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Stefan Kretzschmar macht das überraschende WM-Aus der deutschen Handballer nicht an den Schiris fest
Stefan Kretzschmar macht das überraschende WM-Aus der deutschen Handballer nicht an den Schiris fest © SPORT1 / Imago

SPORT1-Experte Stefan Kretzschmar analysiert das unerwartete Aus der Bad Boys im WM-Achtelfinale, die Entscheidungen der Schiris und die von Bundestrainer Sigurdsson.

Hallo Handball-Fans,

ich bin sprachlos und schockiert. Ich habe ein Aus der Bad Boys im Achtelfinale nicht für möglich gehalten gegen Kataris, die ohne Zarko Markovic angetreten sind und eine schlappe Vorrunde hingelegt haben.

Doch man muss ihren Sieg respektieren. Sie haben eine sehr homogene, bewegliche und körperlich starke Abwehr hingestellt. Letztlich waren zwei Spieler herausragend: Danijel Saric im Tor und Rafael Capote im Angriff. Sie haben uns kaputt gemacht.

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Die Schiedsrichter haben leider ihren Teil dazu beigetragen. Die dritte Zwei-Minuten-Strafe für Patrick Wiencek, der uns danach hinten und vorne gefehlt hat, war fragwürdig. Und kurz vor Schluss gab es einen fatalen Pfiff: Nach Foul an Holger Glandorf hätten die Schiris ganz klar eine Zwei-Minuten-Strafe aussprechen müssen, anschließend verwehren sie auch den fälligen Siebenmeter für Paul Drux und pfeifen stattdessen Stürmerfoul. Kriegen wir den Strafwurf, gewinnen wir wahrscheinlich das Spiel.

Aber: Daran möchte ich es nicht festmachen. Auch das ist Handball, dass Schiedsrichter knappe Spiele mitentscheiden. Im Nachhinein bringt es meiner Meinung nach überhaupt nichts, einzig und allein auf die Schiedsrichter zu schimpfen.

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Wir haben das Spiel nicht durch Beschiss verloren. Wir standen im Angriff teilweise vor Rätseln, die wir nicht lösen konnten. Zudem hat die Durchschlagskraft gefehlt. Und wir haben die Überzahlphasen nicht gut genutzt.

Für die vielen technischen Fehler gibt es keine Erklärung. Da kann man nicht sagen, die Zuschauer, Schiedsrichter oder die Halle sind schuld. Teilweise wurde der Pass zum Kreis zu früh gespielt, die Kataris haben den Ball dann abgefangen. Unsere Laufwege, unser flüssiges Spiel, was uns auszeichnet, kam überhaupt nicht zu Stande.

Es gab bei diesem Turnier keine Mannschaft, die wir nicht hätten schlagen können. Aber andererseits können wir halt an einem schlechten Tag gegen jedes Achtelfinal-Team auch verlieren. Wir haben einfach unsere Tugenden nicht ausgespielt. Wir hatten einfach einen schlechten Tag zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt.

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An den Personalentscheidungen von Trainer Dagur Sigurdsson gibt es nichts zu deuteln. Ich finde es jedoch wahnsinnig bitter für Rune Dahmke. Aber wenn's um den Titel geht und Probleme in der Abwehr erkennbar sind, kann man die Nachnominierung von Hendrik Pekeler völlig nachvollziehen.

Dass Glandorf kam, war von Anfang an klar, angesichts des Fehlens von Steffen Weinhold und Fabian Wiede. Ich finde es großartig, dass er generell die Bereitschaft hat, in der Nationalmannschaft zu helfen. 

Trotz des K.o. geht Sigurdsson als Europameister und Bronzemedaillengewinner bei Olympischen Spielen. So enttäuscht und konsterniert wie wir jetzt alle sind, müssen wir ihm doch die die Lorbeeren lassen und anerkennen, was er geleistet hat. Ich glaube, das Vermächtnis, das er hinterlässt, ist kein Schlechtes.

Euer Kretzsche

Stefan Kretzschmar, 43, ist seit 2009 als Experte und Co-Kommentator das Handball-Gesicht von SPORT1. Der neben Heiner Brand wohl bekannteste deutsche Handballer hat in 218 Länderspielen 817 Tore für den DHB erzielt, gewann unter anderem Olympia-Silber in Athen 2004. In der Bundesliga war der ehemalige Weltklasse-Linksaußen für den SC Dynamo Berlin, Blau-Weiß Spandau, den VfL Gummersbach und zuletzt den SC Magdeburg aktiv, mit dem er 2002 die Champions League gewann. Bei SPORT1.de analysiert "Kretzsche" wöchentlich in seiner Kolumne das Handball-Geschehen.

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