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Steffen Weinhold (M.) gab sein Länderspieldebüt im Februar 2008 © dpa picture alliance

Stuttgart und Hannover - Steffen Weinhold spricht im SPORT1-Interview über die Zusammensetzung des deutschen Teams nach der Verletzungsserie und die Chancen bei der EM in Polen.

Der neue Kapitän der deutschen Handballer ist eher ein Mann der leisen Töne. Dementsprechend will Steffen Weinhold sein neues Amt nicht zu hoch hängen.

Doch der 29 Jahre alte Linkshänder vom THW Kiel (81 Länderspiele / 214 Tore) hat sich seine Rolle mit konstanten Leistungen hart erarbeitet - und führt die Nationalmannschaft nun zur Europameisterschaft (ab Freitag im LIVETICKER).

Im SPORT1-Interview spricht Weinhold über die EM-Vorbereitung, die Zusammensetzung der DHB-Auswahl nach der Verletzungsserie und ihre Chancen beim Turnier in Polen.

SPORT1: Herr Weinhold, die Erwartungen in der Öffentlichkeit wachsen schnell. War der Dämpfer gegen Island zum Abschluss der Vorbereitung psychologisch gesehen vielleicht gar nicht schlecht?

Steffen Weinhold: Was die Öffentlichkeit sagt, ist mir eigentlich ziemlich wurscht. Natürlich wären wir gerne mit einem Sieg im Rücken nach Polen gefahren, leider hat das nicht geklappt. Wichtig ist, dass wir die positiven Dinge aus den drei Vorbereitungsspielen mitnehmen. Genauso sollten wir aber selbstkritisch sein und jeder für sich die ein, zwei Dinge abstellen, die vielleicht noch nicht so hundertprozentig gepasst haben. Dann können wir als Mannschaft reifen.

SPORT1: Was konkret muss besser werden?

Weinhold: Größtes Problem am Sonntag war unsere Wurfeffektivität. Aber wir hatten auch einige technische Fehler zu viel im Angriffsspiel, die wir uns so nicht erlauben dürfen. Die Passqualität muss ein bisschen höher sein. Ich denke auch, dass wir etwas mehr Biss haben können, heißer auf Abpraller sein können. Die letzte Konsequenz muss in unser Abwehrspiel rein.

SPORT1: Haben Sie sich als Kapitän schon eingelebt?

Weinhold: Natürlich ist das etwas Besonderes und schön, dass man das Vertrauen vom Trainer bekommt. Das möchte ich natürlich gerne zurückzahlen. Aber für die Aufgaben auf dem Spielfeld spielt es gar keine so große Rolle.

SPORT1: Wie wirken sich die vielen Ausfälle auf das Team aus?              

Weinhold: Das ist nicht einfach. Aber es hilft uns nichts, darüber nachzudenken, wer fehlt und was uns damit verloren geht. Wir müssen sehen, welche Möglichkeiten wir haben, mit der Mannschaft, wie sie jetzt zusammen ist. Wir haben viele gute Spieler in Deutschland. Einige, die noch nie dabei waren bei einem großen Turnier haben nun die Chance zu zeigen, was sie für ein Talent haben. Jeder Spieler hat das Potenzial, Verantwortung zu übernehmen. Vielleicht zeichnet uns diese Unberechenbarkeit auch aus. Deswegen gehe ich optimistisch ins Turnier.

SPORT1: Was ist drin in Polen?

Weinhold: Schwierig zu sagen. Es gibt sicher drei, vier Mannschaften, die zum engeren Favoritenkreis gehören: Frankreich, die Polen mit dem Heimvorteil, Dänemark, auch Spanien. Die üblichen Verdächtigen. Sie sind vom Niveau sicher ein Stück weiter und auch erfahrener als andere Mannschaften. Dahinter spielen viele auf einem ähnlichen Level. Da ist es einfach wichtig, dass wir in den engen Spielen die Nerven behalten und sie für uns entscheiden.

SPORT1: Schon die Vorrundengruppe mit Spanien, Schweden und Slowenien hat es in sich.

Weinhold: Ein positives Erlebnis zum Auftakt gegen Spanien wäre natürlich sehr wichtig, um ins Turnier zu starten. Das macht viel aus. Es geht so eng zu, in der Gruppe agieren alle auf einem ähnlichen Level. Letztendlich kannst du mit vier Punkten in die Hauptrunde kommen  - aber auch genauso nach drei Spielen ausscheiden.

SPORT1: Viel Druck lastet auf dem jungen Rune Dahmke als einzigem Linksaußen. Sie spielen mit ihm in Kiel zusammen. Wie haben Sie seine Entwicklung erlebt?

Weinhold: Bei uns in Kiel hat er seine Sache wirklich super gemacht. Und da hat er ja auch im Dreitages-Rhythmus quasi durchgespielt. Er ist noch sehr jung, hat aber ein starkes Wurfrepertoire. Und er geht sehr gelassen mit der Sache um, dass er ins kalte Wasser geworfen wurde. Das hat er mit Bravour gemeistert. Ich traue ihm auf jeden Fall alles zu. Wenn er hundertprozentig fit ist, mache ich mir überhaupt keine Sorgen, dass er ein super Turnier spielen kann.

SPORT1: Freuen Sie sich nach der Wüsten-WM in Katar auf ein Land mit Handballtradition?

Weinhold (lacht): Es war in Katar eigentlich ganz schön mit der Sonne. Da konnte man gut Energie tanken zwischen den Spielen. In Polen wird das so nicht gehen. Aber es ist natürlich schön, wenn du volle Hallen mit guter Stimmung hast. Auch logistisch ist es für uns einfach mit Breslau als Spielort. Wir werden uns schon so einrichten, dass wir uns wohlfühlen.

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