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Stuttgart - Das deutsche Nationalteam fokussiert sich trotz aller Sorgen auf die richtige Mischung für die EM. Gegen Tunesien soll der Grundstein gelegt - und improvisiert werden.

Das brennendste Thema erklärte der Bundestrainer kurzerhand für beendet.

„Ich kann jetzt nicht drei Wochen lang diskutieren, warum es so viele Verletzungen im Handball gibt“, sagte Dagur Sigurdsson unmissverständlich zum Auftakt der heißen Phase der Vorbereitung der Nationalmannschaft auf die Europameisterschaft.

Als Pragmatiker blickt er zehn Tage vor Turnierstart nach vorne – und will aus der Not eine Tugend machen.

Jammern gilt nicht

Dass ihm bei der EM mit Uwe Gensheimer und Patrick Groetzki seine komplette etatmäßige Flügelzange fehlt? Dazu Kreisläufer Nummer eins, Patrick Wiencek, Supertalent Paul Drux und nun auch Gensheimers Ersatz Michael Allendorf? Geschenkt.

"Die Leute, die hier sind, sind fit und fleißig", betonte Sigurdsson vor dem Testspiel am Dienstag in Stuttgart gegen Tunesien (20 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 und im Livestream), der ersten von drei finalen Möglichkeiten, sich für die Titelkämpfe vom 15. bis 31. Januar in Polen einzuspielen.

Nach dem Kräftemessen mit dem neunmaligen Afrikameister geht es am Wochenende in Kassel und Hannover noch zweimal gegen seine Heimat Island. Danach muss sich das neuformierte Team gefunden haben, bevor zum EM-Auftakt am 16. Januar mit Spanien (18.30 Uhr im Liveticker) gleich ein dicker Brocken wartet.

Hoffen auf "neue Waffen"

"Die Situation ist für mich eher spannend, als dass sie mir Sorgen bereitet", sagte Sigurdsson und kündigte an: "Vielleicht gibt sie uns ja auch neue Waffen."

Schon gegen Tunesien dürften einige Experimente zu sehen sein, schließlich ist mit Kiels Youngster Rune Dahmke der einzige nominelle Linksaußen im Kader mit einem angerissenen Band im linken Sprunggelenk weiter angeschlagen.

"Wir sind guter Dinge, es wird jeden Tag besser", sagte der Shootingstar im Gespräch mit SPORT1: "Aber es wäre blöd, in den Testspielen großes Risiko zu gehen."

Zum Turnierstart will er bei 100 Prozent sein, vorher geht er eher davon aus, dass die Zuschauer "einige Varianten" zu sehen bekommen.

Also weniger ihn selbst, als beispielsweise einen zweiten Kreisläufer auf dem Flügel, der dann auflöst. Oder einen Aufbauspieler, der zunächst auf außen auftaucht, um dann aber über den Rückraum zu kommen. Wer Sigurdsson kennt, weiß: Er wird sich etwas einfallen lassen.

Stärke im Rückraum

Und insgesamt kann sich der von ihm zusammengestellte Kader um den neuen Kapitän Steffen Weinhold, der sich nach der Wildcard im vergangenen Jahr bei der WM in Katar diesmal souverän für die Endrunde qualifizierte, sehen lassen im internationalen Vergleich.

Die Deckung mit Hendrik Pekeler oder auch Erik Schmidt kommt mit Gardemaß daher, dahinter stehen mit Routinier Carsten Lichtlein und Aufsteiger Andreas Wolff zwei Top-Keeper. Und im Angriff besitzt gerade der linke Rückraum mit Christian Dissinger, Steffen Fäth und Finn Lemke im Vergleich zur Vergangenheit deutlich mehr Wurfkraft.

"Vor niemandem verstecken"

„Das sind alles unterschiedliche Typen, die alle viel mitbringen", sagte Spielmacher Martin Strobel, einer von nur drei Spielern mit mehr als 50 Länderspielen auf dem Buckel, zu SPORT1: "Das macht uns unberechenbarer. Ich mache mir jedenfalls keine Sorgen. Wir müssen uns vor niemandem verstecken."

Auch der verlängerte Arm des Trainers weiß: Laborchef Sigurdsson hat die Zutaten für eine erfolgversprechende Mischung.

Das Basteln beginnt gegen Tunesien.

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