SPORT1-Experte Philipp Crone zieht nach dem Titel bei der Champions Trophy seinen Hut und adelt Rückkehrer Moritz Fürste.

Liebe Hockey-Freunde,

Dass die deutsche Hockey-Nationalmannschaft die Champions Trophygewonnen hat, ist ein Zeichen nach außen und nach innen. Nach innen, dass ein solcher Erfolg auch mit einer jungen Mannschaft mit unerfahrenen Spielern gelingen kann.

Da hat jeder von ihnen eine gute Visitenkarte abgegeben. Und alle, die nicht dabei waren, müssen sich jetzt ranhalten. Denn darum geht es ja: Dass man eine große Breite und damit eine große Konkurrenz hat und am Ende einen sehr guten Kader. Dann ist man meistens auch erfolgreich. Insofern ist der Sieg bei der Champions Trophy natürlich super.

Nach außen muss man sich immer wieder Respekt erarbeiten und diesen aufrechterhalten, dass der Gegner weiß: Wenn die einen guten Tag haben, dann schlagen wir sie nicht, so wie das seit Jahren der Fall ist.

Und dass die Deutschen mehr oder weniger ohne Vorbereitung zur Champions Trophy fahren, mit einer jungen Mannschaft, und die Trophäe mitnehmen, das ist einfach wunderbar.

Der Modus, den ich für unsinnig halte - aufgrund dessen, dass alle vier Mannschaften weiterkommen, quasi drei Freundschaftsspiele am Anfang und dann gibt's ein Viertelfinale -, war in dem Fall für die Deutschen optimal, weil sie sich drei Spiele lang akklimatisieren und einspielen konnten.

Man hat das auch an dem ein oder anderen jungen Spieler gesehen, der am Anfang erst einmal überfordert von Tempo und anderem war, was normal ist, und dann am Ende im Finale schon ein fast routinierte Partie gemacht hat.

Da sieht man, dass gute Spieler nicht nur technisch-taktisch gut geschult und physisch gut trainiert sind, sondern auch in der Lage sein müssen, sehr schnell zu lernen.

Bei jedem "normalen" Turniermodus wäre Deutschland allerdings nicht mit der Trophy nach Hause gefahren, sondern nach der Vorrunde ausgeschieden, als Letzter. Das ist schon kurios. Was Markus Weise ausgezeichnet: Er kann eine Gruppe in eine Dynamik versetzen und sie dazu zu bringen, das, was es für Erfolg braucht, im richtigen Moment abzurufen.

Wenn man im letzten Gruppenspiel gegen Argentinien gewinnen muss, um weiterzukommen, kann ich mir vorstellen, dass man anders auftritt als wenn es wie in diesem Fall nicht um das Weiterkommen geht. Bei Argentinien und allen anderen Mannschaften ist es so, dass sie gegen uns als Olympiasieger spielen und immer voll motiviert sind.

Dass Moritz Fürste Spieler des Turniers wird, war zu erwarten. Die Mannschaft, die das Turnier gewann, war eine unerfahrene und man brauchte sich nur zehn Minuten irgendeines Spiels anzuschauen, davon war er dann acht Minuten im Bild. Er leitet und lenkt das Spiel, und dann hat er im Viertelfinale durch die Ecke zum 1:0 auch noch ein entscheidendes Tor gemacht.

Dieses Tor war der Knackpunkt im Turnier, danach hatten die Deutschen mehr Selbstvertrauen. Das 2:0, das das Finale entscheidet, war ein langer Schlenzball von ihm. Also er ist ? mal wieder - eine entscheidende Figur in der Mannschaft, die das Turnier gewonnen hat.

Jetzt geht es zurück und die Jungs spielen wieder in der Halle. Und dann steht Anfang Februar die Hallenweltmeisterschaft an. Das ist für zwei Monate wieder eine andere Sportart. Von daher wirkt sich der Erfolg eher mental als taktisch-technisch aus.

Aber es ist natürlich eine ganz andere Ausgangssituation, auch für die Olympia-Qualifikation, als wenn die Deutschen als Fünfter nach Hause gefahren wären. Für einen jungen Spieler, der dabei ist und sieht, dass er mithalten kann und wir gewinnen sogar ? mehr kann man sich nicht wünschen.

Euer Philipp Crone

Philipp Crone, 37, ist Weltmeister von 2002 sowie 2006 und gewann 2004 in Athen die olympische Bronzemedaille. Mit 349 Länderspielen war er bis 2012 Rekordnationalspieler. 2007 beendete Philipp Crone seine aktive Karriere. Bei den Weltmeisterschaften in Den Haag begleitet er an der Seite von Holger Pfandt die Übertragung der Spiele der Herren. Das Duo Pfandt/Crone war auf SPORT1 bereits bei den Übertragungen der Hockey World League im Januar zu hören. 

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