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Daniel Stephan wurde 2004 mit Deutschland in Slowenien Europameister © SPORT1-Grafik: Getty / Philipp Heinemann

Daniel Stephan kritisiert die fehlende Zielvorgabe des DHB-Teams für die EM. Lob findet er aber für Dagur Sigurdssons Umgang mit der Verletztenmisere.

Lieber Klartext als Tiefstapelei: Daniel Stephan versteht die defensive Zielvorgabe des deutschen Handball-Nationalteams mit Blick auf die anstehende Europameisterschaft in Polen nicht.

"Ich finde es nicht gut herumdrucksen", sagte der ehemalige Welthandballer im Gespräch mit SPORT1: "Es nützt doch nichts, nur zu sagen: Wir wollen gut auftreten." Einen guten Auftritt und Mannschaftsgeist zu zeigen, das sei ohnehin Grundvoraussetzung für ein solches Turnier. Man müsse vielmehr auch ergebnisorientiert denken.

Deutschand startet am Samstag gegen Mitfavorit Spanien (18.30 Uhr im LIVETICKER) ins Turnier.

"Wir sind in Katar (WM 2015, Anm. d.Red.) Siebter geworden, und verschlechtern will man sich doch sicherlich nicht", so der 42-Jährige, der anders als beim damaligen Turnier im Wüstenstaat ein Ende der Bescheidenheit fordert.

"Nach Katar ist man mit einer Wildcard gekommen und ist die Aufgabe mit Demut angegangen", sagte Stephan, der gleichwohl zugibt: "Sicherlich ist eine Europameisterschaft schwerer zu spielen."

Es sei zwar das gute Recht des Führungsstabes, nach außen niedrige Ziele zu formulieren, aber etwas mehr Mut hätte sich Stephan schon gewünscht. Denn: "Deutschland hat eine überzeugende EM-Quali gespielt und dabei gute Ergebnisse erzielt."

Sigurdsson hatte im Vorfeld stets betont, man sei aufgrund der Töpfe im Bereich der Plätze 9 bis 12 angesiedelt, und das wolle man erst einmal bestätigen.

Lob für Umgang mit Verletztenmisere

Lobende Worte findet Stephan, Welthandballer von 1998, indes für den Umgang von Bundestrainer Dagur Sigurdsson mit der schwierigen Personalsituation.

"Ich finde es gut, wie Sigurdsson das Thema angeht. Er redet nicht lange drum herum, palavert nicht, sondern geht es offensiv an, indem er sagt: Wir haben eine gute Truppe und einen guten Kader", meinte Stephan. 

Es sei zwar schwer zu beurteilen, "wo die Truppe steht". Sie habe aber "in den letzten eineinhalb Jahren wirklich stabile Leistungen gebracht, das ist auch Sigurdssons Verdienst. Jetzt muss er improvisieren."

Der deutschen Auswahl fehlen die Außenspieler Uwe Gensheimer, Patrick Groetzki und Michael Allendorf sowie von Kreisläufer Patrick Wiencek und Rückraumspieler Paul Drux.

Besondere Rolle für Dissinger

Umso mehr setzt Stephan deshalb auch den in starker Form befindlichen Shooter Christian Dissinger.

"Er ist stark vom THW Kiel gekommen", so der ehemalige Rückraumstar: "Und es ist wichtig, dass man eine gute Deckungsformation hinbekommt - das war auch in Katar der Schlüssel zum Erfolg."

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