Doha - Superstar Nikola Karabatic und seine Franzosen krönen sich gegen den umstrittenen Gastgeber Katar mit dem Weltmeistertitel. Der Triumph hat historische Ausmaße.

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Die Muskelmänner tanzten wie Kinder übers Parkett, Erfolgstrainer Claude Onesta hatte Tränen in den Augen: Die schier unersättlichen französischen Titeljäger sind zum fünften Mal auf den WM-Thron gestürmt, das Wüstenmärchen von Gastgeber Katar bleibt hingegen ohne Happy End.

Der Olympiasieger stoppte im Finale in Doha beim 25:22 (14:11) den Siegeszug der Katarer und verhinderte mit seinem zehnten wichtigen Titel eine der größten Handball-Sensationen der Geschichte. Frankreich krönte sich zudem zum alleinigen Rekordweltmeister. "Das ist so ein geiles Gefühl, ich kann es noch nicht richtig fassen", sagte der Ex-Kieler Nikola Karabatic und fügte mit Blick auf den fünften Titel Frankreichs an: "Vor 20, 30 Jahren waren wir noch überhaupt nicht auf diesem Niveau. Jetzt sind wir sehr stolz, das geschafft zu haben."

Schwer für Frankreich

"Wir sind nie satt und wollen immer auf dem Dach der Welt sein. Das haben wir heute wieder bewiesen", sagte Kentin Mahe vom Bundesligisten HSV Hamburg. "Die Franzosen können im richtigen Moment alles abrufen. Es war aber schwer für sie", sagte Handball-Legende Heiner Brand.

Der überragende Ex-Kieler Nikola Karabatic war mit fünf Treffern bester Werfer des Europameisters, der schon 1995, 2001, 2009 und 2011 den WM-Titel geholt hatte. Zum besten Spieler des Turniers wurde Frankreichs Torhüter Thierry Omeyer gekürt. "Wir haben alles gegeben, was wir noch hatten. Eigentlich waren wir schon kaputt. Jeder hat für den anderen gekämpft", sagte er.

Asienmeister Katar verpasste es vor 15.300 Zuschauern in der ausverkauften Lusail Multipurpose Hall unterdessen, als erste nicht-europäische Mannschaft WM-Gold zu gewinnen.

Markovic bester Werfer

Für die zusammengekaufte Weltauswahl, in der sich jeder Spieler angeblich schon für den Einzug ins Halbfinale eine lebenslange Rente gesichert hat, erzielte Zarko Markovic sieben Tore.

Die vom deutschen Trainer Michael Biegler betreuten Polen hatten zuvor Bronze durch einen 29:28 (24:24, 13:13)-Erfolg nach Verlängerung gegen Spanien geholt.

Die Iberer hatten 2013 den WM-Titel unter Coach Valero Rivera gewonnen, der nun Katar völlig überraschend ins Endspiel führte. Als beste WM-Platzierung hatte Katar zuvor Platz 16 vor zwölf Jahren erreicht.

Narcisse weiß um besondere Situation

"Wenn du gegen den Gastgeber spielst, musst du fünf, sechs Tore besser sein. Aber wir wissen, wie ein Finale funktioniert", hatte der frühere Welthandballer Daniel Narcisse vor der Begegnung mit Blick auf den Heimvorteil erklärt.

Unter den Augen des Emirs von Katar boten die tschechischen Unparteiischen aber eine gute Leistung, und Frankreich war sofort im Spiel. Gegen die robuste Abwehr der Franzosen tat sich der Gastgeber äußerst schwer.

Katar bleibt dran

Im Angriff kam Frankreich durch seine Zweikampfstärke und die individuelle Klasse von Karabatic und Narcisse immer wieder zu guten Möglichkeiten. Die Folge war eine 13:7-Führung (23.). Angetrieben vom starken Torhüter Danijel Saric kam Katar aber etwas besser ins Spiel und verkürzte den Rückstand zur Pause auf drei Treffer.

Katar kam Mitte der zweiten Halbzeit sogar auf ein Tor heran (19:20/45.), doch die erfahrenen Franzosen behielten auch in dieser kritischen Phase im Hexenkessel von Doha die Nerven.

Jubel schon vor Spielschluss

Der Favorit zog wieder auf drei Tore davon (24:21/54.) und durfte am Ende jubeln. "Allez les Bleus", hallte es schon Minuten vor Spielschluss durch die Halle. Als Katar in der letzten Minute noch einen Gegenstoß ausließ, wurden die letzten 30 Sekunden zur französischen Party mit Ball.

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