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DHB-Herren-Hockey Champions Trophy
Nach einem 2:0-Sieg gegen England steht Deutschland im Halbfinale © Getty

SPORT1-Kolumnist Philipp Crone sieht beim DHB-Team eine klare Leistungssteigerung. Kapitän Fürste ist der entscheidende Faktor.

Liebe Hockey-Freunde,

Die Deutschen Hockey-Herren haben bislang nicht gut gespielt bei dieser Champions Trophy (Halbfinale gegen Australien - Sa., ab 12.45 Uhr LIVE im TV auf SPORT1).

In letzter Sekunde 1:0 gegen Indien, dann vermeintlich und vom Ergebnis her klare Niederlagen gegen Holland und Argentinien.

Bei einem solchen Turnierverlauf könnte man sofort über die schwierigen Rahmenbedingungen dieses Turniers für Deutschland sprechen: Mitten aus der Hallensaison kommend, ohne Vorbereitung, ein anderes Klima und dazu eine Handvoll Neulinge im Team.

Das macht Markus Weise aber nicht.

Er war stattdessen nach dem letzten Gruppenspiel sehr unzufrieden. Denn zum einen sind die Bedingungen für alle europäischen Mannschaften schwierig, aber vor allem hat die Mannschaft nicht deshalb verloren, weil sie schlechter war. Sie hat - mal wieder - ihre Chancen nicht genutzt, wie das schon bei der WM im Sommer der Fall war.

Bis zum Donnerstag.

Bis zum Spiel gegen England, dem Spitzenreiter aus der anderen Gruppe.

Bis zu diesem Zeitpunkt hatten die Deutschen keine Strafecke verwandelt, diesmal trifft Moritz Fürste zum 1:0.

Bis zu diesem Spiel haben die Deutschen in der Defensive immer wieder Fehler gemacht, die vermeidbar waren, die also nicht durch wirklich gut herausgespielte Aktionen des Gegners erzwungen wurden. Die Engländer hingegen kamen kaum zu richtigen Chancen, abgesehen von der offensiven Schlussphase nach dem Rückstand.

Und während die Offensivspieler in den Spielen bislang noch durch eher undurchdachte Dribblings im gegnerischen Viertel aufgefallen waren, gab es gegen England einige sehr schlau gespielte Passkombinationen, an deren Ende ein Spieler im Schusskreis den Ball bekam ? wie auch zum 2:0 kurz vor Schluss von Christopher Rühr.

Video

Fürste als Innenverteidiger, Fürste mit einem Entlastungsdribbling, Fürste als Torschütze, Fürste als fast unbezwungener Zweikampfsieger in der Abwehr.

An der Person des erfahrenen Kapitäns wird sichtbar, was der Mannschaft bislang fehlt: Führungsspieler, die auch eine für Führungsspieler angemessene Leistung bringen. Das war bei der WM, bei der Fürste verletzt nicht dabei war, anders.

Nach der starken Leistung im Viertelfinale kann die Champions Trophy aber wirklich zu einem sehr interessanten Vorbereitungsturnier auf das Jahr 2015 werden, in dem sich Deutschland für Olympia qualifizieren muss. (Das Halbfinale gegen Australien - Sa., ab 12.45 Uhr LIVE im TV auf SPORT1)

Neben den Leistungsträgern wachsen die Neulinge, das hat man schon in den 60 Minuten gegen England gesehen.

Je nachdem, wie schnell sie sich weiter an das Niveau einer Champions Trophy gewöhnen und wie schnell sie ihre Fehler minimieren, können die Deutschen die Trophy am Ende auch durchaus gewinnen.

Euer Philipp Crone

Philipp Crone, 37, ist Weltmeister von 2002 sowie 2006 und gewann 2004 in Athen die olympische Bronzemedaille. Mit 349 Länderspielen war er bis 2012 Rekordnationalspieler. 2007 beendete Philipp Crone seine aktive Karriere. Bei den Weltmeisterschaften in Den Haag begleitet er an der Seite von Holger Pfandt die Übertragung der Spiele der Herren. Das Duo Pfandt/Crone war auf SPORT1 bereits bei den Übertragungen der Hockey World League im Januar zu hören.

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