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Neymar (l.) ist neuer Kapitän Brasiliens. © Getty Images

München und Miami - Brasiliens Nationalteam steht vor einem Neubeginn. Carlos Dunga soll beim Wiederaufbau der Selecao helfen - schon wieder.

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Von Martina Farmbauer

Gleich zum Start der erhofften neuen Ära wird Brasiliens Nationalteam mit der Vergangenheit konfrontiert.

Die Selecao spielt in Miami gegen Kolumbien (Sa., ab 3 Uhr LIVESCORES) . Richtig, jenen Gegner im WM-Viertelfinale, der Superstar Neymar den K.o. fürs Halbfinale versetzte. Juan Zuniga trat dem Edeltechniker brachial in den Rücken.

Inzwischen ist der Profi des FC Barcelona wieder gesund. Er trifft so seinen Alptraum auf dem Spielfeld wieder und das als neuer Kapitän der Selecao.

Dunga begründet Neymar-Wahl

"Es ist eine Auszeichnung für ihn, und er wird ruhig mit ihr umgehen. Ich bin sehr zufrieden mit meiner Wahl", sagte Nationaltrainer Dunga:

"Neymar liebt Herausforderungen, und er liebt es zu gewinnen. Das sind zwei Grundvoraussetzungen für das Kapitänsamt." Warum er nicht mehr auf Abwehrchef Thiago Silva als Spielführer setzt, teilte Dunga nicht mit.

Dunga startet seine zweite Amtszeit als Brasiliens Trainer dort, wo er auch als Spieler in die Selecao zurückkehrte.

Am 6. Juni 1993 bekam er in den Vereinigten Staaten den Platz wieder, den er drei Jahre zuvor in Italien verloren hatte. Ein Jahr nach seiner Rückkehr stemmte Dunga als Kapitän Brasiliens - ebenfalls in den USA - den WM-Pokal in die Höhe.

Mauro Silva, der damals mit Dunga zusammenspielte, sagt: "Das war die Auferstehung des brasilianischen Fußballs."

Der Gechasste soll es richten

Einer solcher Auferstehung bedarf es auch jetzt. Nach dem 1:7 gegen Deutschland im WM-Halbfinale im eigenen Land, dem schlechtesten Resultat in der 100-jährigen Geschichte des Brasilianischen Fußballverbandes (CBF).

Und wieder soll es Carlos Dunga richten, der 1990 schon als Spieler sowie 2010 als Trainer der Selecao geschasst worden war.

Für die ersten Tests gegen Kolumbien in Miami und gegen Ecuador in New Jersey am Dienstag nominierte er elf Spieler aus dem WM-Aufgebot. Zwar verzichtet er dabei auf Bayerns Verteidiger Dante, dafür gehört der 33 Jahre alte Maicon zum Kader.

Denn Dunga setzt auf eine Mischung aus Jung und Alt. "Miroslav Klose ist für mich das beste Beispiel", sagte er bei SPORT1 über den 36 Jahre alten deutschen Ex-Nationalstürmer: "Man kann keinen Spieler wegen seines Alters ausschließen."

Spagat zwischen Neubeginn und Ergebnisdruck

David Luiz, Maicon, der Wolfsburger Luiz Gustavo und Neymar sollen Rafael Cabral, Gil, Everton Ribeiro und Ricardo Goulart führen. Sechs Spieler aus der brasilianischen Liga sind ebenfalls dabei - drei davon Gil, Ribeiro und Goulart sogar zum ersten Mal.

Von dem ursprünglichen Plan der CBF, eine Quote für bis zu acht Spieler zu schaffen, die 2016 im geeigneten Alter für die Olympiamannschaft 2016 sind, ist Dunga derweil wieder abgekommen. "Unsere größte Idee ist, eine Mannschaft für die Olympischen Spiele und die WM-Qualifikation vorzubereiten", hatte er bei seiner Vorstellung gesagt.

Dennoch ist Marquinhos, wie Luiz und der verletzte Kapitän Thiago Silva, nun der einzige U21-Spieler im Kader. Es ist zwar nötig, die brasilianische Nationalmannschaft zu erneuern. Aber in erster Linie braucht Dunga möglichst schnell ein Team, das bei der Copa America bestehen und sich für die Weltmeisterschaft in Russland 2018 qualifizieren kann.

Deutschland als Vorbild

Die Copa America findet in zehn Monaten in Chile statt, die Eliminatorias beginnen in einem Jahr. Deshalb möchte Dunga die jungen Spieler Schritt für Schritt einbauen. Für den Mann, der zwei Jahre beim VfB Stuttgart gespielt hat, ist das DFB-Team sein Referenzpunkt.

"Deutschland hat eine Generation mit super Spielern entdeckt, wie es sie auch schon in der Vergangenheit gegeben hat und zu der einige erfahrene Akteure hinzukamen", sagte Dunga auf SPORT1-Nachfrage.

"Deutschland hat sich die Zeit genommen, Planungsarbeit zu machen."

Und auch bei der Taktik lässt er sich vom amtierenden Weltmeister inspirieren. Eine seiner größten Herausforderungen ist der Sturm. Dunga lässt seine Mannschaften gerne mit einem klassischen Stürmer spielen.

Jedenfalls stellte er so auf, als er die Selecao von 2006 bis 2010 betreute wie auch bei seiner Tätigkeit als Coach des SC Internacional Porto Alegre 2012 und 2013.

Wie Müller und Özil

Doch er muss seinen Fußball nun taktisch überdenken. Denn Stürmer wie Bebeto, Romario oder Ronaldo fehlen derzeit.

"Wir haben die Möglichkeit, mit einer echten Neun zu spielen, ohne echte Neun, mit Angreifern auf den Außenbahnen", sagt Dunga.

So hat er zunächst acht Spieler benannt, die zwischen Mittelfeld und Sturm agieren können. Ribeiro und Goulart, das Doppel von Cruzeiro Belo Horizonte, erinnert dabei stark an die deutsche Kombination Mesut Özil und Thomas Müller.

Und nachdem sich Hulk (Zenit St. Petersburg) noch nach der Nominierung verletzt hat, hat Carlos Dunga Robinho zurückgeholt, der mit Neymar ein halbes Jahr beim FC Santos zusammenspielte. Der Santos-Angriff markierte in jener Zeit immerhin 100 Tore.

Das klingt recht aussichtsreich für die erhoffte Auferstehung.

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