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München - Die WM in Katar soll im November 2022 starten. Der Terminplan in Bundesliga und Champions League gerät durcheinander. SPORT1 beleuchtet die Folgen eines Winterturniers.

Manuel Neuer ahnt die Ecke und pariert Neymars Elfmeter. Kurz darauf begraben die DFB-Spieler den 36-Jährigen unter sich. Routinier Neuer hat Deutschland mit seiner Glanztat einen weiteren WM-Titel beschert.

DFB-Kapitän Christoph Kramer reckt den Goldpokal in den Nachthimmel von Doha. Und die Fans am Brandenburger Tor feiern diesen 23. Dezember 2022. Mit Glühwein, in schwarz-rot-goldenen Daunenjacken und einem Schlittenkorso.

Ein utopisches Szenario? Mitnichten. Der Finaltermin ist durchaus realistisch. Am Dienstag gab eine FIFA-Arbeitsgruppe die Empfehlung für eine Winter-WM in Katar ab.

"Ich denke der Vorschlag wird in Richtung November/Dezember gehen. Es gibt aber auch andere Optionen", sagte Scheich Salman bin Ibrahim Al Chalifa, Präsident der Asiatischen Fußball-Konföderation und Chef der Task Force.

Schon kursieren erste Gerüchte über den Terminplan. Die Nachrichtenagentur AFP will erfahren haben, dass das Eröffnungsspiel am 26. November und das Finale am 23. Dezember steigen soll.

Eine endgültige Entscheidung steht aber noch aus. SPORT1 beantwortet die wichtigsten Fragen zum Turnier im Wüstenstaat.

  • Warum soll die WM verschoben werden?

Im Sommer steigt das Thermometer in Katar auf bis zu 50 Grad. Die Gastgeber können die Temperaturen in den Stadien zwar deutlich senken. Dennoch: Im Winter bei unter 30 Grad wäre die Gesundheit für Spieler und Fans nicht gefährdet.

Diese Begründung hält SPORT1-Experte Thomas Berthold für plausibel, allerdings ist für ihn die Aufregung auch etwas übertrieben.

"Es ist nicht so, dass wir das erste Mal in einer heißen Gegend Fußball spielen", sagt der 50-Jährige. Er erinnert an seine Spiele 1986 in Mexiko und 1994 in den USA: "Auch da waren extreme Bedingungen. Wir sind aber alle gesund zurückgekehrt."

Die FIFA will aber kein Risiko eingehen, deshalb kommen Spiele zwischen Mai und September nicht in Frage.

Im Januar und Februar 2022 steigen die Olympischen Winterspiele in Peking oder Almaty. Die FIFA will einer Terminkollision aus dem Weg gehen.

Der April scheidet aus, weil der Ramadan 2022 in diesen Monat fällt. Ein Turnier, bei dem die muslimischen Fans auf Essen und Trinken verzichten müssen, wäre ein zu großes Wagnis. Also blieb für die Task Force nur der November und Dezember übrig.

  • Welche Hürden gibt es noch?

Die Arbeitsgruppe hat am Dienstag nur eine Empfehlung abgeben. Die endgültige Entscheidung fällt das FIFA-Exekutivkomitee, das am 19./20. März zur nächsten Sitzung zusammenkommen wird. Eine Zustimmung ist sehr wahrscheinlich.

Doch danach könnte es zu Einsprüchen kommen. Thomas Berthold erwartet vor allem Widerstand aus England.

"Die Premier League wird auf jeden Fall klagen. Die haben kurz darauf ihren Boxing Day, den werden die sich nicht nehmen lassen. Wenn die ankündigen, dass sie klagen, dann werden sie nicht den Schwanz einziehen. Die haben so viel Geld und denen ist so eine FIFA-WM egal. Denen geht es um das eigene Produkt", sagt er SPORT1.

Für den Boss der Premier League war die Nachricht aus Doha schon mal ein Schlag ins Gesicht. "Enttäuschend - das ist das richtige Wort", sagte Richard Scudamore: "Und ich denke, ich spreche da für alle europäischen Ligen und Klubs, die nun mal die meisten Spieler stellen."

  • Wie wird der Kalender angeglichen?

Beginnt das Turnier Ende November, bräuchten die Nationalteams noch ausreichend Zeit für die Vorbereitung. Mit Trainingslager und Akklimatisierung vor Ort kommen schon mal drei Wochen zusammen.

Also müssten die Vereine ihre Spieler Anfang November abstellen. Zum Vergleich: 2014 gab es im November und Dezember acht Spieltage in der Bundesliga und drei in der Champions League.

Um das zu kompensieren, müsste die Saison früher beginnen und später enden. Der 1. Spieltag Ende Juli, der letzte Mitte Juni 2023 – das wäre ein mögliches Szenario.

Das Turnier an sich könnte auch verkürzt werden. Aktuell ist von 28 Tagen die Rede. In Brasilien lagen im Vorjahr zwischen Eröffnungsspiel und Finale 32 Tage. Wie sich eine Verkürzung auf den Modus auswirkt, ist nicht bekannt.

  • Wie sind die Reaktionen aus Deutschland?

Die DFL nimmt die FIFA nach dem Beschluss in die Pflicht. "Die FIFA muss nun konkret aufzeigen, wie eine Lösung aussehen kann, die allen Belangen Rechnung trägt", sagte DFL-Geschäftsführer Andreas Rettig.

"Die WM in diesen Monaten stellt für die europäischen Ligen eine organisatorische, aber auch finanzielle Belastung dar. Mit der Terminfestlegung allein ist es deshalb nicht getan", erklärte er zudem.

Ins gleiche Horn stößt auch Karl-Heinz Rummenigge.

Rummenigge: "Erwarten Kompensierung des Schadens"

"Den europäischen Klubs und Ligen kann aber nicht zugemutet werden, allein den Preis für die Verlegung der FIFA-WM 2022 in den Winter zu bezahlen. Wir erwarten ebenso die Bereitschaft, den Schaden für die Klubs zu kompensieren", sagte der Vorstandsvorsitzende des FC Bayern in seiner Funktion als Vorsitzender der European Club Association.

Für Wolfgang Niersbach liegt der Spielball nun im Feld des Weltverbandes. "Jetzt sind die Terminplaner gefragt, bestmögliche Lösungen zu finden, was sicher nicht einfach, aber auch nicht unmöglich ist", sagte der DFB-Präsident und gestand: "Es fällt schwer sich an den Gedanken zu gewöhnen, dass ein WM-Finale kurz vor Weihnachten stattfinden soll."

  • Wie stehen die Gastgeber zum Terminplan?

Bislang halten sich die Katari noch bedeckt. Doch für Nassar Al-Khatar spielt der Termin laut eigener Aussage eh keine Rolle.

"Wir werden vorbereitet sein, egal ob das Turnier im Sommer oder Winter stattfindet. Das gilt für jede Termin-Entscheidung der internationalen Gemeinschaft", sagte der Marketingchef des WM-Organisationskomitees im Vorjahr zu SPORT1.

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