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Lucas Scholl verlor mit dem FC Bayern die ersten beiden Spiele der Youth League

München - Die Youth League stößt seit ihrer Gründung auf Ablehnung. Die Talente der Topteams werden verheizt - so lautet die Kritik.

Von Francois Duchateau

München - Während die Profi-Vertreter der Bundesliga am ersten Spieltag der neuen Champions-League-Saison Ausrufezeichen gegen englische Teams setzten, ging Deutschland zum Auftakt der UEFA Youth League leer aus.

Die Jugendmannschaften von Bayern München (1:4 gegen Manchester City), Borussia Dortmund (0:2 gegen Arsenal) und FC Schalke 04 (1:4 beim FC Chelsea) starteten allesamt mit Niederlagen. Ebenso wie die Bayer-Profis unterlagen auch die Leverkusener Junioren in Monaco (1:3).

Für die Münchner setzte es auch am zweiten Spieltag eine Klatsche, das Vorrundenaus droht.

Glaubt man der UEFA, müsste sich Fußball-Deutschland nun Gedanken machen. Der europäische Fußballverband sieht in der Youth League schließlich die Stars von morgen.

Der Europapokal-Wettbewerb für junge Talente ist in seine zweite Spielzeit gestartet. Die "Liga der Weltmeister" schickt dieselben Teams ins Rennen. Das Fazit der Premierensaison fiel im Sommer unterschiedlich bei den deutschen Klubs aus.

Kritik vom BVB und Schalke

Während Bayer Leverkusen die prestigereichen Duelle gegen andere internationale Topteams als spannende Erfahrung für ihre Jugendteams positiv verbuchte, gab es Kritik von Schalke und dem BVB, denen vor allem die zunehmenden Schul-Fehlzeiten durch den unflexiblen UEFA Wettbewerb ein Dorn im Auge ist.

Vor allem die Gelsenkirchener konnten davon ein Lied singen, erreichten sie schließlich das Halbfinale, wo sie gegen den späteren Sieger FC Barcelona ausschieden.

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International gesehen, stehen die beiden Reviervereine ziemlich alleine mit ihrer Kritik da. Nicht nur in Spanien endet die Schulpflicht bereits vor dem 18. Lebensjahr und damit früher als in der Bundesrepublik.

Gut zwei Drittel aller 32 Teilnehmer der vergangenen Saison zeigten sich laut UEFA zufrieden über die kleine Königsklasse 2013/14. Dennoch polarisiert der Wettbewerb weiter. Die unflexiblen Anstoßzeiten, möglichst nah an den identischen Profi-Paarungen angesetzt, passen nicht jedem Verein.

Hoffenheim schaut zu

Zudem erntete die UEFA Kritik dafür, das Teilnehmerfeld nicht nach sportlichen Kriterien zu besetzen, sondern einzig auf die teilnehmenden Profiklubs zu schauen.

Die A-Jugend der TSG Hoffenheim sicherte sich im Juni die Deutsche Meisterschaft ? in der Youth League sucht man sie vergebens.

Die UEFA argumentiert, man wolle mit dem Wettbewerb die Top-Talente der Top-Klubs an die Welt der Stars heranführen. Gemeinsam reisen, gemeinsam speisen, voneinander lernen.

Imagefilm mit Ferguson

In einem Imagefilm des europäischen Spitzenverbandes schwärmen Legenden wie Sir Alex Ferguson oder Milan-Coach Filippo Inzaghi davon, dass die Entwicklung der Junioren durch das Kennenlernen fremder Spielkulturen in der UYL profitieren würde.

In der Realität findet dieses gepriesene Gemeinschaftsgefühl jedoch nicht immer statt.

Beispiel Leverkusen vor zwei Wochen. "Die U19-Mannschaft ist für das Dienstagsspiel am Montag aus logistischen Gründen nicht mit der Bundesliga-Mannschaft nach Nizza geflogen und hat dort einen normalen Ablauf samt Abschlusstraining am Montagabend bis zur Rückreise am Mittwochmittag absolviert. Dabei war natürlich der Besuch des Champions-League-Spiel der Bundesliga-Mannschaft am Dienstagabend ein Pflichttermin", erklärte der Verein auf SPORT1-Nachfrage.

Still und heimlich verkündete die UEFA nach dem ersten Spieltag von Champions- und Youth League in einer Homepage-Meldung die Reform der UYL für die kommende Saison 2015/16. Die Youth League in ihrer aktuellen Form war von vorneherein als zweijähriger Testballon angesetzt.

Neuer Modus sorgt für Verwunderung

Dass die UEFA mit ihrem neuen Modus jedoch den Wettbewerb noch weiter aufblasen würde, war nicht zu erwarten.

Statt 32 Teams starten ab dem kommenden Jahr 64 Mannschaften im U19-Wettbewerb. Damit ist die Junioren-Königsklasse doppelt so groß wie die der Erwachsenen.

Neben den 32 Vertretern der Profi-Teams, die weiterhin parallel zu den Senioren ihren Spielplan während der Gruppenphase abspulen, wurde ein zweiter Zweig eingeführt. Dort tummeln sich die 32 Meister der Topnationen, die in acht Gruppen gegeneinander gelost werden.

Sollte der nationale Titelträger bereits über die Qualifikation der Profi-Mannschaft im Turnier sein, rückt die nächststehende Nation im UEFA-Ranking nach.

Zwar gibt es deshalb nach der Gruppenphase eine K.o.-Runde mehr als bei den Profis, allerdings werden diese in einem Match - ohne Rückspiel - entschieden.

UEFA-Schirmherr schwärmt

"Mit der Eingliederung der nationalen Jugendmeister gewinnt der Wettbewerb weiter an sportlicher Qualität und die UEFA Youth League wird noch stärker präsent", schwärmt Schirmherr Michael van Praag. "Wir haben den Standard für den Wettbewerb sehr hoch angesetzt und verbessern ihn nun sogar noch weiter."

Durch die Möglichkeit, drei U20-Spieler nominieren zu dürfen, sollen "Spieler mit speziellen schulischen Pflichten mehr entlastet werden". Fraglich, ob dieses Modell wirklich für den gewünschten Effekt sorgt.

Denn nicht nur bei Pep Guardiola, Jürgen Klopp und Co. wird derzeit nämlich über die Belastungen der Spieler diskutiert, auch im Jugendbereich. Liga, Pokal, Europacup, Landesauswahl, Nationalmannschaft. Es ist eine reine Hatz.

Profipensum im Jugendalter

Schon bevor die Toptalente in den Seniorenbereich eindringen, haben sie bereits Profi-Pensum zu absolvieren.

Sogar mehr als das: Mitten in der Pubertät müssen sie obendrauf noch ihre schulische Laufbahn meistern und nachmittags Hausaufgaben machen.

Die neue Youth League wird zu einer neuen Belastungsprobe für die Stars von morgen.

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