Zürich - Löw tritt als Welttrainer die Nachfolge von Heynckes an. Er bedankt sich beim DFB-Team und setzt zum nächsten Höhenflug an.

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Weltmeister-Coach Joachim Löw ist Trainer des Jahres 2014. Der Bundestrainer setzte sich bei der Wahl des Weltverbandes FIFA erwartungsgemäß gegen den Champions-League-Sieger Carlo Ancelotti von Real Madrid und Spaniens Meistercoach Diego Simeone von Atletico Madrid durch.

"Das ist das Sahnehäubchen auf den WM-Pokal", sagte ein sichtlich gerührter Löw und widmete den Preis auch der Weltmeister-Mannschaft: "Was wäre ein Trainer ohne eine großartige Mannschaft, die das alles umgesetzt hat? Es ist ein riesen Geschenk, mit euch zu arbeiten."

Löw bedankte sich zugleich bei allen Trainern in Deutschland: "Ich sehe diesen Preis nicht als meinen eigenen an. Ich nehme ihn nur stellvertretend entgegen. Ich möchte mich bei allen deutschen Trainern bedanken, die jeden Tag hervorragende Arbeit leisten. Sie sind alle Trainer des Jahres. Denn ohne gut ausgebildete Spieler bin ich nichts."

Als Welttrainer tritt Löw die Nachfolge des ehemaligen Bayern-Coaches Jupp Heynckes an, der 2013 nach dem Triple-Triumph der Münchner die Auszeichnung gewonnen hatte.

Erster Gratulant war Ancelotti. Anschließend nahm Löw auf der Bühne die Auszeichnung von Hitzfeld entgegen.

Beckenbauer: "Ein Superstar"

Die Wahl von Löw ist keine Überraschung.

Für Franz Beckenbauer ist Löw nach dem gewonnenen WM-Titel "ein Superstar", für Jürgen Klinsmann dagegen nach wie vor der nette Kollege mit "seiner badischen Lockerheit". Der Vorgänger von Löw im Amt des Bundestrainers schätzt an seinem früheren Assistenten vor allem, dass er "immer noch die Gelassenheit hat, sich Zeit für einen gemeinsamen Espresso zu nehmen".

Und Löw, der bei seinem vierten Turnier als Cheftrainer mit Deutschland im vergangenen Sommer in Brasilien den WM-Titel holte, fühlt sich in der Rolle des Normalo auch lieber als in der Glamourwelt des Fußballs.

Seine Familie und seine Freunde im Schwarzwald würden schon dafür sorgen, dass er nicht die Bodenhaftung verliert, sagte er bereits kurz nach seinem wohl größten Triumph in Maracana.

Daran ändert auch seine Auszeichnung zum Trainer des Jahres 2014 durch den Weltverband FIFA nichts.

Kritik nach EM 2012

Löw, der mit Klinsmann 2006 für das deutsche Sommermärchen verantwortlich war, konnte vor dem WM-Titel bereits auf einen beachtlichen dritten Platz bei der WM 2010 in Südafrika und einen zweiten Rang bei der EURO 2008 in seiner Alleinverantwortung stolz sein.

Nach dem Halbfinalaus bei der EM 2012 in Polen und der Ukraine gegen Italien (1:2) wuchsen aber die Zweifel, ob Löw auch der Mann für den ganz großen Wurf ist.

Er selbst, der zuvor als Trainer lediglich 1997 mit dem VfB Stuttgart den DFB-Pokal gewonnen hatte, musst das frühzeitige EM-Aus auch erst einmal sacken lassen, ehe er mit neuer Energie beharrlich seinen Weg fortsetzte.

Der WM-Titel 2014 war dann der verdiente Lohn für den ehemaligen Profi, der als Spieler eher Durchschnitt war.

Nächstes Ziel Pilotenschein

"Er ist ein Trainer, der nie das Gesamtbild aus den Augen verliert", beschreibt Klinsmann seinen Nachfolger, der sich nicht auf dem Erfolg ausruhen will.

Deshalb ist Löw auch nicht nach der Sternstunde in Rio zurückgetreten. Vielmehr reizt es den Weltmeister-Coach, auch 2016 in Frankreich noch einmal Geschichte zu schreiben.

"Wir wollen das Gefühl mit dem Pokal in der Hand noch einmal genießen. Deshalb streben wir bei der EM in Frankreich auch den Titel an", sagte Löw bereits vor dem Start der Qualifikation und legte damit die Messlatte für sich und seinen Mannschaft wieder sehr hoch.

Irgendwann später kann sich Löw, der zurzeit den Flugschein macht, auch eine Rückkehr in den Klubfußball vorstellen.

"Ich schließe da jetzt nichts aus, vorstellbar ist vieles, natürlich auch, irgendwann noch mal eine Vereinsmannschaft zu trainieren", sagte der Bundestrainer.

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