Andrew Warshaw meint: Die Kandidatur von Prinz Ali ist der richtige Schritt. Die Erfolgsaussichten sind aber gering.

Ist es ein mutiger Schritt eines jungen FIFA-Reformers oder pures Risiko, das ihm zum Verhängnis werden könnte? Praktisch über Nacht hat Prinz Ali beschlossen, Sepp Blatter im Kampf um das Amt des FIFA-Präsidenten herauszufordern.

Die große Frage ist, was ihn zuversichtlich macht, den Chefposten im Weltfußball zu bekommen. Schließlich genießt Blatter breite Unterstützung. Trotz allen möglichen Krisen und Skandalen, die es in der FIFA in den vergangenen 16 Jahren gab, ist er an der Spitze geblieben.

Prinz Ali hat in privaten Gesprächen in aller Deutlichkeit gesagt, wie unzufrieden er mit der FIFA-Spitze ist. Er ist damit nicht allein. Viele Beobachter gehen mit seiner Meinung konform, "die Welt-Sportart verdiene ein Weltklasse-Organ. Eine internationale Vereinigung, die eine Dienstleistungsorganisation und ein Modell der Ethik, Transparenz und guter Führung ist".

Sein Problem ist, dass seine Arbeitsweise nicht von vielen der hochrangigen FIFA-Mitglieder geteilt wird. Prinz Ali muss kämpfen, um eine ausreichende internationale Unterstützung zu bekommen, mit der er Blatter stürzen kann.

Selbst in seinem eigenen Verband, dem asiatischen AFC, wird er möglicherweise nicht in der Lage sein, genug Unterstützung zu finden, um den Thron in Zürich einzunehmen.

Warum kandidiert er also?

Die Antwort liegt in seiner eigenen Position und darin, dass er nichts zu verlieren hat. Die Amtszeit als Asiens FIFA-Vizepräsident endet. Es gibt keine Garantie, dass er in Zukunft einen sicheren Platz im FIFA-Exekutivkomitee bekommt.

Es ist kein Zufall, dass Prinz Ali seine Ankündigung drei Tage vor dem außerordentlichen AFC-Kongress in Australien gemacht hat. Präsident Scheich Salman al Khalifa Ebrahim hat Blatter seine Unterstützung zugesagt.

So auch Kuwaits Scheich Ahmad Al-Fahad Al-Sabah, der wohl der mächtigste Mann in der asiatischen Sportpolitik. Wegen diesen beiden Machthaber und dem Ende seiner eigenen Vierjahres-Amtszeit, das nach dem FIFA-Kongress im Mai bevorsteht, steht Prinz Ali vor einer ungewissen Zukunft.

Deshalb bringt er sich in Position und schlägt die Trommel, um auf Reformen und Veränderungen hinzuweisen. Selbst wenn er verlieren sollte, wer weiß, wie die Landkarte der Fußballpolitik in vier Jahren aussehen könnte. Merkwürdige Comebacks passieren immer. Und Prinz Ali, Teil einer Königsfamilie, die in der Sportpolitik angesehen ist, wäre dann nach FIFA-Maßstäben immer noch ein junger Mann.

Eines ist sicher: Die UEFA und ihr Präsident Michel Platini werden mit allen Mitteln versuchen, Prinz Ali zu unterstützen, da sie ohnehin verzweifelt nach einer Alternative zu Blatter gesucht hatten und seine Zeit für abgelaufen halten. Dabei darf aber auch der Einfluss des russischen Blocks nicht vergessen werden, der wohl kaum von Blatter abrücken wird.

Die Europäer sind nach wie vor verärgert, dass Blatter entgegen seiner Ankündigung von 2011 nun doch für eine fünfte Amtszeit kandidiert. Aber Prince Ali wird mehr als die 54 Stimmen der europäischen Länder benötigen, um Blatter abzulösen. Deswegen hat sich Platini ja auch zurückgehalten und beschränkt sich auf das, was er kontrollieren kann.

Anders als Platini hat Prinz Ali keine mächtige Plattform, von der aus er seine Ideen über die Zukunft verbreiten kann: eine bittere Pille für einen, der seit er im Fußball tätig ist, für Good Governance und die positive Entwicklung des Fußballs in Asien auf und abseits des Felds eintritt.

So hat er z.B. bei der Errichtung des Asian Football Development Project (AFDP), eine sehr effektive Non-Profit Organisation mit Wunderwirkung in der Region, mitgewirkt. Außerdem ist er Vorsitzender des Fair Play- und Social Responsibility-Komitee der FIFA.

Sollte Prinz Ali seine FIFA-Vizepräsidentschaft tatsächlich verlieren, so muss er darum kämpfen, sein Profil zu bewahren. Er könnte dann für einen Sitz im FIFA-Exekutivkomitee kandidieren. Und dann weiß er auch, wie seine Chancen stehen, Blatter am 29. Mai zu enthronen.

Wie in der Fußballpolitik üblich, dreht sich alles um Timing und Strategie. Kraulen sie meinem Rücken, dann werde ich ihren kratzen.

Andrew Warshaw ist Chefkorrespondent der SPORT1-Partnerseite Inside World Football (www.insideworldfootball.com) und war Sports Editor der Zeitung "The European".

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