Wien - Mit seinem Tor gegen Österreich zeigt Hoffenheims Star Roberto Firmino, dass Brasiliens Nationalcoach Carlos Dunga zurecht auf ihn setzt.

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Von Martina Farmbauer

Zwei Minuten, nachdem Roberto Firmino in das Spiel gegen Österreich gekommen war, erzielte David Luiz das Führungstor für Brasilien.

Das passte zu dem gelungenen Debüt in der brasilianischen Nationalmannschaft, das der Mittelfeldspieler von 1899 Hoffenheim am vergangenen Mittwoch bereits beim 4:0 der Selecao in der Türkei gegeben hatte.

"Er hat gut gespielt, er hat sich gut bewegt", hatte ihn danach Nationaltrainer Carlos Dunga im Gespräch mit SPORT1 gelobt. "Es ist immer schwierig, wenn Du in Dein erstes Spiel kommst."

Beim 2:1 gegen Österreich machte Firmino seine Sache erneut gut, um nicht zu sagen sehr gut, ja sogar exzellent.

Entscheidender Treffer

Mit seinem Schuss aus 20 Metern in den rechten oberen Winkel erzielte er in der 83. Minute in seinem erst zweiten Spiel für Brasilien seinen ersten Treffer, ­ noch dazu einen entscheidenden.

"Ich habe in den Trainings gut gearbeitet und heute hatte ich das Glück, der Selecao zum Sieg verholfen zu haben", sagte er SPORT1

"Er hat 'cheiro de gol'", lobte Auswahlcoach Carlos Dunga, "Torriecher. Er sieht das Tor wie wenige andere."

Dunga, der, so ist von einer Veranstaltung des Brasilianischen Fußballverbandes (CBF) zu vernehmen, große Hoffnungen in den Hoffenheimer setzt, lobte diesen in der Pressekonferenz erneut.

Dazu sagte Firmino wiederum: "Ich fühle mich geehrt, diese Worte des Trainers zu hören. Und ich hoffe, meine Arbeit hier weiter fortsetzen zu können."

Die überwiegend brasilianischen Journalisten waren neugierig­gespannt darauf, wie Firmino seine Arbeit an diesem Abend in Wien fortsetzen und nach der Kür auf dem Rasen anschließend in der Pflicht den Medien begegnen würde.

Die Pflicht nach der Kür

Der 23-­Jährige aus Maceio, das berühmt ist für seine Strände, aber auch berühmt­berüchtigt dafür, eine der gefährlichsten Städte Brasiliens zu sein, gilt als zurückhaltend, fast wortkarg.

Sogar innerhalb des Brasilianischen Fußballverbandes, heißt es, sei man erstaunt darüber, wie ruhig Firmino ist. Diesmal kam er allerdings nicht darum herum - wobei es ihm die Freude, die er in der Mixed Zone direkt nach dem Spiel und später in der Lobby des Teamhotels ausstrahlte, leichter gemacht haben könnte -, sich den Fragen zu stellen.

"Parabens, herzlichen Glückwunsch! Glauben Sie, dass nach Ihrem Traum von der Selecao auch der Traum von der Champions League mit Hoffenheim wahr werden kann?", war eine der Fragen auf Portugiesisch.

"Das ist schwer zu sagen", antwortete Roberto Firmino. "Wir haben in der Meisterschaft gut angefangen und das ist auf jeden Fall ein Traum von uns. Aber wir werden Stufe für Stufe schauen, wie es weitergeht."

Bei aller Euphorie bremst der Zurückhaltende zusätzlich ein wenig, es sind bewegte Zeiten für ihn.

Außer seinem Debüt und seiner Siegtor im zweiten Spiel in der Selecao sowie dem Traum von der Champions League mit Hoffenheim ist da am Samstag die Partie gegen den FC Bayern in der Bundesliga.

Firmino meinte, dass er sich möglicherweise im bisher besten Moment seiner Karriere befinde.

"Schauen was herauskommt"

Da verwundert es nicht, dass halb Europa hinter Hoffenheims Mittelfeld-Ass her ist.

Liverpool, Inter und AC Mailand, Juventus Turin, Atletico Madrid, St. Petersburg, Lokomotive Moskau, Schalke, Wolfsburg, Manchester United, Chelsea und Dortmund waren zuletzt als Interessenten im Gespräch.

"Ich kann keine Namen zitieren", sagte Firmino. "Ich möchte die Saison beenden und schauen, was herauskommt. Und den Vertrag mit Hoffenheim erfüllen."

Sowohl Selecao­-Kollege Luiz Gustavo, der Hoffenheim gerade verließ als Roberto Firmino kam, als auch Nationaltrainer Carlos Dunga haben Firmino geraten, sich Zeit zu lassen.

"Die Nationalmannschaft braucht Geduld", sagte Gustavo SPORT1.

Am besten sei es, wenn er seine Arbeit mache, wie er sie immer mache, ruhig bleibe und auf den richtigen Moment warte, um seine Qualität zu zeigen, empfahl Gustavo.

Fünf Siege in Folge

"Es sind noch vier Jahre bis zur Weltmeisterschaft", sagte Dunga. "Er hat viele Möglichkeiten. Das geht nach und nach."

Manchmal kann es aber auch ganz schnell gehen.

Firmino zeigte gegen Österreich seine Qualität in einem Moment, in dem die Sieges-Serie der Selecao seit der Weltmeisterschaft zu Ende zu gehen drohte und nutzte seine Chance. Nachdem Aleksandar Dragovic David Luiz' Führung per Foulelfmeter ausgeglichen hatte.

Ob er glaube, dass er statt einem Schritt an diesem Abend einen Sprung gemacht habe, auch um für das nächste Spiel der brasilianischen Nationalmannschaft im März gegen Frankreich erneut nominiert zu werden?

"Klar, nach dem Siegtor. Ich bin sehr glücklich darüber", sagte Firmino, um dann bescheiden anzufügen: "Aber es wird auch darauf ankommen, wie es mir im Klub ergeht."

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