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München und Stuttgart - Beim Testspielsieg gegen Tunesien macht vor allem Christian Dissinger und die neue Wurfgewalt im Rückraum Mut für eine erfolgreiche WM. Der Schuh drückt woanders.

Nach seiner bemerkenswerten Rückkehr in die Handball-Nationalmannschaft nach langer Leidenszeit blieb Christian Dissinger bescheiden.

"Das war okay", kommentierte der 24-Jährige seinen glänzenden Auftritt beim 37:30 (20:18)-Erfolg gegen den neunmaligen Afrikameister Tunesien mit ausdrucksloser Miene.

Acht Tore erzielte Dissinger in der Stuttgarter Porsche Arena selbst, dazu setzte er in seinem fünften Länderspiel seine Kollegen mit starken Anspielen immer wieder in Szene.

Sein beherzter Auftritt macht mit Blick auf die EM in Polen (15. bis 31. Januar) nach den vielen verletzungsbedingten Absagen Mut.

Dissinger bescheiden

Die Tore, betonte Dissinger, seien ihm egal. Das sei nicht so entscheidend.

"Entscheidend ist, dass wir in den nächsten Tagen als Team Fortschritte machen. Wir haben schon sehr gute Ansätze gezeigt, aber das ist ausbaufähig", sagte der Torjäger des deutschen Rekordmeisters THW Kiel.

Zur Erinnerung: Zwei Kreuzbandrisse hatten Dissinger in seiner Entwicklung weit zurückgeworfen. Dabei galt er als größtes deutsches Talent. 2011 holte er mit den Junioren den WM-Titel, Dissinger wurde als bester Spieler des Turniers ausgezeichnet.

Im Sommer kam er über Umwege nach Kiel und avancierte nach Anlaufschwierigkeiten zum Stammspieler im linken Rückraum. "Ich bin sehr stolz auf seine Entwicklung. Ich sehe auf seiner Position keinen besseren Deutschen", sagte THW-Trainer Alfred Gislason zuletzt.

Auch Fäth in starker Form

Ähnlich gut in Form wie Dissinger ist Steffen Fäth. Das Problem: Beide spielen auf der gleichen Position. Bundestrainer Dagur Sigurdsson machte aus der Not eine Tugend. Dissinger spielte links, der Wetzlarer Fäth übernahm gegen Tunesien die Rolle des Mittelmanns und erzielte sechs Treffer.

"Für mich war ihr Auftritt keine Überraschung. Dissinger war richtig toll, auch Fäth war sehr stark", lobte Sigurdsson.

Die neue Wurfgewalt im Rückraum schürt die Hoffnung auf eine erfolgreiche EM.

"Wir sind flexibler geworden und haben mehr Wurfgefahr aus der Distanz", stellte Dissinger fest.

Torhüter-Duo mit Luft nach oben

Bis zum EM-Auftakt am 16. Januar in Breslau gegen Ex-Weltmeister Spanien wartet auf Sigurdsson dennoch viel Arbeit.

Besonders die Abwehr offenbarte gegen die Tunesier ungeahnte Schwächen.

Das Torhüter-Duo Carsten Lichtlein und Andreas Wolff hatte ebenfalls einen schwachen Tag erwischt.

"Die können sicherlich mehr", sagte Sigurdsson mit Blick auf seine Torhüter.

Postive Signale

Insgesamt war der Isländer mit seinem Team aber zufrieden. Er habe "viele positive Signale gesehen".

Da auch der letzte verbliebene Linksaußen Rune Dahmke nach seinen Sprunggelenksproblemen noch pausierte, ließ der Bundestrainer einige taktische Varianten üben - mit wechselhaftem Erfolg.

"Wir hoffen, dass Rune Dahmke beim nächsten Spiel wieder dabei ist", sagte Sigurdsson. Am Samstag in Kassel und tags darauf in Hannover wartet Island auf die Auswahl des Deutschen Handballbundes (DHB), ein stärkerer Gegner.

"Die Isländer sind schon sehr gut drauf und wollen bei der EM bis ganz nach oben. Das wird ein echter Gradmesser für uns", sagte Sigurdsson bei SPORT1.

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