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München - Nach der Pleite gegen Mexiko steht Guus Hiddink mehr denn je unter Druck. Bayern-Star Arjen Robben reagiert gereizt.

Als das fehlende Vertrauen in den angezählten Guus Hiddink zur Sprache kam, wurde es Arjen Robben zu blöd.

"Ob ich noch hinter dem Bondscoach stehe? Was für eine dumme Frage?", sagte der ungehaltene Superstar und beendete das Interview im Anschluss an das 2:3 (0:1) der Niederländer am Mittwochabend gegen Mexiko (Bericht).

Dabei war die Frage an den Ersatzkapitän nach der neuerlichen Niederlage der Elftal mehr als angebracht. Schließlich erneuerte Hiddink seine Ankündigung, wonach er bei einer weiteren Pleite am Sonntag in der EM-Qualifikation gegen Lettland (18.00 Uhr) zurücktreten werde.

"Antwort bleibt die gleiche"

"Das war bei der Pressekonferenz am 7. November eine Frage. Meine Antwort bleibt die gleiche", äußerte der Trainer, dessen zweite Amtszeit schon nach 107 Tagen enden könnte.

Sogar bei einem Remis gegen die Balten wird der Nachfolger von Louis van Gaal sein Amt beim WM-Dritten wohl aufgeben. Dann wäre der 68-Jährige, der bereits vor drei Wochen zum Rapport beim Verband KNVB erscheinen musste, nicht mehr zu halten.

EM-Teilnahme in Gefahr

Selbst die prominenten Hiddink-Fürsprecher Johan Cruyff und Bert van Marwijk könnten dem Coach in dem Fall nicht mehr helfen. Zu desaströs ist die Bilanz Hiddinks. In fünf Partien unter dem Routinier kassierte Oranje vier Niederlagen, nur gegen Kasachstan gab es einen Sieg (3:1).

Die Teilnahme an der EM-Endrunde 2016 in Frankreich ist in Gefahr (DATENCENTER: Die EM-Qualifikation). Da nutzt es wenig, wenn sich Spieler wie Ibrahim Affelay in Schönfärberei üben. "Eine Krise bei Oranje? Die wird uns nur angedichtet", sagte der ehemaliger Schalker beim niederlänischen Ableger von "RTL".

Die Pleitenserie entbehrt nicht einer gewissen Ironie. Schließlich hatte Hiddink zu Beginn seiner ersten Amtszeit im Jahr 1995 ebenfalls vier seiner ersten fünf Begegnungen verloren - diesen Negativrekord hat der Coach nun eingestellt.

Aus Fehlern nicht gelernt

Die Tageszeitung "AD" hat deshalb bereits "Alarmstufe Rot" ausgerufen. Auch Hiddink musste eingestehen, dass seine Schützlinge in der Neuauflage des WM-Achtelfinals (2:1) gegen die Lateinamerikaner dieselben Fehler wie in den zurückliegenden Spielen gemacht haben.

Die Defensive war löchrig, die Offensive nicht durchschlagkräftig genug - diese Schwächen bekommt der Bondscoach nicht in den Griff.

"Auf so eine Art und Weise dürfen wir nicht drei Gegentore kassieren. Es war eine Reihe von Fehlern", sagte Hiddink: "Und wenn man sich sieben oder acht Chancen erarbeitet, muss man mindestens drei davon nutzen."

Robben: "Eine Sünde"

Robben sah es genauso. "Wir geben in der Verteidigung viel zu schnell die Positionen auf. Das ist eine Sünde. Wir haben dumme Fehler gemacht. Das darf nicht passieren", äußerte der Offensivstar von Bayern München: "Und vorne hätten wir noch einige Tore mehr machen müssen."

Danach richtete Robben einen eindringlichen Appell an seine Teamkollegen. "Am Sonntag müssen wir drei Punkte holen", sagte der 30-Jährige, der den angeschlagenen Robin van Persie als Spielführer vertreten hatte: "Unter dem Weihnachtsbaum müssen wir nachdenken. Wir machen immer dieselben Fehler. Wir müssen ehrlich und hart zu uns sein."

Hoffen auf van Persie

Gegen Lettland wird van Persie wohl auflaufen können. Gemeinsam mit Klaas-Jan Huntelaar von Schalke 04 soll er für die Tore sorgen - obwohl die beiden Stürmer weder auf dem Platz noch außerhalb gut miteinander können.

"Wir können beide gut Fußball spielen. Also muss es gehen", sagte Huntelaar, der gegen Mexiko zum ersten Mal seit über zwei Jahren in der Startelf stand und eine Großchance vergab: "Wir müssen dafür sorgen, dass wir gewinnen."

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