München - Manuel Neuer hat Fürsprecher in Taipeh und Thailand - und ist trotzdem chancenlos. SPORT1 wertet das Abstimmungsergebnis aus.

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Da sage noch mal einer, die FIFA wäre nicht um Transparenz bemüht. Zumindest bei der Weltfußballer-Wahl schaffte sie schnell Fakten.

Cristiano Ronaldohatte soeben den Ballon d'Or erhalten, da veröffentlichte der Weltverband bereits das genaue Abstimmungsergebnis (Die Abstimmung im Überblick).

Auf 17 Seiten steht, wer welchem Star wie viele Punkte gegeben hat - vom afghanischen Kapitän Islam Amiri bis zum Journalisten Charles Mabika aus Simbabwe.

Sie sahen Ronaldo vorne, der Portugiese erhielt 37,66 Prozent der Punkte. Lionel Messi kam auf 15,76 Prozent, Neuer auf 15,72.

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Die drei Kandidaten für die Wahl zum Weltfußballer 2014: Neuer, Messi und Ronaldo (v.l.) © Getty

Doch was steckt hinter diesen Zahlen? SPORT1 nimmt das Abstimmungsergebnis unter die Lupe.

Ist Neuer bei den kleinen Fußballnationen unbekannt?

Der Bayern-Torwart hat einen globalen Fanklub. In diesem ist Taipehs Kapitän Chian Lee Meng genauso wie Junior Henry Faro'Odo, Spielführer der Salomon Inseln.

Sie haben Neuer auf Platz eins gewählt. Auch Trainer Pan Gon Kim aus Hong Kong sah den Weltmeister vorne, genauso wie der thailändische Journalist Urai Patoommawatana.

Allerdings: Neuers Anhänger sind klar in der Minderheit. Das gilt aber für Europa ebenso wie für Asien, Afrika oder Ozeanien. Auf jedem Kontinent liegt Cristiano Ronaldo vorne.

Wie hat die Bundesliga abgestimmt?

Sieben Spieler, die in Deutschland unter Vertrag sind, durften abstimmen. Bei zwei Profis lag Manuel Neuer vorne - seine Teamkollegen Bastian Schweinsteiger (Deutschland) und Claudio Pizarro (Peru) sahen den Torwart auf Platz eins.

Robert Lewandowski gab Ronaldo fünf Punkte. Allerdings hatte der Pole die Wahl laut Matthias Sammer missverstanden und Neuer deshalb nicht auf den ersten Platz gewählt.

"Im letzten August war die Wahl zwischen Tür und Angel, und er war unüberlegt, es war ihm gar nicht bewusst, dass die Punktzahl dabei entscheidend ist", sagte Bayerns Sportvorstand bei SPORT1.

Der Österreicher Christian Fuchs muss sich für seine Ronaldo-Wahl nicht rechtfertigen, schließlich spielt er bei Schalke. Das gilt auch für den Norweger Per Ciljan Skjelbred, der als Hertha-Profi nicht weisungsgebunden ist.

Dortmunds Pierre-Emerick Aubameyang gab Lionel Messi fünf Punkte. Für den Esten Ragnar Klavan vom FC Augsburg war Philipp Lahm der beste Fußballer auf dem Planeten.

Wer hat bei den deutschen Trainern das Rennen gemacht?

Wenn es nach den deutschen Nationaltrainern im Ausland gegangen wäre, dürfte sich Manuel Neuer seit Montagabend als Weltfußballer des Jahres feiern lassen.

Jürgen Klinsmann (USA), Winfried Schäfer (Jamaika) und Bernd Stange (Singapur) haben allesamt den Weltmeister-Torwart bei ihrer Abstimmung auf Platz eins gesetzt.

Bei Ulli Stielike (Südkorea) landete Neuer hinter Gewinner Cristiano Ronaldo auf dem zweiten Platz (drei Punkte).

Nur Volker Finke (Kamerun) hatte keine Punkte für seinen Landsmann übrig. Für den Ex-Coach des SC Freiburg war Arjen Robben von Bayern München der beste Spieler des vergangenen Jahres. James Rodriguez und Yaya Toure lagen in Finkes Liste hinter dem Niederländer.

Wer schwimmt gegen den Strom?

Die Wahlberechtigten im Pazifik kennen nur Ronaldo und Messi, so lautet ein weit verbreitetes Vorurteil. Ollivier Luc kann dieses entkräften.

Für den Journalisten aus Tahiti war Paul Pogba der Spieler des Jahres. Luc sah den jungen Franzosen vorne. Diese Meinung hatte er exklusiv. Messi und Ronaldo gab Luc keine Punkte, dafür sah er Neuer hinter James Rodriguez auf Rang drei.

Quinton Griffith sah einen Torwart vorne – jedoch nicht den Weltmeister. Für den Kapitän des Karibikstaates Antigua und Barbuda war Thibaut Courtois 2014 das Nonplusultra im Weltfußball.

Griffith gab dem belgischen Schlussmann die Höchstpunktzahl. Neuer schaffte es bei ihm nicht in die Top3 – Ronaldo übrigens auch nicht.

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