Hat Cristiano Ronaldo Lionel Messi mit einem sehr bösen Wort belegt? Wie war es gemeint? Die SPORT1-Ethikkommission ermittelt.

Man steht zunächst einmal ratlos vor dem schieren Ausmaß des Trauerspiels.

Vor all dem Aufwand der betrieben worden ist, um hinterher keinen Deut schlauer als zuvor zu sein.

Zig Zeugen weltweit sind von einer Ethikkommission befragt worden, hunderte Computer durchsucht, 200.000 Seiten Datenmaterial gesichtet und ausgewertet - und trotzdem ist weiterhin ungeklärt, ob Cristiano Ronaldo Lionel Messi nun "Motherfucker" genannt hat oder nicht.

Hat er, behauptet ein Buchautor, der im Umfeld von Real Madrid recherchiert hat. Hat er nicht, sagt der Weltfußballer und droht jedem, der anderes behauptet, mit Klage.

Der mit dem Fall beauftragte Münchener Richter Hans-Joachim Eckert sieht den Vorwurf in seinem 42-seitigen Urteil nicht belegt und lobt Ronaldo sogar als entschlossenen Reformer, der Mama Messi bei nächster Gelegenheit gewiss einen großen Strauß Blumen zum Muttertag schenken würde.

Trotzdem: Zweifel bleiben. Es steht Aussage gegen Aussage. Und einem wie Ronaldo traut man mittlerweile alles zu - selbst, dass er in einer Umkleidekabine unter halbnackten Fußballerkameraden unflätige Worte über Gegenspieler benutzt anstatt, wie er beteuert, dort stets seinen uneingeschränkten und professionellen Respekt für jeden einzelnen seiner Berufskollegen zu betonen, auch und ganz besonders für Messi.

Wobei, andererseits: Womöglich stimmt ja das eine wie das andere.

Wer sich einarbeitet in die Materie und die gängigen Nachschlagewerke studiert, stellt fest, dass "Motherfucker" längst nicht überall als Beleidigung gilt.

Ein gesundes Maß an Männlichkeit und künstlerischer Originalität sind in bestimmten Kreisen die Qualitäten, die man jemandem mit zuschreibt, den man so nennt.

"You?re a Motherfucker" rief Miles Davis einst einem Jazzmusikerkollegen für sein gelungenes Spiel zu. "Sexy" ist gar der Motherfucker, den der Künstler, der längst wieder als Prince bekannt ist, besingt.

Dem Schauspieler Samuel L. Jackson soll der konsequente Gebrauch des Wortes sogar über sein Stotterproblem hinweggeholfen haben.

171 Mal hat er es zu diesem Zweck in seiner Filmkarriere erwähnt, wie eine Zählung der amerikanischen Huffington Post ergab, am häufigsten natürlich im Film "Pulp Fiction", wo Jackson in einer besonders schönen Szene seinem Gegenüber mit vorgehaltener Pistole auffordert, seine Geldbörse aus seiner Tasche zu suchen - und auf Nachfrage, welche genau das sei, antwortet: Diejenige, auf der das Wort "Bad Motherfucker" prangt.

Gespielt wird Jacksons Gegenüber übrigens von Tim Roth, der in seinem aktuellen Werk den FIFA-Präsidenten Joseph S. Blatter verkörpert, der ja auch gerade Gegenstand von Ermittlungen wegen seines zwielichtigen Verhaltens in der Ronaldo-Messi-Affäre ist.

Schade eigentlich, dass all das in besagtem Film gar nicht vorkommt.

Man hätte Samuel L. Jackson dann wunderbar als Ethikkommissar besetzen können und dabei auch noch einmal sein wohl allerschönstes Pulp-Fiction-Zitat wieder aufleben lassen:

"Well, I'm a mushroom-cloud-layin' motherfucker, motherfucker! Every time my fingers touch brain, I'm Superfly T.N.T., I'm the Guns of the Navarone."

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