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Stürmer Kevin Kuranyi (r.) spielte von 1997 bis 2001 für den VfB Stuttgart. © Imago

München und Moskau - Im SPORT1-Interview spricht Kevin Kuranyi über eine mögliche Rückkehr zum VfB, Alternativen und zieht Vergleiche zu Klose.

Kevin Kuranyi hat ihn nie verloren.

Den Torinstinkt. Die Kaltschnäuzigkeit. Die Vorahnung für den richtigen Moment vor dem Tor. Für Dynamo Moskau hat der frühere Nationalspieler in etwas mehr als 100 Ligaspielen 44 Tore erzielt. Er hatte zuletzt maßgeblichen Anteil daran, dass die Russen in die Europa League einzogen.

Doch Kuranyi, 32, hat mittlerweile ein Alter erreicht, in dem sich viele Fußballprofis noch einmal zu einem letzten Karriereschritt entschließen.

Heimweh nach Stuttgart

Nie ließ der gebürtige Brasilianer einen Zweifel daran, dass er sich nach der Karriere in seiner Heimat Stuttgart niederlassen möchte. Dort lebt seine Familie. Und Kuranyi gilt als Familienmensch.

Nicht erstaunlich ist also, dass vor wenigen Wochen von angeblichen Gesprächen des VfB mit ihm über eine Rückkehr nach Stuttgart zu lesen war.

Doch was ist dran an den Gerüchten? Wo sieht er seine Zukunft?

Im SPORT1-Interview spricht Kuranyi über etwaige Wechselgedanken zum VfB Stuttgart, Alternativen und zieht Vergleiche zu Miroslav Klose.

SPORT1: Herr Kuranyi, was fehlt Ihnen, wenn Sie an Ihre Heimat, an Stuttgart denken?

Kevin Kuranyi: Meine Familie und meine Freunde - und ein frisches Bauernbrot.

SPORT1: Es heißt, Sie liebäugeln mit einer Rückkehr zum VfB. Vielleicht schon im Winter. Spätestens zur kommenden Saison. Was ist dran?

Kuranyi: Ich habe lediglich zwei Dinge gesagt. Und die sage ich schon, seit ich in Moskau bin. Dass ich es mir vorstellen kann, noch einmal in der Bundesliga zu spielen und dass Stuttgart für meine Familie und mich die Heimat ist und wir uns auch nach meiner Karriere dort niederlassen.

SPORT1: Es heißt aber auch, Sie würden auf viel Geld verzichten, um dem VfB entgegenzukommen. Was können Sie dazu sagen?

Kuranyi: Das soll nicht unhöflich klingen. Aber dazu kann ich gar nichts sagen. Weil es kein Thema ist derzeit. Um eines mal klarzustellen: Ich fühle mich bei Dinamo Moskau sehr wohl.

SPORT1: Präsident Bernd Wahler sprach von Gesprächen mit Ihnen. Wann haben diese stattgefunden und wie konkret waren sie?

Kuranyi: Ganz davon abgesehen, ob es so ein Gespräch gab oder nicht. So etwas würde ich nicht nach draußen tragen. Sorry.

SPORT1: Sportvorstand Fredi Bobic baut auf Jungs wie Timo Werner, Antonio Rüdiger oder Robin Yalcin. Die Stadt träumt von der Rückkehr der "jungen Wilden". Einer Generation, die sie mitgeprägt haben. Sie könnten nun in anderer Rolle, der als erfahrener Spieler, vorangehen - ein Anreiz?

Kuranyi: Sie sind wirklich hartnäckig. Und ich verstehe das natürlich auch. Aber sie müssen verstehen, dass ich zu dem Thema wirklich nichts beisteuern kann. Ich bin Spieler von Dynamo Moskau. Ich habe mich noch nicht entschieden, wie es in der kommenden Saison weitergeht und deshalb wäre es sowohl gegenüber meinem Verein als auch gegenüber dem VfB ziemlich respektlos, sich dazu zu äußern. Da bitte ich um Verständnis.

Kuranyi zog sich Anfang des Monats eine Rippenprellung zu:

SPORT1: In Stuttgart gab es in der vergangenen Saison viele Misstöne, Fanproteste und zwei Trainerentlassungen. Wie beurteilen Sie die Entwicklung des Klubs und wohin geht der Weg der Schwaben?

Kuranyi: Der VfB hatte eine schwierige Saison. Aber nun fängt alles wieder bei null an. Mit einem neuen Trainer, neuen Spielern. Ich bin mir sicher, dass es wieder aufwärts geht.

SPORT1: Ihr Vertrag in Moskau läuft zum Ende der Saison aus. Gibt es für Sie überhaupt eine Alternative zu einer Rückkehr in die Bundesliga?

Kuranyi: Natürlich. Noch einmal in Deutschland spielen wäre sehr schön. Aber das ist natürlich nicht die einzige Option. Und zuallererst setze ich mich im Winter mit meinem Verein zusammen. Dann sehen wir weiter.

SPORT1: Welcher Klub käme außer Stuttgart in Frage? Anders gefragt: Wer hat sich früher und vielleicht auch jüngst um Sie bemüht?

Kuranyi: Das wird ein enges Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Real Madrid, dem FC Barcelona, dem FC Bayern und Manchester United. Im Ernst: Auch das kann ich doch hier nicht erzählen. Dann fragen sich doch alle Vereinsverantwortlichen, ob ich noch alle Tassen im Schrank hab. Vielleicht bin ich da etwas altmodisch, aber ich finde auch das gehört nicht in die Öffentlichkeit.

SPORT1: Verspüren Sie als Profi mit 32 nicht auch einen gewissen Druck, eine Rückkehr nach Deutschland zu forcieren?

Kuranyi: Nein. Warum auch?

SPORT1: Nun ja, Miroslav Klose, der vier Jahre älter ist, spricht gerne davon, dass er seinen Kadaver mit sich rumschleppt. Wie lange glauben Sie, können Sie noch auf höchstem Niveau Tore schießen?

Kuranyi: Ich fühle mich nicht schwächer als früher. Ich bin topfit, motiviert und gut drauf - und ich denke, das sieht man auch auf dem Platz. Ich traue mir jedenfalls noch einige Jahre auf hohem Niveau zu. Miro Klose ist da trotz seiner Aussage sicher ein positives Beispiel.

SPORT1: Über Ihren Job des Toreschießens wurde im vergangenen Jahr viel philosophiert. Falsche Neun oder klassischer Stoßstürmer - was ist Ihre Antwort auf dem Platz?

Kuranyi: Da habe ich eine ziemlich klare Meinung. Und ich fühle mich bestätigt, wenn selbst ein leidenschaftlicher Verfechter der falschen Neun wie Bayern-Trainer Pep Guardiola in der vergangenen Saison immer wieder auf Mario Mandzukic und Claudio Pizarro zurückgegriffen hat - und die beiden sehr oft noch den einen oder anderen Punkt gerettet haben.

SPORT1: Wo es auch mit Ihnen weitergeht: Auf was müssen sich die Verteidiger einstellen, wenn Sie sich dem Strafraum nähern?

Kuranyi: Dass es ein Gegentor gibt (grinst).

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