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SPORT1-Experte Stefan Kretzschmar traut Sigurdssons Bad Boys auch bei der WM viel zu © SPORT1-Grafik: Imago

SPORT1-Experte Stefan Kretzschmar schätzt Deutschlands Chancen bei der WM und den Einfluss des nahenden Sigurdsson-Abschieds ein. Er nennt alte und neue Schlüsselspieler.

Hallo Handball-Fans,

die Weltmeisterschaft hat begonnen und das erste Spiel der Bad Boys naht (Fr., ab 17.45 Uhr im LIVETICKER und im LIVESTREAM auf handball.dkb.de). Es wird Zeit, einen Blick auf die Situation rund um das DHB-Team zu werfen.

Als amtierender Europameister gehört Deutschland automatisch zum Kreis der Medaillenfavoriten bei einer Weltmeisterschaft. Allerdings fehlen wichtige Spieler. Dennoch ist der Kader durch die Entwicklungen der letzten eineinhalb, zwei Jahre gut genug, um um Medaillen zu spielen.

Es gibt zahlreiche Schlüsselspieler im deutschen Team. Dazu gehören Paul Drux, der eine herausragende Entwicklung genommen hat, Julius Kühn und Steffen Fäth.

Durch den Ausfall von Fabian Wiede und Steffen Weinhold auf der rechten Seite, ist auch Kai Häfner in einer Position, wo er vom Ersatz- zum Führungsspieler reifen muss. Ein solcher ist, wenn er denn zum Team stößt, natürlich Holger Glandorf - für mich er der beste deutsche Linkshänder und in einer grandiosen Form. 

Auch die beiden Torhüter Andreas Wolff und Silvio Heinevetter, auf die wir uns eigentlich immer verlassen können, sowie Finn Lemke als Abwehrchef sind Schlüsselspieler. 

Und der einen Tag vor dem ersten Spiel angereiste Kapitän Uwe Gensheimer - sobald er den überraschenden Tod seines Vaters verarbeitet hat. Es tut mir unendlich leid für Uwe. Seinen Vater zu verlieren, ist für einen Sohn wohl das Schmerzhafteste. Er ist unser Vorbild, unser Held.

Bereits bei der Europameisterschaft hat die deutsche Mannschaft gezeigt, dass sie als Team funktioniert. Es gibt nicht den einen großen Überflieger a la Nikola Karabatic bei Frankreich oder Domagoj Duvnjak bei Kroatien. Die "Bad Boys" bestechen durch Jugendlichkeit und Homogenität.

Der nahende Abgang von Bundestrainer Dagur Sigurdsson wird keine negativen Auswirkungen haben. Im Gegenteil: Die Jungs werden noch einmal extra motiviert sein. Sowohl Sigurdsson als auch das Team wollen zeigen: 'Wir hauen nochmal einen raus'

Niemand macht sich momentan Gedanken, dass es das letzte Turnier mit Sigurdsson ist und heult im Hotelzimmer rum. Das Team fährt zur WM und will den EM-Titel bestätigen und der Welt zeigen, dass es keine Eintagsfliege war. Ich rechne mit einer Reaktion nach dem Motto 'Jetzt erst recht!'

Doch wer sind die deutschen Konkurrenten? Frankreich ist für mich im eigenen Land der ganz große Favorit - mit großem Abstand. Danach kommen Dänemark, Kroatien, Deutschland und Spanien. Bei den Polen muss man abwarten, was sie noch leisten können. Sie sehe ich nicht mehr ganz so weit vorne wie bei den vergangenen Turnieren.

Euer Kretzsche

Stefan Kretzschmar, 43, ist seit 2009 als Experte und Co-Kommentator das Handball-Gesicht von SPORT1. Der neben Heiner Brand wohl bekannteste deutsche Handballer hat in 218 Länderspielen 817 Tore für den DHB erzielt, gewann unter anderem Olympia-Silber in Athen 2004. In der Bundesliga war der ehemalige Weltklasse-Linksaußen für den SC Dynamo Berlin, Blau-Weiß Spandau, den VfL Gummersbach und zuletzt den SC Magdeburg aktiv, mit dem er 2002 die Champions League gewann. Bei SPORT1.de analysiert "Kretzsche" wöchentlich in seiner Kolumne das Handball-Geschehen.

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