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TONI KROOS (Real Madrid): Bei den Königlichen schon nach wenigen Wochen gefeiert, von Trainer Carlo Ancelotti in den Himmel gelobt, wird bereits mit Klub-Ikone Zinedine Zidane verglichen. Glänzt konstant als Vorlagengeber, zuletzt auch erstmals als Torschütze. SPORT1-Fazit: WELTMEISTERLICH
Toni Kroos wechselte im Sommer vom FC Bayern zu Real Madrid © getty

München - Bei Real lässt Toni Kroos das weiße Ballett nach seinem Takt tanzen. Zum Jahresabschluss geht es gegen den AC Mailand.

Bei der Wahl des Weltfußballers am 12. Januar im Züricher Kongresshaus wird Toni Kroos nur Zuschauer sein. Für den 24-Jährigen bleibt kein Platz neben Cristiano Ronaldo, Lionel Messi und Manuel Neuer.

Schon bei der WM in Brasilien stand Kroos bei der Kür des besten Trios - Messi, Thomas Müller und Arjen Robben - außen vor.

Und doch ist es nicht vermessen, zu bilanzieren: Das Jahr 2014 war auch das Jahr des Toni Kroos. Das Jahr, in dem er zum wohl besten zentralen Mittelfeldspieler der Welt herangereift ist und das er mit Real Madrid in Dubai mit einem Testspiel gegen den AC Mailand (Di., ab 16.55 Uhr LIVE im TV auf SPORT1) abschließen wird.

Lange unterschätzt

Bei Real Madrid, wo Kroos seit dem Sommer spielt, haben sie seinen Wert schnell erkannt.

Mit den Königlichen holte er jüngst die Klub-WM, jenen Titel, den er mit dem FC Bayern bereits Ende 2013 gewann.

Es war inklusive des Triumphes in Rio de Janeiro also der dritte Weltmeistertitel innerhalb von 364 Tagen.

Die Sporttageszeitung "AS" adelte Kroos nach dem jüngsten Erfolg mit Real als "Kaiser".

Das ist durchaus eine Erwähnung wert. Denn dem Greifswalder haftete lange der Aufdruck des Unterschätzten an.

Beim FC Bayern waren sie nicht bereit, seinen Gehaltsforderungen nachzugeben und gaben ihn für verhältnismäßig günstige 25 Millionen Euro ab.

Bei der WM in Brasilien wurde vornehmlich über das Comeback von Sami Khedira, den unkaputtbaren Bastian Schweinsteiger und Neuers Liberospiel gesprochen - statistisch der beste Spieler war aber Kroos. Und Reals spanischer Erzrivale FC Barcelona ließ sich Kroos durch die Finger gleiten.

Offensiv wie defensiv verlässlich

Da darf sich Real königlich ins Fäustchen lachen.

Denn in Madrid waltet und schaltet Kroos nach Belieben.

Auch die Beinamen "Professor" und "Metronom" hat er schon verliehen bekommen. Weil er es so klug und vorzüglich versteht, den Takt im Mittelfeld vorzugeben. Verlässlich. Immerzu. Egal, ob eher offensiv ausgerichtet oder defensiver.

Bestwerte bei Klub-WM

Bei Real scheint Kroos noch einmal einen Quantensprung gemacht zu haben.

Elf Torvorlagen gab er in seinem ersten halben Jahr, inklusive des fein gezirkelten Eckballs im Endspiel der Klub-WM.

Seine Werte dort waren bezeichnend. Seine 119 Ballkontakte waren ebenso Höchstwert wie die 94 Prozent Passquote.

Verbesserung in der Balleroberung

Und Kroos kann es auch rustikal.

Im Schnitt 6,6 Bälle gewinnt er inzwischen pro Spiel zurück. In seiner Zeit in der Bundesliga waren es nur 2,5 Bälle.

Diese Eigenschaft ist nicht unerheblich im weißen Ballett, in dem die Herren Stars wie Ronaldo, Gareth Bale oder James Rodriguez um Kroos herum tanzen und dabei lieber bei spektakulären Aktionen in der Offensive eine gute Figur abgeben.

Zumal Luka Modric weiter verletzt ist, Xabi Alonso nach München transferiert wurde und die Last im Zentrum auf Kroos alleine liegt. Ein Problem scheint es für ihn nicht zu sein.

Roboter ohne Verschleiß

Dass Real wettbewerbsübergreifend 22 Spiele in Folge gewonnen hat, ist auch der Verdient von Kroos.

Dabei muss nicht nur seine Qualität heraus gestrichen werden, sondern auch die Quantität.

Auf knapp 2200 Minuten kommt er in allen Wettbewerben, mehr als jeder andere Mitspieler bei Real. Hinzu kommen die Länderspiele.

Nicht zuletzt deshalb bezeichnen sie ihn auch - ein weiterer Beiname - als Roboter.

Weil er in Reals Schaltzentrale so reibungslos funktioniert, ohne Verschleiß in Kroos? eigener Schaltzentrale.

Keine Verschnaufpause

Spurlos vorüber gegangen sind die Strapazen des Jahres 2014 an ihm allerdings nicht.

"Ich fange an müde zu werden", sagte er selbst vor ein paar Wochen. Auf dem Platz war ihm davon nichts anzumerken.

Und eine Verschnaufpause kann er sich nicht gönnen.

Nach dem Test gegen Mailand geht es für Real schon am 4. Januar in der Primera Division beim Tabellenvierten FC Valencia weiter. Es folgen die Hin- und Rückspiele im Pokal-Achtelfinale gegen den Stadtrivalen Atletico.

Und natürlich soll Kroos Real helfen, als erster Klub den Titel in der Champions League erfolgreich zu verteidigen.

Kommt auch Marco Reus?

Zudem hat Kroos Präsident Florentino Perez und Trainer Carlo Ancelotti auf den Geschmack gebracht.

Der umtriebige Unternehmer Perez und der Bauernsohn aus der Emilia Romagna wollen offenbar auf noch mehr deutsche Wertarbeit setzen.

So verdichten sich die Anzeichen, dass bei der Planung des neuen Real Marco Reus im Sommer von Borussia Dortmund nach Madrid gelotst werden soll.

Reus Ablöse ist auf 25 Millionen Euro festgeschrieben. So viel wie auch Kroos gekostet hat. Ein Omen?

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