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Wien - Vor dem Test gegen Österreich denkt David Luiz immer noch an das desaströse WM-Halbfinale. Dabei will Brasilien den Neuanfang.

Aus Wien berichtet Martina Farmbauer

David Luiz ist einer der besten Innenverteidiger der Welt.

Umso schwerer hat ihn die desaströse Niederlage der Brasilianer im WM-Halbfinale gegen Deutschland getroffen.

1:7 in Belo Horizonte - der Brasilianer war in der schwersten Stunde des brasilianischen Fußballs dabei. Er denkt immer noch daran - auch vor dem Testspiel gegen Österreich (ab 18.45 Uhr im LIVE-TICKER).

Mittlerweile kann er darüber aber zumindest wieder ein bisschen scherzen. "Es ist gerade schon wieder ein Tor für Deutschland gefallen", sagt er plötzlich mitten im Gespräch mit SPORT1.

Insgesamt richtet Luiz den Blick nach vorne. Im SPORT1-Interview spricht er über den neuen Trainer Dunga und den Wunsch, seine Karriere in Portugal zu beenden.

SPORT1: Herr Luiz, was hat sich verändert, seitdem Sie zur Vorbereitung auf die Weltmeisterschaft in Teresopolis waren und sich im WM-Halbfinale die Niederlage gegen Deutschland ereignet hat?

David Luiz: Wir haben die Zeit genutzt, um zu reflektieren. Wunderbare Dinge sind bei der Weltmeisterschaft passiert, weniger schöne Dinge mit der Niederlage. Das ist jetzt eine neue Phase, und diese haben wir gut angefangen.

SPORT1: Eine neue Phase mit einem neuen Trainer.

Luiz: Wir lernen eine neue Philosophie mit Professor Dunga. Wir sind sehr glücklich, wieder in der Selecao zu sein, mit einer Gruppe Spieler, in der jeder jeden Tag lernen will, alle wollen wachsen. Und es ist natürlich super, mit fünf Siegen ohne Gegentor positiv anzufangen. Aber wir müssen mit beiden Füßen am Boden bleiben, viel arbeiten und von Spiel zu Spiel besser werden. Wir wollen auch für die Zukunft stark sein.

SPORT1: Worin besteht die neue Philosophie und wie macht sich darin der Einfluss der deutschen Schule Dungas bemerkbar? Man hat den Eindruck, das Training läuft konzentrierter ab und im Spiel läuft jeder noch mehr für den anderen als früher.

Luiz: Wir sind auch früher schon jeder für den anderen gelaufen. Es ist die Form des Führens, die Dunga hat. Das ist ein Teil seiner Persönlichkeit und er war über viele, viele Jahre Kapitän Brasiliens. Er ist ein Sieger. Er hat uns die Siegerstraße gezeigt, weil er sie kennt. Und vor allem kann er wieder aufstehen. Zwischen 1990 und 1994 hat er als Spieler ja auch das Blatt gewendet. Da hat er auf dem Platz gezeigt, wie man reagieren muss. Das vermittelt er uns jeden Tag. Die Art zu arbeiten, die Mentalität, die wir haben sollen. Wir sind damit sehr glücklich.

SPORT1: Hat er seine eigene Geschichte genutzt, um Ihnen zu helfen, auch irgendwie das Blatt zu wenden?

Luiz: Unsere Generation war zum Teil noch zu klein, um das alles mitzubekommen. Aber wir haben Videos gesehen und auf andere Art und Weise davon mitbekommen. Das ist Teil der Geschichte des Fußballs, die in unserem Land erzählt wird. Dunga muss das nicht benutzen, weil alle wissen, was passiert ist und wir würden das natürlich gerne wiederholen.

SPORT1: Für fünf Spiele ohne Gegentore kann nicht nur die Inennverteidigung verantwortlich sein, oder wie sehen Sie das?

Luiz: Jeder hat seine spezielle Aufgabe. Aber die Verteidigung beginnt mit dem ersten Angreifer und alle leisten ihren Beitrag. Wir sind elf Verteidiger. Und wenn der Ball schon abgeriegelt ist, ist es umso besser für uns. Aber es ist nicht so gut darüber zu sprechen, weil es ist gerade wieder ein Tor für Deutschland gefallen.

SPORT1: Sie scherzen. In Brasilien wird der Begriff "Tor für Deutschland" inzwischen für alles verwendet, was in dem Land schief läuft. Wie ist Ihrer Meinung nach derzeit das Prestige der Selecao? Bleibt Brasilien das Land des Fußballs?

Luiz: Der Respekt für Brasilien ist sehr groß. Was bei der Weltmeisterschaft passiert ist, ist Vergangenheit. Wir waren dabei, eine gute Weltmeisterschaft zu spielen und dann ist mit einem Spiel alles den Bach runtergegangen. Aber das Leben geht weiter. Wir müssen aufs Neue die Stärke Brasiliens zeigen. Also hoffen wir, dass wir mit diesen positiven Resultaten weitermachen.

SPORT1: Die türkischen Zuschauer haben Brasilien gefeiert. Hatten Sie so etwas schon einmal erlebt? Und wie ordnen Sie das ein?

Luiz: Das war toll. In einem Hexenkessel, der unserem Gegner zugute kommen soll, haben sich die Zuschauer am Ende der Arbeit gebeugt, die wir während des Spiels geleistet haben und uns applaudiert. Das ware ein sehr angenehmes Gefühl. Mir gefällt es auch, die Gegner anzuerkennen, wenn sie besser sind als wir. Das ist Teil des Lebens, der Menschlichkeit, der Erziehung. Die Türken haben das gezeigt. Und wir waren sehr glücklich, nicht nur wegen dem, was wir auf dem Platz gezeigt haben, sondern auch wegen der Reaktionen, die wir außerhalb dafür bekommen haben.

SPORT1: Apropos glücklich: Zuletzt hat es wieder Berichte gegeben, dass Sie Ihre Karriere bei Benfica Lissabon beenden wollen.

Luiz: Alle wissen von der Liebe, die ich für Benfica habe. Ich war glücklich in Portugal, also habe ich gesagt und wiederhole immer, dass ich meine Karriere bei Benfica beenden möchte. Es ist in meinem Herzen geblieben.

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