vergrößernverkleinern
Rückraum-Bomber Julius Kühn war gegen Schweden mit acht Treffern bester deutscher Werfer
Rückraum-Bomber Julius Kühn war gegen Schweden mit acht Treffern bester deutscher Werfer © Getty Images

Der rasante Aufstieg von Julius Kühn findet beim Auftaktsieg der deutschen Handballer in Rio seinen bisherigen Höhepunkt. Der Shooter scheut keine Schmerzen.

Die Entwicklung von Julius Kühn ging sogar für den Deutschen Handballbund zu schnell.

Auf der Website des Verbandes findet sich der beste Torschütze beim Olympia-Auftaktsieg der Europameister über Schweden noch im B-Kader.

Zur Ehrenrettung: Rasanter hätte der Aufstieg des 1,98-Meter-Hünen vom VfL Gummersbach wirklich kaum verlaufen können.

Beim EM-Triumph im Frühjahr war der 23-jährige Blondschopf mit dem mächtigen Kreuz noch nachträglich als Ersatz für den verletzten Christian Dissinger erst zum letzten Hauptrundenspiel in den Kader gerückt.

Perfekte Ausbeute in Halbzeit eins

Bei der Mission Gold in Rio de Janeiro stand er nun von Beginn an auf dem Feld – und sorgte für einiges Aufsehen.

Mit sechs Treffern bei sechs Versuchen im ersten Durchgang hatte der Rückraumschütze mit dem Hammer im Arm maßgeblichen Anteil daran, dass sein Team nach einem etwas holprigen Beginn in die Erfolgsspur fand.

Acht Tore von ihm bejubelten die zahlreichen deutschen Fans in der gut gefüllten Future Arena im Olympiapark am Ende.

Vielleicht Kühns bestes Länderspiel

Seine Mannschaftskameraden beim VfL setzten sich fast zeitgleich im Endspiel des Pierburg-Cups gegen den Bergischen HC durch. Kühn bewegt sich gerade in einer anderen Welt.

Ob es sein bestes Länderspiel war? "Das kann man schon so sagen", sagte Kühn, als er nach dem Spiel gut gelaunt mit den Journalisten plauderte.

Für ihn war es allerdings auch gerade einmal der elfte Auftritt im Trikot der Nationalmannschaft gewesen.

Julian Meißner berichtet für SPORT1 von Olympia 2016 aus Rio de Janeiro
SPORT1-Reporter Julian Meißner berichtet von den Olympischen Spielen am Zuckerhut © SPORT1-Grafik: Paul Haenel/Getty Images

Hanning lobt Koloss Kühn

"Eine sehr starke Leistung von ihm", lobte DHB-Boss Bob Hanning: "Er war gleich am Anfang sehr präsent, ist dahin gegangen, wo es weh tut."

Das traf den Punkt aber nur bedingt. Wo Koloss Kühn hingeht, tut es meist dem Gegner weh. Seine Spielweise ist wenig filigran, dafür aber umso wuchtiger.

Und sein brachialer Wurf ist seine stärkste Waffe. Dem schwedischen Keeper Mattias Andersson, einer der Besten seines Fachs, flogen die Bälle nur so links und rechts um die Ohren.

"Handball ist ein physischer Sport, Kraft gehört dazu", sagte Kühn nach dem Spiel im Gespräch mit SPORT1: "Als Rückraumspieler ist man davon noch mehr abhängig. Das spielt schon eine große Rolle."

Irgendwie immer etwas unter dem Radar

Auch wenn Kühn die Juniorenmannschaften des DHB durchlaufen hat und unter anderem 2010 Europameister mit der U18 wurde, lief er irgendwie immer etwas unter dem Radar.

Ganz im Gegensatz zu Dissinger, der früh als Supertalent gehandelt wurde.

Doch wie sich in der Vorbereitung angedeutet hatte, bekommt nun Kühn die Spielzeit – auch wenn das Turnier natürlich noch lang ist.

Für den Moment jedenfalls ist der gebürtige Duisburger mittendrin in der Jagd nach Gold und wirkt ein wenig, als könne er das alles noch nicht richtig greifen.

Treffen mit Bolt und Djokovic

"Es ist unglaublich, wenn man Usain Bolt oder Novak Djokovic über den Weg läuft", berichtete er über das Leben im Athletendorf: "In der Kantine sitzt du Schulter an Schulter mit solchen Weltstars. Eine echt geile Erfahrung, hier dabei zu sein."

Nun haben Handballer generell nicht die besten Voraussetzungen, weltberühmt zu werden.

Aber wenn Julius Kühn so weiter macht, wird sich in Rio vielleicht noch der eine oder andere nach ihm umdrehen.

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel