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Handball - Olympics: Day 10
Dagur Sigurdsson betreut Deutschland noch bei der WM 2017 © Getty Images

München - Dagur Sigurdsson beendet die Spekulationen und verkündet seinen Abschied. Was sind die Folgen für den DHB, wer sind die möglichen Nachfolger? SPORT1 gibt Antworten.

Dagur Sigurdsson hört als Bundestrainer auf. Der Isländer wird die Europameister nur noch bei der anstehenden WM in Frankreich (11. bis 29. Januar 2017) betreuen und danach wohl nach Japan wechseln - dem Olympiagastgeber von 2020.

Sigurdsson nutzte eine Option, um aus seinem eigentlich bis 2020 datierten Vertrag herauszukommen. Damit verlässt der Vater der jüngsten Erfolge - EM-Gold 2016 und Olympia-Bronze in Rio - den DHB.

Doch was bedeutet das vorzeitige Aus für Deutschland und wer sind seine möglichen Nachfolger? SPORT1 beantwortet die wichtigsten Fragen: 

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- Warum geht Sigurdsson nach Japan?

Die Japaner wollen bis zu den Olympischen Spielen 2020 im eigenen Land zur Weltspitze aufschließen. Genau drei Jahre also hat Sigurdssson für dieses Erfolgsprojekt Zeit.

Zudem ist Japan ein Land, in dem sich Sigurdsson wohl fühlt. Und ein Verband, der den 43-Jährigen offenbar nicht allzu oft und lange vor Ort braucht. Zu den Spielen und Lehrgängen könnte er jeweils aus Island einfliegen. Und Sigurdsson hatte betont, seine Entscheidung auch mit seiner Familie abzustimmen, die nach Island zurückzieht.

Schon 2000 wechselte Sigurdsson, damals Vater zweier Kinder, aus Wuppertal nach Japan und arbeitete drei Spielzeiten lang als Spielertrainer bei Wakunaga Hiroshima. "Wir haben uns da sehr wohl gefühlt", sagte er. Seither gilt der Kosmopolit als glühender Japan-Fan.

- Warum konnte der DHB seinen erfolgreichsten Trainer aller Zeiten nicht halten?

Der 43 Jahre alte Familienvater sucht offenbar aus persönlichen Gründen eine neue Herausforderung.

"Wenn man ihn beobachtet, spürt man bei Dagur den Hang zur Veränderung", sagte DHB-Vizepräsident Bob Hanning, der Sigurdsson auch durch die gemeinsame Zeit bei den Füchsen Berlin gut einschätzen kann und weiterhin "ständig in Kontakt" mit ihm steht.

Eher hätte er den Isländer von einem lukrativen Job bei Spitzenklubs abgebracht. "Wenn ich gegen Veszprem oder Paris antreten würde, würde ich ganz stark davon ausgehen, dass er bleibt."

Das Gehalt scheint derweil kein ausschlaggebender Grund bei Sigurdssons Entscheidung gewesen zu sein, wie er glaubhaft versicherte.

Doch während er beim DHB ein Jahresgehalt von 240.000 Euro bekam, drehen die Japaner offenbar den Geldhahn auf. Im Gespräch ist ein mit fünf Millionen Euro datierter Kontrakt bis 2024.

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- Was bedeutet der Abgang für den deutschen Handball?

Die Sigurdsson-Entscheidung trifft den DHB hart, aber längst nicht unvorbereitet.

"Dagur hat das Denken im deutschen Handball nachhaltig geändert - das wird über seine Zeit hinaus wirken", sagte Hanning.

Der Weg der Erneuerung soll mit aller Konsequenz fortgesetzt werden, auch das Ziel Olympiasieg 2020 bleibt bestehen. Hanning steht jetzt unter Zugzwang, einen geeigneten Nachfolger zu präsentieren. 

- Wer sind die Nachfolge-Kandidaten?

Top-Kandidaten sind Christian Prokop (SC DHfK Leipzig) und Markus Baur (TVB Stuttgart).

Insbesondere mit Prokop hat der DHB bereits Gespräche geführt. Allerdings sind beide noch länger an ihre Klubs gebunden: Bauer bis 2018, Prokop sogar bis 2021.

- Was spricht für Prokop?

Der erst 37-Jährige gilt als Shooting-Star der Szene, in der vergangenen Bundesliga-Spielzeit wurde der ehemalige Rückraumspieler als "Trainer der Saison" ausgezeichnet.

Seit 2013 betreut Prokop Leipzig, schaffte 2015 den Aufstieg in die Bundesliga und sorgt dort mit seinem Team seitdem für Furore. Im Interview beschrieb sich Prokop zuletzt als "modernen Trainer", der viel Wert auf taktische Schwerpunkte legt. Zudem möchte er, "dass ein schneller Handball gespielt wird, der die Fans mitnimmt". 

Prokop verlängerte erst Mitte Oktober seinen Vertrag in Leipzig bis 2021. Eine Ausstiegsklausel besitzt er nicht. Im Raum steht jedoch eine Freigabe im Sommer 2017.

SG Flensburg Handewitt v SC DHFK Leipzig  - DKB HBL
Christian Prokop wurde in der vergangenen Saison zum "Trainer des Jahres" gekürt © Getty Images

- Was spricht für Baur?

Ganz klar seine Nähe zum DHB. Der 45-Jährige war Spielmacher beim "Wintermärchen 2007", als er die Nationalmannschaft im eigenen Land zum WM-Titel führte.

Von 2012 bis 2016 betreute er zudem die U20 des DHB, Baur kennt sich im Nachwuchs also bestens aus. Und "seine" Talente könnten 2020 bei den Olympischen Spielen ja einen Großteil der Mannschaft stellen. Allerdings betonen sowohl Hanning als auch Baur, dass sie noch keine Gespräche über die Sigurdsson-Nachfolge geführt haben.

- Wie groß ist der Zeitdruck bei der Nachfolgersuche?

Sigurdsson wird mit den "Bad Boys" definitiv noch die Weltmeisterschaft in Frankreich (vom 11. bis 29. Januar 2017) als Bundestrainer begleiten. Sein Vertrag beim DHB ist bis zum 30. Juni 2017 datiert.

Spätestens im Sommer 2017 will Hanning einen Nachfolger präsentieren, nach der WM könnte es zunächst eine Interimslösung geben.

In den zwei Spielen zwischen der WM und einer möglichen Amtsübernahme Prokops könnte Hanning laut Sport Bild als Interimscoach einspringen.

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