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Uwe Gensheimer jubelt nach dem Sieg gegen Russland
Uwe Gensheimer ist mit 16 Treffern erfolgreichster Werfer des DHB-Teams © Getty Images

München - Im 100. Länderspiel des Kapitäns zeigt sich das DHB-Team gereift. Sigurdssons Ansprache leitet die Wende gegen Russland ein.

Von Tobias Wiltschek und Anett Sattler

Schöner hätte er sich sein Jubiläum nicht malen können.

Nach dramatischen Schlusssekunden gegen Russland (BERICHT) feierte Kapitän Uwe Gensheimer in seinem 100. Länderspiel mit der deutschen Nationalmannschaft den zweiten Sieg im zweiten WM-Spiel.

Ein Unentschieden am Dienstag gegen Dänemark (ab 18.45 Uhr im LIVE-TICKER) würde schon reichen, um sich vorzeitig für das Achtelfinale zu qualifizieren.

Dass sich die DHB-Auswahl diese viel versprechende Ausgangsposition erarbeitet hat, lag nicht zuletzt an Gensheimer selbst.

Mit neun Toren und einer perfekten Siebenmeter-Quote - er traf alle vier Würfe - war er beim 27:26-Erfolg der treffsicherste Schütze im Team von Bundestrainer Dagur Sigurdsson.

Persönlich feiern ließ er sich aber nicht.

Dank an die Fans

Stattdessen dankte er denjenigen, die den weiten Weg ins Wüsten-Emirat Katar auf sich genommen haben (DIASHOW: Der deutsche WM-Kader).

"Danke an unsere Fans, die einen unglaublichen Lärm für uns gemacht haben", sagte der Kapitän.

Vor allem in der zweiten Hälfte wurden in der riesigen Lusail Multipurpose Hall die "Deutschland, Deutschland"-Sprechchöre immer lauter (DIASHOW: Die Bilder der Handball-WM).

Auch Sigurdsson hat die Anfeuerungsrufe der deutschen Schlachtenbummler vernommen und lobte nach dem Spiel bei SPORT1: "Die haben uns richtig gut unterstützt und den Jungs den letzten Pusch gegeben."

Den hatten seine Jungs zunächst weitgehend vermissen lassen. Mit vier Toren lag der Weltmeister von 2007 zur Pause zurück.

"Nicht genügend Biss"

"Wir hatten in der ersten Halbzeit nicht genügend Biss im Angriff. Deshalb haben wir in manchen engen Situationen, in denen wir eine Zwei-Minuten-Strafe oder einen Siebenmeter hätten erzwingen können, nur einen Freiwurf bekommen", monierte der Isländer.

Da vom Rückraum in den ersten 30 Minuten kaum Gefahr ausging, konnte sich die DHB-Sieben bei ihrem Kapitän bedanken, dass der Rückstand zur Pause im Rahmen blieb. Vier und damit fast die Hälfte der deutschen Tore in der ersten Halbzeit erzielte Gensheimer.

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Neben dem Jubilar war es vor allem Torwart Silvio Heinevetter, der die Deutschen im Spiel hielt und sich im Vergleich zum Auftakt gegen Polen deutlich steigerte.

"Man hat gesehen, dass wir als Mannschaft zusammenstehen, egal ob wir mit drei oder vier Toren hinten liegen", lobte der 30-Jährige den erneut starken Teamgeist. "Man kann sagen: Das war eine Reifeprüfung."

Spiel kippt nach der Pause

Die entscheidende Phase dieser Prüfung bestand Sigurdssons Truppe zu Beginn der zweiten Hälfte. Darin waren sich alle einig.

Wie verwandelt kamen sie aus der Kabine und fegten nur so über ihre Gegner hinweg. Ein 5:1-Lauf in den ersten fünf Minuten - und die Deutschen waren wieder mittendrin im Geschäft.

"Dagur hat anscheinend die richtigen Worte gefunden und uns heiß gemacht", berichtete Kreisläufer Patrick Wiencek. Er und Rechtsaußen Patrick Groetzki waren mit jeweils zwei Toren maßgeblich an der geglückten Aufholjagd beteiligt.

Zittern bis zum Schluss

Mehrmals lagen die Deutschen danach mit drei Treffern vorn. Dennoch mussten sie kurz vor Schluss noch einmal mächtig zittern. 27:26, Unterzahl und Russland im Ballbesitz.

Doch als der ansonsten bärenstarke Pawel Atman einen Pass nach rechts zu hoch ansetzte, stand der Sieg endgültig fest.

Carsten Lichtlein, der im Verlauf der zweiten Hälfte für Heinevetter ins Tor kam, schilderte bei SPORT1 die letzten Sekunden:

"Das ist der entscheidende Angriff. Man geht diverse Situationen durch, wer wohin wirft. Aber es kam zum Glück nicht mehr dazu. Wir haben gewonnen und sind überglücklich über die zwei Punkte."

Sechs weitere Punkte sind noch zu vergeben, die nächsten beiden gegen Vize-Weltmeister Dänemark. Nach dem Traumstart könnten sich die Deutschen sogar eine Niederlage gegen den Favoriten leisten, ohne ihre gute Ausgangsposition zu gefährden. Platz zwei in der Gruppe wäre immer noch machbar.

Genau das muss jetzt das Ziel sein. Denn dann würde man im Achtelfinale aller Voraussicht nach den starken Franzosen und Schweden erst einmal aus dem Weg gehen.

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