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Dagur Sigurdsson hört nach der WM im Januar als Bundestrainer auf
Dagur Sigurdsson hört nach der WM im Januar als Bundestrainer auf © SPORT1 / Getty Images

Der scheidende Bundestrainer hinterlässt dem DHB ein unlösbares Problem, auch wenn es genug Nachfolge-Kandidaten gibt. Sigurdssons Erbe darf nicht einfach verwaltet werden.

Jeder ist zu ersetzen. Eine gern gebrauchte Floskel, wenn eine erfolgreiche Arbeitskraft weiterzieht. Im Falle des scheidenden Bundestrainers Dagur Sigurdsson trifft sie leider nicht zu. 

Sigurdsson ist nicht zu ersetzen. Weshalb der Deutsche Handballbund ein massives Problem hat.

Gut ausgebildete Fachleute mit anerkannten Qualitäten in Führung, Methodik, Psychologie und Coaching gibt es zwar zur Genüge.

Ob nun der vom DHB favorisierte Newcomer Christian Prokop, der arrivierte Gudmundur Gudmundsson, Startrainer wie Ljubomir Vranjes oder Alfred Gislason, ein Haudegen mit Stallgeruch wie Markus Baur - sie alle hätten das Zeug, den Job zu übernehmen.

Zumal die Ausgangsposition glänzend ist. Die Reputation ist wiederhergestellt, der Pool an Spielern größer denn je.

Nur genau darin liegt die Gefahr. Das Erbe Sigurdssons darf nicht einfach nur verwaltet werden, wenn man in der Erfolgsspur bleiben will.

Doch keiner wird diesen Weg so wie der Isländer gehen können. Und: From Zero to Hero - diese wundersame Geschichte wird es ebenfalls nicht mehr geben.

Die Bad Boys bleiben einmalig. Der Geist, den Sigurdsson seinen Namenlosen einhauchte, war am Ende entscheidend für die großen Erfolge des Jahres 2016, den EM-Titel in Polen und Olympia-Bronze in Brasilien. 

Immer wieder neue Spieler aus dem Hut zu zaubern, an sie zu glauben und ihnen das Siegergen einzuimpfen - das ist neben herausragender fachlicher Qualifikation wohl die größte Stärke Sigurdssons. Das Talent für natürliche Motivation. Karma, wenn man so will. Jedenfalls etwas Einzigartiges.

Noch vor der WM im Januar sollte der DHB seine Nachfolgelösung präsentieren. Unvorbereitet tritt den Verband der Abgang Sigurdssons ja nicht. Zumal man - Ironie des Schicksals - die Ausstiegsklausel seinerzeit selbst in den Vertrag schreiben ließ, um das Risiko möglichst gering zu halten. 

Die Situation, in der man nun steckt, dürfte sich aber nicht wiederholen. Dafür ist Sigurdsson, der auf dem Höhepunkt seines Schaffens eine neue Herausforderung sucht, zu speziell. Unersetzbar eben.

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