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Uli Stielike startete seine Trainerkarriere 1989 als Nationalcoach der Schweiz
Uli Stielike startete seine Trainerkarriere 1989 als Nationalcoach der Schweiz © Getty Images

München - Südkoreas neuer Nationaltrainer Uli Stielike spricht im SPORT1-Interview über seinen neuen Job und sein Image in Deutschland.

Uli Stielike startet in ein großes Abenteuer.

Der 59-Jährige hat bei Südkorea einen Vierjahresvertrag als Nationaltrainer unterschrieben und wird am Montag vorgestellt. Offiziell beginnt Stielike seine Arbeit am 1. Oktober.

Sein Auftrag: Die Qualifikation für die WM 2018 in Russland.

Vor seinem Abflug nach Asien sprach der Europameister von 1980 und Ex-Spieler von Real Madrid im SPORT1-Interview über seine neue Aufgabe und verrät, warum er über sein Image in Deutschland traurig ist.

SPORT1: Herr Stielike, Sie werden am Montagnachmittag als neuer Nationaltrainer Südkoreas vorgestellt. Wie kam es dazu?

Uli Stielike: Das ging alles ganz schnell. Von der ersten Kontaktaufnahme bis zur Zusage verging gerade mal eine Woche. Eine Managementagentur wusste offenbar, dass ich nach meinem Engagement bei Al-Arabi Doha in Katar auf dem Markt war und hat mich dem koreanischen Verband vorgeschlagen. Dienstag haben wir uns in London getroffen. Bei meiner Präsentation habe ich mich offenbar nicht so blöd angestellt (lacht). Für mich steht aber schon fest: Südkorea wird meine letzte Station als Trainer. Und die WM 2018 wäre ein schöner Abschluss.

SPORT1: Südkorea als großes Abenteuer?

Stielike: Absolut und ich bin sehr froh über diese Aufgabe. Es ist eine große Herausforderung für mich. Südkorea ist keine unbekannte Mannschaft. Man hat schon oft an einer Weltmeisterschaft teilgenommen. Nach mehrjähriger Tätigkeit als Klubtrainer nochmal Nationaltrainer zu werden, ist mit Sicherheit ein Highlight.

SPORT1: Südkorea hat bei der WM enttäuscht. Kommt da der Retter Stielike gerade recht?

Stielike: Die Ansprüche sind groß und ich glaube, dass man gewisse Hoffnungen in einen deutschen Trainer setzt, wenn man an die Erfolge der deutschen Nationalmannschaft denkt. Südkorea hat sicherlich keine optimale WM gespielt, was man vor allem in Drucksituationen gemerkt hat, wie gegen Algerien, als man unbedingt gewinnen musste. Das war zum damaligen Zeitpunkt für die Mannschaft eine zu große Aufgabe. Auf der anderen Seite war es aber auch die jüngste Mannschaft, die bei einer WM teilgenommen hat. Das aber ist auch eine gute Weichenstellung für die Zukunft.

SPORT1: Einer der Hoffnungsträger für die Zukunft Südkoreas ist Leverkusens Heung-Min Son. Welche Rolle spielt er in Ihren Planungen?

Stielike: Son hat sich bei einem Top-Verein wie Bayer Leverkusen durchgesetzt. Gerade Spieler wie er müssen jetzt nach und nach mehr Verantwortung übernehmen, wobei man nicht vergessen darf, dass er erst 22 Jahre alt ist. Das ist bei dem ganzen Hype um ihn ein bisschen untergegangen. Auch solche Spieler brauchen den einen oder anderen Spieler um sich herum.

SPORT1: Und Sie sollen die optimale Mischung finden?

Stielike: Genau. Unsere erste Aufgabe neben einigen Freundschaftsspielen steht dann im Januar mit dem Asian-Cup vor der Tür. Bis dahin gilt es, eine gute Mischung zu finden aus erfahrenen Jungs und einigen Jungen, die man schon bei der WM gesehen hat. Leicht wird das nicht.

SPORT1: Bis 2006 haben Sie für den DFB als Trainer gearbeitet. Warum hat man sie nie als Klubtrainer in Deutschland gesehen?

Stielike: Mich hat man in Deutschland 1977 als Fahnenflüchtigen gebrandmarkt, als ich als 22-Jähriger zu Real Madrid gegangen bin und dieses Image klebte immer an mir, auch in meiner aktiven Zeit. Ich war acht Jahre in Spanien und anschließend neun Jahre in der Schweiz, so dass mein Weg im Ausland vorgezeichnet war. Berti Vogts hatte mich als Trainer zum DFB geholt, acht Jahre war ich für den Nachwuchs zuständig. Dass es nach so vielen Jahren bei einem Verband nicht leicht ist, einen Verein zu finden, ist ja bekannt.

SPORT1: Würden Sie Deutschland nicht mehr als Ihre eigentliche Heimat bezeichnen?

Stielike: Doch schon. Ich bin ja dort geboren und habe mein Elternhaus dort. Meine Mutter und mein Bruder wohnen nach wie vor in meinem Geburtsort Ketsch, so dass ich da immer einen Anlaufpunkt habe. Aber Heimat war immer dort, wo ich mit meiner Familie gewohnt habe. Das ist ja die erste Anlaufstelle.

SPORT1: Sie haben gesagt, dass Sie nach der WM 2018 aufhören als Trainer. Warum?

Stielike: Ganz einfach, ich bin nicht der Typ, der sich mit 70 Jahren noch auf die Trainerbank setzt. Das auf gar keinen Fall. 2018 werde ich 64 und dann geht es auch darum, die paar Jahre, die man noch hat, ein bisschen zu genießen.

SPORT1: Was kann man von der deutschen Nationalmannschaft als Weltmeister in den kommenden Monaten erwarten?

Stielike: Das Spiel gegen Argentinien kam zum richtigen Zeitpunkt. Vielleicht tat die Niederlage sogar gut. Man hat gesehen, dass es kein Selbstläufer wird und dass man sich alles wieder selbst erarbeiten muss. Deutschland mit der jungen Mannschaft hat nach wie vor riesiges Potenzial, bei der nächsten EM und WM ganz vorne dabei zu sein.

SPORT1: Wo geht der Weg von Südkorea hin?

Stielike: Wir starten augenblicklich als Fünfter in der Rangliste der asiatischen Mannschaften und als 57. in der Rangliste der FIFA-Weltrangliste. Da gilt es zuerst, über die Asien-Meisterschaft Schritt für Schritt nach vorne zu kommen. Ich bin sehr motiviert, weil die südkoreanischen Spieler diszipliniert und willig sind. Dazu kommt ein großer Nationalstolz der Spieler, so dass man keine fadenscheinigen Absagen der Spieler für Länderspiele erhalten wird. Das ist eine sehr gute Basis, um dort erfolgreich zu arbeiten und etwas Gutes hinzubekommen.

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