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Die deutschen EM-Helden erleiden auf dem Weg zu den Olympischen Spielen einen Dämpfer. Das DHB-Team verliert im Härtetest gegen Russland trotz Aufholjagd.

Die deutschen Handball-Europameister haben einen Fehlstart in die heiße Olympia-Testphase hingelegt.

Das Team von Trainer Dagur Sigurdsson verlor ohne Kapitän Uwe Gensheimer in Mannheim gegen Russland mit 25:27 (13:16) und zeigte 58 Tage vor Beginn der Sommerspiele in Rio de Janeiro noch viele Schwächen in allen Mannschaftsteilen.

"Bei uns war es leider Licht und Schatten. Wir haben nicht konzentriert genug angefangen", sagte Sigurdsson und kritisierte die Offensivleistung: "Wir waren zu hektisch und haben uns nicht genug Zeit für die Würfe genommen. Wir haben unnötig verloren, aber waren daran selbst Schuld."

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Drei Tage nach dem Ende der Bundesliga-Saison fehlte den deutschen Spielern vor 8235 Zuschauern in der SAP-Arena von Beginn an die Frische, viele der Stars wirkten müde, ausgelaugt und urlaubsreif.

Zahlreiche Ungenauigkeiten waren die Folge, vor allem die Defensive hatte gegen die pfeilschnellen Russen enorme Probleme.

Kühn ballert sich in Olympia-Form

Bester Werfer im DHB-Team war am Ende der Gummersbacher Julius Kühn, der seine Bewährungschance nutzte und acht Treffer erzielte.

Lokalmatador Gensheimer, der nach dem Gewinn der deutschen Meisterschaft mit den Rhein-Neckar Löwen geschont wurde, fehlte als Anspielstation und sicherer Shooter in der wenig druckvollen Offensive.

Sigurdsson ließ auch Müdigkeit nicht als Ausrede gelten und war schon Mitte der ersten Halbzeit stocksauer auf seine "Bad Boys".

"Wir wollen uns als Mannschaft entwickeln und einen Schritt nach vorne kommen, wenn möglich noch ein bisschen besser sein als bei der EM. Das ist uns heute nicht gelungen", sagte Rechtsaußen Patrick Groetzki: "Vor allem in der ersten Halbzeit war es viel zu wenig Aggressivität."

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Heinevetter hält Deutschland im Spiel

Beim Stand von 8:14 nahm Sigurdsson nach 21 Minuten die zweite Auszeit und machte seinem Team eine unmissverständliche Ansage: "Keine Abwehr, keine Einstellung - null!"

Die Ermahnung half etwas, bis zur Pause verkürzten die Europameister den Rückstand auf drei Tore. Torwart Silvio Heinevetter hatte daran großen Anteil.

Der Berliner, der für EM-Held Andreas Wolff das Tor hütete, entschärfte in der Schlussphase vor der Pause gleich vier Abschlüsse der immer wieder überfallartig konternden Russen mit spektakulären Paraden.

Nach der Pause stemmten sich die Gastgeber mit Kräften gegen die Niederlage, auch die Abwehr spielte konzentrierter - Sigurdssons Laune und auch die der Fans besserten sich.

13 Minuten nach Wiederanpfiff war die deutsche Auswahl bis auf ein Tor dran (19:20), Kai Häfner (49.) gelang der erste Ausgleich (21:21) - gegen nachlassenden Russen allerdings keine Wende mehr.

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Pause für Trio um Gensheimer

Sigurdsson steht mit Blick auf seine Personalplanung für die Olympischen Spiele in Rio (5. bis 21. August) vor einem "Luxusproblem", wie er selbst sagt.

Der 43-Jährige wird bis Anfang Juli einige seiner Spieler enttäuschen müssen, am 17. Juli endet die Nominierungsfrist für den endgültigen, nur 14 Spieler umfassenden Kader (plus ein Reservist). Bis dahin steht nur noch ein weiteres Länderspiel auf dem Programm, am 13. Juli in Stuttgart gegen Tunesien.

Neben Linksaußen Gensheimer erhielten auch die Kieler Christian Dissinger und Steffen Weinhold eine Verschnaufpause. Vor allem Gensheimer konnte sie gut gebrauchen.

Am vergangenen Mittwoch wurde er erstmals Vater, am Sonntag Deutscher Meister, und vor der Brust hat er das Olympia-Abenteuer und seinen Wechsel zum Top-Klub Paris St. Germain.

Das Spiel in Stenogramm:

Deutschland - Russland 25:27 (13:16)
Tore für Deutschland: Kühn (8), Reichmann (5/2), Häfner (2), Dahmke (2), Drux (2), Groetzki (2), Strobel (1), Kohlbacher (1), Wiencek (1), Pekeler (1)
Bester Werfer Russland: Dimitri Schitnikow (8)
Zuschauer in Mannheim: 8235

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