt hätte am 26. September beim außerordentlichen Bundestag in Hannover eigentlich nach dem Willen der Findungskommission zum neuen DHB-Präsidenten gewählt werden sollen.

Michelmann ist auch für Kretzschmar ein "fähiger und guter Mann", wie er am Dienstag der Mitteldeutschen Zeitung sagte. Doch der Antrag aus Württemberg, Bauers Heimat, zielt darauf ab, seine Wahl zu verhindern.

Ein anderer starker Mann ist aktuell weit und breit nicht in Sicht. Und damit auch niemand, der das schlingernde Schiff wieder auf Kurs bringen könnte. Spekuliert wird über ein mögliches Comeback Bauers, für das der Württemberger Antrag den Boden bereiten soll. Bauer wiederum würde sich kaum noch einmal mit Hanning zusammenraufen.

Kretzschmar: "Es ist nun Aufgabe der Präsidentenfindungskommission, jemanden ins Rennen zu schicken, der Hanning ebenbürtig ist."

"Offene Aussprache" im August

Sieben Wochen vor dem entscheidenden Bundestag kommt der brisante Antrag offiziell auf die Agenda.

Der DHB berief am Dienstag für den 8. August in Kassel eine außerordentliche Bundesratssitzung ein. Diese soll "der offenen Aussprache und umfassenden Information aller Mitglieder dienen", wie der Verband mitteilte.

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