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Rom und Florenz - Von Weltmeister Miroslav Klose wird bei Lazio eine neue Rolle verlangt. Präsident und Manager sprechen über den enormen Spagat.

Einst forderten die Fans von Lazio Rom "santo subito" ("sofort heilig"), wenn sie Miroslav Klose feierten.

Siegtorschütze im Derby 2012 gegen die Roma sowie bester Lazio-Torjäger 2011/2012 und 2012/2013.

Als Deutscher in Rom wird man von den Laziali - egal, ob Taxifahrer oder Barista - noch immer gleich auf "il grande Klose" ("den großen Klose") angesprochen. (DATENCENTER: Serie A)

Doch mittlerweile schwärmen sie in den römischen Bars, die sich mit dem Klubwimpel zur Societa Sportiva Lazio bekennen, von einem anderen Namen: Filip Djordjevic.

Hammerserie für Kloses Rivalen

Denn Kloses Rivale in Lazios Sturmspitze spielt wie entfesselt auf. Fünf Tore in den letzten drei Spielen, das ist schon mal ein Pfund.

Vor allem dank des Neuzugangs vom FC Nantes hat sich der Klub bis auf Platz 6 vorgearbeitet, dreimal in Serie gewonnen.

Auch gegen den FC Turin (So., ab 18 Uhr LIVESCORES) wird der 27-Jährige beginnen, Klose dürfte wie beim 2:0-Sieg in Florenz erstmal nur der Platz auf der Bank bleiben.

Der 36-Jährige ist Weltmeister, WM-Rekordtorjäger und wandelndes Denkmal bei Lazio. Garantierte Einsatzzeiten beschert das dem Altmeister nicht.

In Florenz kam er erst in der 88. Spielminute, Glanztaten sind da keine mehr möglich. Doch er freut sich für die Mannschaft, Beschwerden gibt es von ihm keine.

Profi durch und durch

Auch im Stadionbauch des AC Florenz wirkte Klose im Gespräch mit SPORT1 nicht so, als ob es in ihm rumoren würde.

In der Mittagshitze der Toskana hatte er sich auf seinen Einsatz vorbereitet, vor dem eigenen Anhang die Aufwärmübungen absolviert - immer mit Blick aufs Spielfeld.

Dass er mit 36 überhaupt noch dabei ist auf allerhöchstem Niveau, hat er ja diesem außergewöhnlichen Umgang mit seinem Körper zu verdanken.

Der 137-fache Nationalspieler ist Profi durch und durch. Auf dem Feld. Im Training. In der Regeneration.

In Florenz war die Rolle des Hauptdarstellers schon an Torschütze Djordjevic vergeben. Klose bleibt unaufgeregt.

Dafür hat er bereits zu viel erlebt im Fußball, andererseits zehrt der Ehrgeiz weiter an ihm, wie Lazio-Manager Igli Tare SPORT1 schildert.

Ehrgeiz bleibt

"Ich sehe ihn immer noch als sehr ehrgeizig gegenüber sich selbst", berichtet Tare. Kloses Wille zu weiteren Glanztaten lasse sich ebenfalls daran ablesen, dass der Vertrag auch auf Betreiben des Spielers um ein Jahr verlängert wurde - mit der Option auf ein weiteres.

"Bei ihm steht momentan im Vordergrund der Erfolg der Mannschaft und das, was er mit Lazio erreichen kann", gibt Tare eine Einschätzung ab und lobt, wie der Angreifer sich um das Innenleben des Lazio-Teams sorgt.

"Er hilft auf andere Art"

"Sein Wert hängt nicht nur dann, dass er spielt. Das weiß er auch, und das hat er auch sehr gern angenommen. Er hilft der Mannschaft auch auf einer anderen Art. Das sieht man daran, wie er auf die Mitspieler zugeht, ihnen viele Tipps gibt."

Die Bosse in Rom streicheln Klose, wann immer es geht.

"Keine Frage, Miroslav Klose ist der wichtigste Spieler dieser Mannschaft", sagt Tare bestimmt. Daraus klingt jede Menge Respekt.

Liga-Tor lässt auf sich warten

Allerdings hat der begnadete Stürmer in dieser Saison erst zwei Spiele für Lazio von Anfang gemacht, wurde dreimal eingewechselt. Liga-Tore? Null.

Dabei hatte Klose, der sich in seiner Freizeit gerne mal zum Angeln zurückzieht, noch vor Saisonstart erklärt, er wolle öfter treffen als im vergangen Jahr.

Sieben Mal war ihm das 2013/14 gelungen - in einer von Verletzungen und Blessuren überschatteten Spielzeit. Jetzt nach mehr Toren zu angeln, scheint schwierig, aber keineswegs ausweglos.

Oft genug ist er in seiner Karriere zurückgekommen - mit Toren und beeindruckender Kampfbereitschaft.

Lotito vertröstet Klose

"Wir müssen unsere Leistungen verbessern", hatte Klose noch vor dem ersten Spieltag wissen lassen. Lazio schloss die vergangene Serie als Neunter ab. Das soll nun besser werden.

Präsident Claudio Lotito setzt alles daran, dass seine Biancocelesti wieder Höhenluft schnuppern. Kloses aktuelle Joker-Rolle ordnete er im Gespräch mit SPORT1 gelassen ein.

"Klose ist ein Orientierungspunkt und dient als Beispiel für alle", sagte er. "Er wird wieder seine Einsätze bekommen, wenn der entsprechende Zeitpunkt kommt."

Lernen für die Zukunft

Aus seiner Sicht ist der Routinier sogar "fundamental", um Lazios Höhenflug weiteranzutreiben, "weil er die ganze Mannschaft und auch die jüngeren Spieler unterstützt".

Nach seiner Fußballerkarriere liebäugelt Klose damit, den Trainerschein zu machen.

Wie man dem Team von außen hilft, muss er im Moment notgedrungen lernen.

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