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Chuck Blazer (hinten) soll Joseph Blatter und die FIFA ausspioniert haben
Chuck Blazer (r.) war von 1996 bis 2013 Mitglied des FIFA-Exekutivkomitees

München - Ein korpulenter Spitzel, eine "Wanze" im Schlüsselanhänger und jede Menge Schmutz im Korruptionssumpf - die neusten Enthüllungen über den Fußball-Weltverband FIFA gleichen einem Agententhriller mit Blockbuster-Potenzial.

Dieser könnte allerdings zum Drama werden. Chuck Blazer, US-Amerikaner und Ex-Mitglied im FIFA-Exekutivkomitee, soll seine früheren Kollegen in der "Regierung des Weltfußballs" systematisch ausgehorcht haben, um seine eigene Haut vor der Steuerfahndung und dem FBI zu retten.

Was da so ausgeplaudert wurde, dürfte für die US-Bundespolizei höchst spannend gewesen sein.

Spionage während der Olympischen Spiele

Die US-Zeitung "New York Daily News" berichtete von Spionageakten während der Olympischen Spiele 2012 in London.

Mit Blazer, dem früheren Generalsekretär des Kontinentalverbandes für Nord- und Mittelamerika sowie der Karibik (CONCACAF), am Tisch gesessen haben sollen unter anderem Vertreter der russischen und australischen WM-Bewerbung für 2018 (Russland gewann bei der Wahl 2010) sowie weitere FIFA-Granden.

Das FBI hörte mit, vielleicht wie in Hollywood aus einem Nebenraum. Insgesamt ging es wohl um 44 Funktionäre.

FBI-Interessen noch unklar

Die Hintergründe sind unklar. Darüber, warum das FBI in den engsten FIFA-Kreis wollte, kann bislang nur spekuliert werden. Das Interesse allein passt aber ins Bild des seit Jahren mit Korruptionsvorwürfen kämpfenden Weltverbandes.

Zudem werfen weitere Verstrickungen Fragen auf. Die US-Ermittlungsbehörde schleuste Blazer seit 2011 ein, bis 2013 saß er im Exko mit FIFA-Präsident Joseph S. Blatter. Die "Daily News" berichtet von einer angedrohten Klage wegen Steuerhinterziehung in Höhe von 29 Millionen Dollar.

Auf der anderen Seite ermittelte der frühere FBI-Direktor Louis Freeh quasi im Auftrag der FIFA gemeinsam mit der Ethikkommission im Zuge des Bestechungsskandals um Mohammed bin Hammam und Jack Warner.

Warner war bis zu seiner Suspendierung 2011 als CONCACAF-Präsident der Chef von Blazer. In der Karibik flossen Millionen Bestechungs-Dollar.

Hatte Garcia Kontakt zum FBI?

Ebenfalls nicht klar ist, ob und in welchem Umfang der US-Ermittler Michael J. Garcia bei seinen Ermittlungen als Chef der Ethikkommission des Weltverbandes zu den Umständen der Vergabe der WM-Turniere 2018 und 2022 (Katar) auf die Erkenntnisse des FBI zurückgreifen konnte.

Aufgrund seiner früheren Tätigkeit als Staatsanwalt werden dem US-Amerikaner hervorragende Kontakte zum FBI nachgesagt.

Der rund 350 Seiten umfassende Garcia-Bericht wird derzeit von der rechtsprechenden Kammer mit dem deutschen Richter Hans-Joachim Eckert (München) aufmerksam gelesen.

Glaubwürdigkeit der FIFA leidet weiter

Bis Mitte November will Eckert sich äußern. Viel mehr als eine Stellungnahme ist aber zunächst nicht zu erwarten, wegen einer sonst "äußerst schwierigen rechtlichen Situation". Nur um Zeugenschutz kann es dabei nicht gehen.

"Wenn einzelne Namen von Zeugen geschwärzt werden, weil diese sonst in ihren Heimatländern Probleme bekommen würden - damit kann man leben", sagte Sylvia Schenk, Sportbeauftragte bei der Anti-Korruptions-Organisation Transparency International.

"Es gibt keinen Grund, etwas geheim zu halten. Wenn die FIFA irgendwann einmal ihre Glaubwürdigkeit zurückgewinnen will, muss der Bericht veröffentlicht werden - ob das Hans-Joachim Eckert oder das FIFA-Exko macht, ist egal."

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