In ihrer Kolumne bei SPORT1 bewertet Rekordnationalspielerin Natascha Keller das deutsche Abschneiden bei der Hockey Champions Trophy.

Liebe Hockey-Freunde,

Platz sieben bei der Hockey Champions Trophy ist natürlich nicht das Ergebnis, dass man sich im Vorfeld gewünscht hatte. Man darf allerdings nicht nur auf die Platzierung schauen, sondern muss jedes Spiel einzeln betrachten.

Noch sind die deutschen Hockey-Damen nicht wettkampfstabil und die Leistungen schwanken zu oft. Es war aber schön zu sehen, dass das Team phasenweise sehr gut mitgespielt hat.

Sie hat gegen die Weltklasse-Gegner Argentinien und Niederlande ihre besten Spiele gezeigt. Mit etwas Glück hätte die Mannschaft das erste Spiel gegen Argentinien gewinnen können und das Turnier wäre womöglich anders verlaufen. Im Vergleich zur WM hat sich das Team steigern können und man konnte sehen, in welchen Punkten man sich noch verbessern muss.

Man sollte jetzt daher auf keinen Fall schwarz malen, weil wieder nur ein siebter Platz herausgekommen ist. Die Ergebnisse zeigen, dass die Mannschaft nah dran ist und man war im direkten Duell sogar auf Augenhöhe mit Argentinien und der Niederlande.

Im Moment fehlt es einfach noch an Kleinigkeiten, die auf diesem Niveau sofort bestraft werden. Der Bundestrainer wird das Turnier jetzt aber genau analysieren und seine Schlüsse daraus ziehen.

Seine Entscheidung so vielen jungen Spielerinnen das Vertrauen zu schenken, finde ich absolut richtig. Es war der ideale Zeitpunkt für die Spielerinnen, bei so einem großen Turnier Erfahrung zu sammeln. Das wird ihnen bei der entscheidenden Olympia-Qualifikation im nächsten Jahr helfen.

Bis dahin wird es noch viele Lehrgangstage und Länderspiele geben, bei denen sich die Mannschaft finden kann, die nächstes Jahr um das Olympia-Ticket kämpft.

Ich bin sehr zuversichtlich, dass das klappt, denn die Spiele haben gezeigt, dass die Mannschaft nach wie vor zur Weltspitze gehört. Auch wenn die Konstanz noch fehlt, hat man hat bei der Champions Trophy gesehen, dass das Potenzial da ist.

Es ist noch genug Zeit, um das Team bis zu den Olympischen Spielen in Rio wieder ganz nach oben zu bringen.

Eure Natascha Keller

Natascha Keller, 37, wurde 2004 in Athen Olympiasiegerin und ist mit 425 Länderspielen Rekordnationalspielerin des Deutschen Hockey-Bundes. Sie stammt aus der Hockeyfamilie schlechthin: Ihr Großvater Erwin Keller gewann 1936 in Berlin olympisches Silber, Vater Carsten wurde 1972 in München Olympiasieger - genauso wie ihre Brüder Andreas (1992 in Barcelona) und Florian (2008 in Peking). Bei der Eröffnungsfeier der Olympische Spiele 2012 in London trug Natascha Keller für Deutschland die Fahne. Im Sommer danach beendete die Welthockeyspielerin von 1999 ihre aktive Karriere. Bei den Weltmeisterschaften in Den Haag kommentierte sie an der Seite von Hans-Joachim Wolff die Spiele der deutschen Damen.

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