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Der verletzte Paul Drux ist für Stefan Kretzschmar einer der talentiertesten Rückraumlinken Deutschlands
Der verletzte Paul Drux ist für Stefan Kretzschmar einer der talentiertesten Rückraumlinken Deutschlands © SPORT1 / Getty Images

Die Verletzung von Paul Drux ist für den SPORT1-Experten Stefan Kretzschmar der Wermutstropfen des Chile-Spiels. Er spricht über deutsche Trümpfe und einen 16. Mann.

Hallo Handball-Fans,

der klare Sieg der Bad Boys gegen Chile im zweiten WM-Spiel war eine Machtdemonstration. Doch Vorsicht: Chile ist nicht der Maßstab für das DHB-Team!

Es stellt sich dennoch jetzt die Frage, ob Chile so schlecht oder das DHB-Team so überragend gespielt hat. Ich entscheide mich für die zweite Variante: Wir sind mittlerweile eine richtige Spitzenmannschaft!

Das Spiel hat viele Erkenntnisse geliefert. Andreas Wolff hat im Tor eine überragende Leistung gezeigt - auch als das Spiel schon längst entschieden war. Wir haben mit ihm und Silvio Heinevetter zwei gute Torhüter. Das beruhigt für den weiteren Turnierverlauf. (Der Spielplan der Handball-Weltmeisterschaft 2017)

Beide sind sehr ehrgeizig. Sie haben es verstanden, sich als Team zu akzeptieren. Ein Konkurrenzkampf im Training ist natürlich da. Beide wollen den Bundestrainer überzeugen, aber ich sehe nicht, dass einer von ihnen beleidigt ist, wenn der andere spielt. Sie ergänzen sich gut und gönnen sich gegenseitig ihren persönlichen Erfolg. Das gefällt mir!

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Auch gegen die offensive und unbequeme Abwehrfomation der Chilenen hat Deutschland ein gutes spielerisches Konzept gefunden. Dagur Sigurdsson hat die erste Garde etwas geschont - wichtig bei einem so langen Turnier - und 1b-Akteuren viele Spielanteile gegeben. Im Rückraum haben Niklas Pieczkowski und Simon Ernst ihre Chance genutzt.

Die Kaderbreite ist unser großer Vorteil. Viele Spieler, die das Zeug haben in der Nationalmannschaft zu spielen, sind gar nicht in Frankreich dabei. 

Der einzige Wermutstropfen ist die Verletzung von Paul Drux, der zumindest fürs nächste Spiel gegen Saudi-Arabien ausfällt

Paul ist ein Schlüsselspieler im Rückraum unserer Mannschaft. Er ist für sein Alter erstaunlich weit und vielleicht das größte Talent, dass wir auf dieser Position haben. Sein Ausfall ist ein herber Verlust. 

Trotzdem sollte Dagur Sigurdsson mit der Nominierung des 16. Spielers noch warten. Wir werden Saudi-Arabien deutlich schlagen. Weißrussland könnte dann ein Prüfstein sein aber eigentlich geht es jetzt schon darum, das letzte Gruppenspiel gegen Kroatien zu gewinnen, um Erster zu werden. Das wird der echte Gradmesser für das Team sein. Spätestens davor sollte nachnominiert werden. Alles läuft darauf hinaus, dass Holger Glandorf zur Mannschaft stoßen wird.

Jetzt steht das Spiel gegen die Saudis an (Di., 17.45 Uhr auf im LIVESTREAM auf handball.dkb.de und im LIVETICKER). Es wird eine andere Herausforderung für das Team werden, gegen eine andere Art Handball zu spielen. Wie schon vor dem Chile-Spiel fehlt mir die Fantasie, dass Saudi-Arabien dieses Spiel gewinnen kann. 

Unsere Basis, die Abwehr, werden auch sie nicht überwinden können. Für Nationen wie Chile und Saudi-Arabien ist das Niveau unserer Deckung zu stark. Ich erwarte ein ähnliches Spiel wie gegen Chile mit einer erneut dominanten deutschen Mannschaft.

Euer Kretzsche

Stefan Kretzschmar, 43, ist seit 2009 als Experte und Co-Kommentator das Handball-Gesicht von SPORT1. Der neben Heiner Brand wohl bekannteste deutsche Handballer hat in 218 Länderspielen 817 Tore für den DHB erzielt, gewann unter anderem Olympia-Silber in Athen 2004. In der Bundesliga war der ehemalige Weltklasse-Linksaußen für den SC Dynamo Berlin, Blau-Weiß Spandau, den VfL Gummersbach und zuletzt den SC Magdeburg aktiv, mit dem er 2002 die Champions League gewann. Bei SPORT1.de analysiert "Kretzsche" wöchentlich in seiner Kolumne das Handball-Geschehen.

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